Gerichtsprozess

Heimlich Gespräche aufgezeichnet: Bewährungsstrafe für Polizeibeamten

Im Skandal um heimlich mitgeschnittene Dienstgespräche hat das Amtsgericht Dortmund einen Polizisten verurteilt. Der Beamte erhielt eine Bewährungsstrafe - und bangt um seinen Job.

Ende 2017 hatte das Amtsgericht bereits eine Kollegin des Polizeibeamten zu derselben Strafe verurteilt. Die Frau und der ältere und höherrangige Beamte hatten über Monate hinweg eine heimliche Affäre gehabt - und sich dabei offenbar oft gegenseitig kleine Sprachfetzen aus ihrem dienstlichen Alltag bei der Dortmunder Polizei auf die Mobiltelefone geschickt.

Geliebte empfing die Nachrichten

"Wir konnten ja keinen normalen Alltag teilen", sagte die Polizistin am Mittwoch als Zeugin aus. "Auf diese Weise wollten wir den jeweils anderen daran teilhaben lassen, was wir gerade taten." Auf dem Mobiltelefon der Frau wurden schließlich Hunderte von Sprachnachrichten sichergestellt. Mal sind darauf Vernehmungen zu hören, mal Gespräche mit Kollegen. Von den Aufzeichnungen wussten diese nichts.

Die 2017 verurteilte Beamtin ist inzwischen vom Dienst suspendiert. Das Disziplinarverfahren ist zwar noch nicht abgeschlossen, große Hoffnungen, weiter als Polizistin arbeiten zu dürfen, kann sich die Frau aber wohl nicht machen. Bei ihrer Zeugenvernehmung am Mittwoch wirkte die 38-Jährige sichtlich geknickt und erschüttert.

Jetzt droht Suspendierung

Und ihr Vorgesetzter? Der Mann, dessen heimliche Geliebte sie gewesen war? Der erschien selbst nicht zu seinem Prozess am Amtsgericht. "Psychisch schwer angeschlagen" sei der Beamte, sagte der Verteidiger. Richter Dr. Rolf Mattern verhandelte trotzdem. Dann eben in Abwesenheit des Polizisten.

Der gravierende Unterschied zum ersten Fall lag darin, dass auf dem Mobiltelefon des Mannes keine einzige Sprachnachricht gefunden werden konnte. So mussten sich Gericht und Staatsanwalt auf das beschränken, was auf dem Gerät der Frau noch vorhanden war.

Aber stammen diese auch tatsächlich vom Angeklagten? Die beiden Verteidiger versuchten bis zum Schluss, Zweifel zu säen. Am Ende jedoch ohne Erfolg. Der Polizeibeamte erhielt acht Monate Haft auf Bewährung.

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