Gerichtsprozess

Geisterfahrerin kann nicht ins Gefängnis

  • schließen

DUISBURG - Sie wollte sich umbringen und fuhr deshalb entgegen der Fahrtrichtung auf die Autobahn. Es kam zu einem schweren Frontalzusammenstoß, das betroffene Ehepaar überlebte knapp. Ins Gefängnis wird die Geisterfahrerin aber wohl nicht kommen.

Diese Situation ist der absolute Albtraum: Vor etwas mehr als einem Jahr ist einem Ehepaar aus Moers auf der A59 eine Geisterfahrerin entgegengekommen. Alle wurden schwer verletzt. Seit Mittwoch beschäftigt der Fall das Duisburger Schwurgericht.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Geisterfahrt als Mordversuch. Bestraft werden kann die 46-Jährige jedoch nicht. Sie leidet unter paranoider Schizophrenie, gilt vor Gericht als schuldunfähig. Im Prozess droht ihr die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie – zum Schutz der Allgemeinheit.

Kein Ausweichen mehr möglich

Es war am 9. März 2018, morgens gegen fünf Uhr. Die 46-Jährige fuhr laut Staatsanwaltschaft in Suizidabsicht auf die Gegenfahrbahn. Sie touchierte zwei Fahrzeuge, dann der Frontalzusammenstoß.

Im anderen Auto saß das Ehepaar aus Moers. Der 57-jährige Fahrer war von der A42 („Emscherschnellweg“) auf die A59 in Richtung Dinslaken aufgefahren, war gerade dabei, einen Lkw zu überholen. Dann sah er die entgegenkommenden Scheinwerfer. „Die waren wahnsinnig grell“, sagt er den Richtern sichtlich aufgewühlt. Ein Ausweichen war nicht mehr möglich.

Lebenslange Folgeschäden

Vor Gericht erscheint der Fleischer mit Krücken, sein linkes Bein steckt noch immer in einer Schiene. „Es muss noch einmal für ein halbes Jahr stillgelegt werden“, sagt er. Dazu kommen die Schmerzen im Rücken, in der Hand, im ganzen Körper. Ertragen kann er sie nur durch einen täglichen Medikamenten-Cocktail.

Seine Frau wird vor Gericht noch deutlicher. Als sie die Geisterfahrerin sieht, sagt sie: „Sie kann nie wiedergutmachen, was sie uns angetan hat.“ Und weiter: „Unser Leben wird nie wieder so sein, wie früher.“ Die 46-Jährige selbst kann sich an nichts erinnern. „Ich weiß nicht, wie das passiert ist“, sagt sie. „Es tut mir so leid für die Leute.“

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Waltroper Parkfest: Frida Gold setzt Schlussakkord - eine andere Band imponiert auch
Waltroper Parkfest: Frida Gold setzt Schlussakkord - eine andere Band imponiert auch
Kobra in Herne ausgebüxt - vier Häuser sind evakuiert
Kobra in Herne ausgebüxt - vier Häuser sind evakuiert
"Kinderwelt" soll nach Feuer wiederaufgebaut werden: So sieht die Planung aus
"Kinderwelt" soll nach Feuer wiederaufgebaut werden: So sieht die Planung aus
Männer in Kettenhemden schwingen die Klingen - was die Besucher der Ritterspiele erwartet 
Männer in Kettenhemden schwingen die Klingen - was die Besucher der Ritterspiele erwartet 
So war das Waltroper Parkfest aus der Sicht der Polizei 
So war das Waltroper Parkfest aus der Sicht der Polizei 

Kommentare