Gerichtsprozess

Wahnpsychose: Ex-Patient steckt zwei Matratzen in der LWL-Klinik an

HERTEN - Den Zustand einer akuten Wahnpsychose, von der er seit Jahren befallen ist, beschrieb der Ex-Patient (45) so: „Mein Kopf dreht dann durch. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.“ Nachdem er in der Hertener LWL-Klinik zwei Matratzen angesteckt hat, droht ihm nun die Zwangseinweisung in die Psychiatrie.

Er hörte Stimmen, nahm sein Feuerzeug und steckte zwei Matratzen an: Fünf Monate nach einem Bettenbrand in der LWL-Klinik am Schlosspark steht die Freiheit eines Ex-Patienten (45) seit Freitag auf dem Prüfstand vor Gericht.

„Ich kann dazu kaum etwas sagen. Außer, dass ich das war“, sagte der bullige Mann. „Ich hatte damals so eine starke Psychose, habe Stimmen gehört, die gesagt haben, dass sie vom SEK (Spezialeinsatzkommando) sind und dass ich jetzt was anstecken soll.“ Eine klassische Bestrafung des 45-Jährigen kommt wegen krankheitsbedingter Schuldunfähigkeit nicht in Betracht. In dem Sicherungsverfahren vor der 1. Strafkammer geht es vielmehr um diese Fragen: Wie gefährlich ist der Brandstifter für die Allgemeinheit? Wie hoch ist die Gefahr, dass sich eine Tat in Freiheit wiederholt?

Es war der 11. August 2013, als gegen 19.30 Uhr auf der Intensivstation der Klinik ein Feuer ausbrach. Die Matratzen von zwei ungenutzt auf dem Flur der Station stehenden Betten standen in Flammen, Qualm und Rauch zogen durch die Gänge. Die Brandmeldeanlage heulte, die Patienten der Station wurden evakuiert. Während der Beschuldigte und weitere 18 Intensivpatienten von den Pflegekräften in den Klinikhof geleitet wurden, gelang es anderen Mitarbeitern, mit Wassereimern das Bettenfeuer noch vor Eintreffen der Feuerwehr zu löschen.

Nach Auswertung der Videoaufnahmen von der Flurkamera konnte der bullige Patient bereits kurz danach als Brandstifter ausgemacht werden. Angesprochen auf einen vorherigen Brand in der Klinik, wies er alles von sich. Häufiger war der 45-Jährige schon wochenlang in der LWL-Klinik. Seit der Brandlegung ist der 45-Jährige in der geschlossenen Psychiatrie in Lippstadt untergebracht. Ob er dort möglicherweise zwangsweise und auf unbestimmte Zeit eingesperrt bleiben muss, wollen die Richter nun entscheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Demonstranten fordern "Moralische Unterstützung für das türkische Volk"
Demonstranten fordern "Moralische Unterstützung für das türkische Volk"
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Jugendliche bedrohen Kioskbetreiber mit Schusswaffe und Schlagring
Jugendliche bedrohen Kioskbetreiber mit Schusswaffe und Schlagring
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Darum macht das Shoppingcenter Marler Stern vielen Besuchern wieder Spaß
Darum macht das Shoppingcenter Marler Stern vielen Besuchern wieder Spaß

Kommentare