Geständnis im Voodoo-Prozess

Angeklagter verleitete Frauen zur Prostitution

CASTROP-RAUXEL/DORSTEN/SELM - Im "Voodoo-Prozess" um Menschenhandel und Ausbeutung in Rotlichtclubs in Castrop-Rauxel und Umgebung hat einer der Hauptangeklagten seine Verstrickung in das Prostituierten-Schicksal einer jungen Frau zugegeben.

Der 34-jährige Nigerianer räumte am Donnerstag vor dem Bochumer Landgericht ein, eine junge Landsfrau bereits kurz nach ihrer Einreise in einem Bordell in Herne untergebracht zu haben. "Ich habe ihr vorher in einem Erotikshop extra Anziehsachen gekauft", gab der der Angeklagte zu. Auch gab er zu, der Frau in den ersten Monaten regelmäßig ihren durch zahlreiche Freier verdienten Lohn abgenommen zu haben. Die Nigerianerin habe "sehr gut" verdient, berichtete der Angeklagte. So gut, dass angeblich bereits nach knapp einem halben Jahr insgesamt 25.000 Euro in seinen Händen gelandet waren.

Laut Anklage mussten mehr als zehn Nigerianerinnen vor ihrer illegalen Einreise nach Deutschland bei einem spirituellen "Voodoo-Schwur" geloben, ihre 25.000 Euro Schleusungsgeld hierzulande abzuarbeiten. Ansonsten würde großes Pech über sie und ihre Familien hereinbrechen. Als sie hier jedoch erfuhren, dass sie in Bordellen als Prostituierte arbeiten mussten, waren die Frauen völlig schockiert, kamen der Forderung aber dennoch nach. "Sie sahen keine andere Möglichkeit, als sich zu prostituieren", hieß es der Anklageschrift.

Einige Frauen landeten nach ihrer Schleusung in einem Rotlicht-Etablissement in Castrop-Rauxel, andere in Clubs in Herne, Dortmund, Selm und Dorsten. Durch den Schwur vor einem Voodoo-Priester, bei dem teils Haare und Fingernägel abgeschnitten und bei der Besiegelung manchmal auch Tierblut verwendet wird, sollen die jungen Frauen offenbar an ihre Menschenhändler gebunden werden.

Insgesamt sind in dem Prozess vier Männer (27, 28, 34 und 42) und zwei Frauen (34 und 35) angeklagt. Staatsanwalt Klaus-Peter Kollmann ist überzeugt, dass die Gruppe der Angeklagten ein Menschenhändlerring gewesen ist, der ausreisewillige Frauen illegal eingeschleust und dann sexuell ausgebeutet hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Wie die Waltroper SPD das Ehrenamt in der Stadt stärken will
Wie die Waltroper SPD das Ehrenamt in der Stadt stärken will
Zum Wegwerfen zu schade - warum der Büchermarkt Gutes bewirkt
Zum Wegwerfen zu schade - warum der Büchermarkt Gutes bewirkt
Stimbergstraße ist in zwei Hälften geteilt: Verkehr wird umgeleitet - das ist der Grund dafür
Stimbergstraße ist in zwei Hälften geteilt: Verkehr wird umgeleitet - das ist der Grund dafür
Tor und Vorlage - Sonderlob für Stuckenbuscher Geburtstagskind
Tor und Vorlage - Sonderlob für Stuckenbuscher Geburtstagskind
Schwerer Verkehrsunfall in Castrop-Rauxel: Drei Verletzte
Schwerer Verkehrsunfall in Castrop-Rauxel: Drei Verletzte

Kommentare