Gerichtsverhandlung

BVB-Fan ist nach Angriff durch Sicherheitsmann ein Pflegefall - Urteil Anfang November

Ein Mitarbeiter (34) einer Sicherheitsfirma hat am Dienstag vor dem Amtsgericht zugegeben, nach einem Heimspiel einen BVB-Fan attackiert zu haben - der 39-Jährige ist seitdem ein Pflegefall.

Es geschah am 20. Mai 2017 nahe der Unterführung Bolmker Weg: Knapp eine Stunde nach dem Heimsieg von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen wurde ein 39-jähriger BVB-Fan vom Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Die Anklageschrift spricht wörtlich von einem "Sprung mit beiden Beinen voraus".

BVB-Fan wurde mit voller Wucht getroffen

Der Fan wurde laut Staatsanwaltschaft seitlich mit voller Wucht im Rücken getroffen, stürzte und schlug so dramatisch mit dem Kopf auf, dass er heute ein Pflegefall und nahezu blind ist. Zum Prozessauftakt sagte der BVB-Fan den Richtern am Dienstag: "Mein ganzes Leben ist seitdem kaputt. Ich kann nicht mehr arbeiten, kann nicht mehr zu Borussia - weil ich nichts mehr sehe."

Der Angeklagte entschuldigte sich, hinsichtlich des folgenschweren Tritts, berief er sich jedoch auf eine Art Notwehrsituation.

Opfer hat an den Tag der Attacke keine Erinnerung

Ein einziger Tritt, ein endloses Drama: Der 39-jährige Elektriker aus Schüren hat an den fraglichen Tag absolut keine Erinnerung mehr. "Ich weiß gar nichts mehr. Meine letzten 30 Jahren sind weg", sagte er.

Laut Anklage hat er bei dem Sturz ein schweres Schädel-Hirn-Traum erlitten, lag anschließend wochenlang im Koma und schwebte in akuter Lebensgefahr. "Es geht mir einfach nur schlecht", sagte er im Zeugenstand. "Ich denke den ganzen Tag nur an meine Augen. Doch die Ärzte sagen, die Sehnerven sind fast tot und man kann nichts machen."

Außerdem, so der 39-Jährige weiter, könne er heute weder schmecken, noch riechen. "Egal, was ich essen oder trinke - alles ist gleich." Vor allem aber die Heimspiel-Besuche bei BVB-Spielen fehlen dem 39-Jährigen unglaublich.

Angeklagter fühlte sich selbst angegriffen

Der Angeklagte räumte am Dienstag über seinen Verteidiger Jan-Henrik Heinz zwar ein, den BVB-Fan verfolgt und getreten zu haben. Nur weil er eine plötzliche Umkehrbewegung des Mannes für sich "als Angriff gewertet" habe, habe er überhaupt getreten. Zuvor habe der Fan ihn und seine Kollegen massiv beleidigt und auch auf die Schulter geschlagen. Als dann auch noch sein Bierbecher ausgeschüttet worden war, habe der Fan rumkrakeelt: "Und wer bezahlt mir jetzt mein Bier?"

Anlass für die Auseinandersetzung zuvor sei gewesen, dass der Fan unbedingt einen abgesperrten Zugang zu der Haltestelle "Stadion" habe benutzen wollen. Als der Fan dann weggelaufen sei, sei er - der Angeklagte - hinterhergerannt. Und weil er sich berechtigt gefühlt habe, den Fan zur Feststellung der Personalien aufzuhalten, habe er ihn getreten. Die tragischen Sturzfolgen habe er natürlich niemals gewollt. "Es tut mir sehr leid. Ich wünschte, das Ganze wäre nie passiert", entschuldigte sich der Angeklagte beim Opfer. Der BVB-Fan nahm die Entschuldigung sogar an: "Danke."

Augenzeuge: "Wie ein Baum umgefallen"

Ein Augenzeuge aus Bremen hat die schlimmen Sturzszenen bis heute nahezu ständig im Kopf: "Ich hatte mich damals ein bisschen verlaufen. Vor der Haltestelle kam plötzlich ein BVB-Fan angerannt, drei Sicherheitsleute folgten ihm." Dann sei die Situation vor seinen Augen eskaliert. "Der Fan bekam einen Kampfsport-Tritt gegen die Brust und ist praktisch wie ein Baum umgefallen", so der Augenzeuge. Das schreckliche Geräusch von dem Aufprall des Kopfes habe ihn danach praktisch jede Nacht verfolgt.

Die Anklage gegen den Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes lautet auf gefährliche und schwere Körperverletzung. Der theoretisch mögliche Strafrahmen liegt im Bereich von einem bis zu zehn Jahren Haft. Weil der Prozess jedoch vor dem Schöffengericht stattfindet, können maximal vier Jahre Haft verhängt werden.

Planmäßiger Urteilstermin ist der 6. November.

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