Geständnisse vor Gericht

Tabaklieferanten überfallen: Sechs Dortmunder angeklagt

Bochum/Dortmund - Im Prozess um eine Serie von Raubüberfällen auf Tabaklieferanten der Firma "Tobaccoland" haben zwei Männer aus Dortmund Geständnisse abgelegt. Die Täter hatten Insiderwissen.

Sie kamen mit einem gemieteten Porsche Panamera - das spätere Opfer war gerade auf dem Weg zur Schicht: Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich am frühen Morgen des 5. Januar 2018 in einer kleinen Straße im Norden von Dortmund-Bodelschwingh abgespielt haben. Der Fahrer eines Zigaretten-Transporters der Firma "Tobaccoland" wurde vor seiner Haustür auf offener Straße angesprochen, mit einer Pistole bedroht und ausgeraubt.

Flucht-Porsche steckte im Schlamm fest

"Ich habe die Waffe rausgezogen und gedroht, dem Mann eine Kugel ins Bein zu schießen", gab ein 19-jähriger Angeklagter aus der Nordstadt am Donnerstag vor dem Bochumer Landgericht zu. Dann sei ein Komplize hinzugekommen, sie hätten blitzschnell den Laderaum samt Tresor ausgräumt und seien zunächst zu Fuß mit einer Beute von rund 15.000 Euro (Schein- und Münzegeld) geflüchtet.

Später seien sie von zwei weiteren Komplizen, die mit einem gemieteten Porsche Panamera am Straßenrand gewartet hätten, aufgelesen worden. Bizarre Randnotiz: Der Flucht-Porsche war zuvor im Schlamm stecken geblieben. Die wartenden Angeklagten hatten daraufhin den ADAC alarmiert und sich aus der Lage befreien lassen.

Sechs Dortmunder angeklagt

Insgesamt sind sechs Männer im Alter von 19 bis 27 Jahren angeklagt. Alle kommen aus Dortmund. Im Prozess vor der 8. Strafkammer geht es um mindestens sechs Überfälle nach immer demgleichen Strickmuster. Außerdem um weitere geplante Coups, die bereits fest ausbaldowert gewesen sein sollen.

Der mutmaßliche Chef der Bande ist 27 Jahre alt. Bis zu seiner Festnahme kurz vor einem Überfall im März 2018 war er Angestellter bei der Firma "Tobaccoland" und verfügte so über Insiderwissen, wusste genau an welchen Orten die Automaten-Auffüller wohnten, dass sie die Transporter dort abgestellt hatten und wann ihre jeweiligen Schichten begannen.

19-Jähriger: "Wollte kein Angsthase sein."

"Der Tippgeber hat ständig geprahlt, wie viel Geld er zur Verfügung hat", sagte der 19-jährige Angeklagte am Donnerstag. Irgendwann habe er auch ihm einen Job als "Fahrer"angeboten. Als er dann in der fraglichen Nacht des Überfalls in Bodelschwingh gegen zwei Uhr früh von dem Hauptangeklagten angerufen worden sei und erfahren habe, dass er mit zu einem Beutezug fahren soll, sei er zunächst aus allen Wolken gefallen.

"Ich bin extra schnell zur Tankstelle gelaufen und habe mich betrunken, damit ich nicht das Fluchtauto fahren muss", sagte der 19-Jährige. "Ich dachte mir nur, warum ausgerechnet ich?" Doch der "Chef" habe nicht mit sich reden lassen, ihm eine schwarze Spielzeugpistole in die Hand gedrückt und aufgefordert, den Mann in Bodelschwingh zu überfallen. "Ich habe dann mitgemacht. Ich wollte kein Angsthase sein."

Weiteres Geständnis

Auch ein 25-jähriger Angeklagter gab am Donnerstag seine Beteiligung an einem Überfall auf einen Tobaccoland-Fahrer zu. Weil der Coup vom 2. Janur 2018 in Waltrop allerdings mit Blick auf die Gewaltanwendung völlig aus dem Ruder gelaufen sei, seien er und der Tippgeber vom Tatort geflüchtet. Der Prozess wird fortgesetzt.

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