Gleichgewicht in der Lippe

Die Quappe soll der Grundel auf die Schuppe rücken

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KREIS RE - Auf den kleinen Fischchen ruhen große Hoffnungen: 450 junge Quappen sind in Haltern in die Lippe eingesetzt worden – sie sollen aus der Schwarzmeerregion von großen Schiffen in ihren Ballasttanks in unsere Gewässer eingeschleppten Grundeln kurzhalten.

Noch sind die fingerlangen Quappen (s. Info) weit von Rolle des Jägers entfernt. Doch einmal ausgewachsen, ist die Quappe alles andere als fies vor den stachligen Grundeln, die sich explosionsartig vermehrt haben und heimischen Fischarten als Nahrungskonkurrent, Brut- und Laichräuber das Leben schwer machen.

Warum gerade Haltern? Zusammen mit dem Landesfischereiverband Westfalen und Lippe hat der Lippeverband (EGLV) die sechs bis acht Zentimeter großen Fische Ende Februar genau dort in die Lippe einsetzen lassen, weil der dieser Flussabschnitt optimale Lebensbedingungen bietet. Die Fischexperten hoffen, dass sich die Jungtiere dort gut entwickeln und natürlich vermehren.

Das Programm „Rettung der Quappe“ des Landesfischereiverbands dient also nicht nur dazu, die Quappen-Population im längsten Fluss Nordrhein-Westfalens zu erhöhen, sondern auch die Artenvielfalt zu erhalten – und passt so perfekt zum Programm „Lebendige Lippe“, das der Lippeverband im Auftrag des Landes NRW umsetzt.

Neue Ufer- und Auenbereiche

Die Lebensbedingungen für Wasserorganismen in der Lippe haben sich in den letzten 20 Jahren stark verbessert: Kläranlagen wurden erheblich ausgebaut, es entstanden vielfältige Ufer- und Auenbereiche an der Lippe. Wo der Fluss früher mit Wasserbausteinen eingepfercht war, entfesselt man heute die Ufer und schafft Raum für wechselfeuchte Randbereiche.

Hier aber schließt sich ein Kreis mit besonderen folgen: Seit Jahren arbeitet der Lippeverband mit Erfolg daran, die Durchgängigkeit der Lippe zu verbessern, zum Beispiel mit Fischaufstiegen an den Wehren. Deren Nutzung ist allerdings nicht exklusiv Wanderfischen wie dem Lachs oder der Quappe (sie legt zur Laichzeit Dutzende von Kilometern zurück) vorbehalten – auch die sich so rasant vermehrenden Grundeln nehmen die Aufstiegshilfen zu bisher unerreichbaren Lebensräumen dankbar an.

Exakt im früheren Verbauen von Gewässern sehen Experten den Grund, warum die früher in der Lippe-Region weit verbreitete Quappe in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener geworden ist. Denn im flachen Wasser gelegentlich überfluteter Auenflächen gedeihen junge Quappen besonders gut und so wurden in den letzten Jahren auch immer wieder winzige Quappenlarven in die Lippe eingesetzt – mit Erfolg.

Der Besatz mit Larven erfolgt jährlich ab März in Auenbereichen und langsam durchströmten Lippe-Seitenarmen, im Frühsommer und Herbst werden Seitenzuflüsse mit bereits bodenorientierten größeren Fischen besetzt.

Ein großes Etappenziel wurde mit dem Nachweis der erfolgreichen natürlichen Vermehrung der Quappe im Jahr 2013 erreicht. Ein Zeichen für den Erfolg des Projekts gaben zunächst Wiederfänge von besetzten Quappen aus vorherigen Jahren. Mittlerweile werden in vielen Bereichen regelmäßig Quappen durch die Fänge von Anglern nachgewiesen. Wer weiß: Vielleicht hilft der bedrohten Art ausgerechnet ihr Ruf als ausgezeichneter Speisefisch, wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken… Das im Frühjahr 2016 erschienene Buch „Die Quappe (Lota lota) im Einzugsgebiet der Lippe: Ökologie, Schutzmaßnahmen, Zucht und Wiederansiedlung“ gibt Auskunft über das Quappenprojekt und ist über den Landesfischereiverband zu beziehen

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