Gewaltschutz

Frauenberatungsstelle muss in jedem Jahr um Geld betteln

Mit drei Teilzeitstellen schiebt sich die Dortmunder Frauenberatungsstelle schützend zwischen prügelnde Männer und gedemütigte Frauen. Schwer ist auch der Kampf ums Geld.

Der Vortrag der Frauenberatungsstelle im Sozialausschuss des Rates der Stadt Dortmund stand gleich an erster Stelle der Tagesordnung, doch diese Position ist kein Symbol für die Priorität, die diese vor 37 Jahren gegründete Institution beim Verteilen des Geldes genießt. Zwar finanzieren das Land NRW und die Stadt Dortmund die Arbeit für den Schutz vor Gewalt Jahr für Jahr, aber Jahr für Jahr reicht dieses Geld nicht. Denn die von Männern gegen Frauen ausgeübte Gewalt verliert nicht an Schlagkraft. Im Gegenteil.

Sozialausschuss fordert zu einem Antrag auf

Die Frauenberatungsstelle kann zwar über die extremen Folgen von Gewalterfahrungen ihrer Klientinnen klagen, aber nicht über zu wenig Arbeit.

Der Sozialausschuss erkannte das von Martina Breuer vorgetragene Defizit in den Finanzen und ermutigte die an die Märkische Straße umgezogene Beratungsstelle dazu, einen weiteren Antrag zu stellen, damit die wichtige Arbeit fortgesetzt werden kann. Sozialpolitisch ist das eine große Geste. Doch auf Dauer kann die auf Spenden angewiesene Beratungsstelle so nicht überleben.

Warnsignale deuten auf Gewalt

2017 führte das kleine Team 277 Beratungsgespräche. Damit sind nicht alle Fälle von Gewalt gegen Frauen abgedeckt, denn nicht alle Opfer wagen es, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie verstecken die Gewalt sogar dann, wenn sie den Helferinnen gegenübersitzen. Martina Breuer im Sozialausschuss: "Häufig stehen erst einmal Beziehungsprobleme im Vordergrund. Dann erkennen wir Warnsignale, die auf eine Gewaltdynamik schließen lassen."

Polizei kann prügelnde Partner verbannen

Mit dem seit 2003 gültigen Paragrafen 34a des NRW-Polizeigesetzes hat sich die Fallzahl deutlich erhöht. Die Polizei kann prügelnde Lebenspartner für zehn Tage verbannen. In dieser Zeit sollen die Opfer geschützt durchatmen und sich informieren können. "Der Bedarf ist deutlich gestiegen. Aber mehr Personal haben wir nie bekommen", sagte Martina Breuer im Sozialausschuss. Sie hat nicht zum ersten Mal darauf hingewiesen. Der Anteil der Beratungen nach einem Polizeieinsatz liegt bei 30 Prozent. In diesen Fällen informiert die Polizei die Beratungsstelle über eine Gewalttat in einer Beziehung, wenn das Opfer damit einverstanden ist.

Ohne Geld Verzicht und längere Wartezeiten

Wenn die Frauenberatungsstelle ihre Personalkosten nicht decken kann, muss sie andere Beratungsthemen vernachlässigen, längere Wartezeiten einführen oder langfristige Therapien streichen. Das Land NRW fördert die Arbeit finanziell mit Zuschüssen, die maximal für vier Jahre reichen. Die Beratungsstelle muss Lücken mit Zuschüssen der Stadt Dortmund und mit Spenden schließen.

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