Auf einer Essener Polizeiwache soll es zu Gewalthandlungen gekommen sein.

Bochumer Polizei ermittelt

Gewaltvorwürfe gegen die Polizei - was geschah auf der Essener Wache?

Eine 50-jährige Nigerianerin wollte eine Diebstahl-Anzeige aufgeben. Ihr Sohn wirft der Essener Polizei jetzt vor, seine Mutter und ihn geschlagen zu haben.

  • Die Essener Polizei weist Vorwürfe rassistischer Gewalt zurück und beklagt ihrerseits Widerstandshandlungen und Beamtenbeleidigung.
  • Ein Sohn der  Nigerianerin beteuert hingegen, seine Mutter und seine Schwester seien von den Beamten "brutal geschlagen" worden.
  • Aus Neutralitätsgründen ermittelt jetzt die Bochumer Polizei.

Nach Körperverletzungsvorwürfen gegen Beamte einer Essener Polizeiwache hat aus Neutralitätsgründen die Polizei Bochum Ermittlungen aufgenommen. Es geht um eine Eskalation bei der Diebstahlanzeige einer 50 Jahre alten Nigerianerin vom vergangenen Mittwoch auf der Essener Innenstadtwache. Nach Angaben des Sohnes der Frau sollen Polizisten dabei die Frau und deren Tochter geschlagen haben. In einem Instagram-Post schreibt der 25-Jährige weiter, dass später auch er "brutal geschlagen" worden sei. Es habe auch rassistische Beleidigungen gegeben. Das Ganze sei "mit einem Krankenwagen" geendet.

Aggressives Auftreten bei Diebstahlanzeige

Die Essener Polizei wies die Vorwürfe "rassistischer Gewalt" zurück und schilderte den Fall am Montag aus ihrer Sicht: Demnach habe die Frau den Diebstahl ihrer Geldbörse angezeigt. Während der Aufnahme sei es im Vorraum der Wache zu einem verbal aggressiven Auftreten zweier Frauen (16/17) gekommen, die zu der 50-Jährigen gehörten und sich über die Art und Weise der polizeilichen Bearbeitung beschwerten. Infolgedessen sei es zu Widerstandshandlungen und einer Beleidigung von Beamten gekommen. Alle drei seien "nach Abschluss der Maßnahmen" aus dem Gebäude verwiesen worden.

Einsatzmehrzweckstock bricht den Widerstand

Später seien zwei männliche Bekannte der 50-Jährige auf der Wache erschienen, die in einem sehr aggressiven Ton Informationen gefordert hätten. Einem Platzverweis seien sie nicht nachgekommen. "Vielmehr schrien sie lautstark und schlugen mit den Fäusten gegen die Glasscheiben der Polizeiwache." Eine folgende, nicht näher erläuterte "Widerstandshandlung" sei von einem Beamten "unter Verwendung eines Einsatzmehrzweckstockes gebrochen" worden. Der 25-Jährige wurde später in der Nähe des Hauptbahnhofs "nach einer erneuten Widerstandshandlung" festgenommen. Da er über Schmerzen geklagt habe, sei er mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. Dieses habe er nach ambulanter Behandlung wieder verlassen können. Die Beamten hätten detaillierte Anzeigen wegen Widerstandes und Beleidigung geschrieben.

Nigerianer planen Anzeige gegen die Polizei

Nach Angaben des 25-Jährigen sei auch Pfefferspray gegen ihn eingesetzt worden. Er habe geblutet und sei zwischendurch auch ohnmächtig gewesen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er und seine Mutter kündigten an, am Dienstag mithilfe eines Anwalts Anzeige gegen die Polizei erstatten zu wollen.

dpa

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