Gerichtsprozess

Schausteller verurteilt – er zahlte keine Steuern

Dortmund - Seit sieben Jahren hat ein Schausteller und Weihnachtsmarkt-Verkäufer aus Dortmund keine Steuern mehr bezahlt. Nun wurde er verurteilt - muss aber weniger nachzahlen, als das Finanzamt will.

Einmal die Spezialität aus dem Süden Europas? Oder doch lieber eine Leckerei aus den Alpen? Auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt ist der Stand des Angeklagten ein beliebter Anlaufpunkt. Rund 100.000 Euro Umsatz macht er allein dort - und zwar Jahr für Jahr. Das hat er im Prozess selbst gesagt. Dazu kommen noch eine Kirmes und ein paar kleinere Events.

Steuern? Die wurden einfach nicht gezahlt. Die letzte Steuererklärung stammt aus 2011. "Ich weiß, dass ich da was verbockt habe", sagte der 52-Jährige im Prozess am Dortmunder Amtsgericht. "Aber eigentlich bin ich gar nicht so."

"Kopf in den Sand gesteckt"

Neun Monate Haft auf Bewährung: Das ist die Strafe, die am Ende verhängt worden ist. "Er hat den Kopf in den Sand gesteckt", sagte Richter Carsten Krumm. "Trotz eines gut laufenden Betriebes."

Wie es so weit kommen konnte? Der Angeklagte war eigentlich Kfz-Mechaniker, bis er von seinem Schwiegervater ein Kinderkarussell übernahm. Das war vor rund 20 Jahren. Später - nach dem plötzlichen Tod seiner Ehefrau - verlegte er sich auf den Verkauf von Bier und süßen Spezialitäten. Und das macht er bis heute.

"Davon kann man auch gut leben", sagte er den Richtern. Was ihm in den vergangenen Jahren allerdings zu schaffen machte, waren private Probleme. "Mein Sohn will einfach nicht arbeiten", sagte er im Prozess. Und dann habe sich auch noch seine Lebensgefährtin von ihm getrennt.

Finanzamt schätzt Schaden auf über 200.000 Euro

Auch der Steuerberater wollte schließlich nicht mehr mitmachen - wegen fehlender Kooperationsbereitschaft. "Irgendwann hat der Angeklagte dann vollständig den Überblick verloren", so Verteidiger Christian Isselhorst.

Und so ging ein Jahr nach dem anderen ins Land, ohne dass der Dortmunder Schausteller auch nur einen Cent Steuern zahlte.

Auf rund 240.000 Euro hat das Finanzamt den Schaden für den Fiskus geschätzt. Die Richter am Dortmunder Amtsgericht halten das allerdings für zu hoch. Beruhend auf den Angaben des Angeklagten kamen sie auf einen Steuerschaden von rund 90.000 Euro.

Immer noch keinen Steuerberater

Was ihnen allerdings zu denken gab: Trotz des Strafverfahrens hat der 52-jährige Dortmunder immer noch keinen Steuerberater engagiert, um seine Buchhaltung wieder aufzunehmen. Auch die Einnahmen aus dem Weihnachtsgeschäft 2018 sind noch nicht versteuert worden. Er hat allerdings versprochen, dass er sich nun um alles kümmern werde. Was ihm auch geglaubt wurde. Sonst hätte er wohl kaum noch eine Bewährungsstrafe bekommen. Verteidiger Isselhorst: "Heute ist der Tag, der ihm gezeigt hat, dass es so nicht weitergehen kann."

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