Gerichtsprozess

Mutmaßlicher Schalla-Mörder bestreitet die Tat und fordert Respekt

Eigentlich wollte er ja gar nichts sagen. Doch jetzt hat der Hauptverdächtige im Mordfall Schalla sein Schweigen vor Gericht gebrochen. Ralf H. fordert vor allem eins: Respekt.

Damit, dass die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, am 14. Oktober 1993 die damals 16-jährige Nicole Denise Schalla in Dortmund-Rahm getötet zu haben, hat sich der Angeklagte inzwischen arrangiert. Doch, dass er bei allen und jedem bereits als überführt und verurteilt gilt, stößt ihm sauer auf.

Schon kurz nachdem er am Mittwoch zum zweiten Verhandlungstag in den Saal des Schwurgerichts geführt worden war, redete er scharf auf seine beiden Verteidiger ein. Nach einer mehr als 30-minütigen Unterbrechung legte er dann richtig los.

Direkte Ansprache an Eltern

Bei seiner Festnahme sei er geschlagen und misshandelt worden, beklagte sich der 53-Jährige. "Doch das ist alles nichts gegen das, was Sie durchmachen müssen, Familie Schalla", sagte er. Er hätte sich gewünscht, dass die Eheleute einen Anwalt finden, der ihnen die Ermittlungsergebnisse wirklich einmal ruhig und ungeschönt vortrage. Leider wirke es auf ihn jedoch, als wolle vor allem die Nebenklageanwältin ihn in aller Öffentlichkeit fertigmachen.

"Ich habe aber noch nie einen Menschen umgebracht und war auch noch nie kurz davor", sagte Ralf H. "Ich habe großen Respekt vor Ihnen, Familie Schalla, aber ich erwarte auch Respekt für meine Person. Ich bin dieser Tat nicht überführt, ich habe auch eine Familie da draußen, die mit allem klarkommen muss."

Opfer-Anwältin widerspricht

Nebenklageanwältin Arabella Pooth antwortete auf die Rede des Angeklagten nur kurz: "Ich habe nie gesagt, dass Sie der Täter sind. Aber ich stehe dazu: Diese DNA-Spur ist für mich ein entscheidendes Indiz. Und ich bin sehr gespannt, wie Sie uns erklären wollen, wie diese Spur denn sonst an diese Stelle des Körpers gelangt sein soll."

Bis sich das Gericht an die Klärung der vielleicht entscheidenden Frage des Prozesses macht, sollen aber erst noch weitere Zeugen vernommen werden. Eine Frau, die seinerzeit als junges Mädchen beobachtet haben will, wie Nicole Denise Schalla gegen 22.45 Uhr zusammen mit einem unbekannten Mann aus dem Bus ausgestiegen ist, will inzwischen sogar den Angeklagten als den gesuchten Unbekannten wiedererkennen. Im Januar soll sie deshalb noch einmal als Zeugin kommen - und sich Fotos von Ralf H. aus der Zeit um 1993 herum ansehen.

Schülerin hatte keine Chance

Deutlich wurde am zweiten Verhandlungstag auch, dass die 16-jährige Schülerin keine Chance hatte, den Angriff ihres Mörders vorab zu bemerken. In ihrer Hosentasche ist ein Walkman gefunden worden, die Kopfhörer haben neben ihren Ohren gelegen. Die Batterien waren leer, die Lautstärke war auf Stufe 3 eingestellt. "Wenn man so Musik hört, nimmt man Außengeräusche nicht mehr wahr", heißt es in dem damaligen polizeilichen Untersuchungsbericht. Nicole Denise Schalla hatte auf den letzten Metern ihres kurzen Lebens laute Technomusik gehört.

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