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Google Maps auf einem Smartphone im Pkw. In diesem Fall wird die Navigation von Marl zum Centro Oberhausen angezeigt.

GPS-Daten

Google Maps: Gespenstisch effizient

Kreis RE - Die Möglichkeit, eine schnellere Route zu finden, machen sich viele zunutze. Google Maps ist beinahe gespenstisch effizient dabei.

Zu Stoßzeiten ist die B 224 in Gladbeck kein idealer Ort für Menschen mit schwachen Nerven. Rote Ampel bedeutet hier: langer Rückstau. Die Bundesstraße, die irgendwann einmal zur Autobahn 52 ausgebaut sein wird, ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im Ruhrgebiet – für Pendler aus Dorsten, Marl oder Haltern, die in Richtung Essen fahren, jedoch häufig ein Albtraum.

Wer täglich mit dem Auto zur Arbeit muss, kennt viele dieser Stellen oder Strecken im Vest, auf denen der Verkehr immer wieder stockt. Man kann seine Fahrt noch so gründlich planen, die Sicherheit, gut durchzukommen, gibt es nicht. Wie kann man den Ärger vermeiden? Oft hilft auf dem Weg zum Auto ein kurzer Blick auf das Smartphone: Google Maps zeigt an, wo sich der Verkehr gerade ballt und bietet schnellere Alternativen an. Das klassische Navigationssystem hat teilweise ausgedient. Die Möglichkeit, eine schnellere Route zu finden, machen sich viele zunutze. Google Maps ist beinahe gespenstisch effizient dabei.

Baustellen sind das Hauptproblem

Wie ist das möglich? Google greift wie andere Navigationssysteme auf die GPS-Daten der Nutzer zu. Gleichzeitig besteht aber auch die Möglichkeit, auf Standortdaten anderer Smartphones zurückzugreifen – selbst wenn diese in diesem Moment den Kartendienst gar nicht benutzen. Das ist ein riesiger Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Auf diese Weise kann das Digitalunternehmen aus den USA nämlich punktgenaue Verkehrsanalysen erstellen – selbst für die kleinsten Straßen in beschaulichen Ortschaften.

Der Kartendienst des Internetriesen, der kostenfrei auf jedes Smartphone heruntergeladen werden kann, profitiert davon, dass die App automatisch auf jedem Handy mit dem Google-Betriebssystem Android vorinstalliert ist. Weltweit sind das 2,7 Milliarden Android-Smartphones. Angezeigt wird die Verkehrslage in der App in vielen bunten Farben. Grün steht dabei für fließenden Verkehr, Orange für mittleres Verkehrsaufkommen und Rot für ein hohes Verkehrsaufkommen. Je dunkler die rote Farbe wird, desto langsamer ist der Verkehr.

So wie zum Beispiel auf der Castroper Straße (B 235) in Datteln oder auf der Leveringhäuser Straße (L 609) in Waltrop. Hier wälzt sich täglich der Durchgangsverkehr durch die Stadt. Wenn Google eine orangefarbene oder rote Straße anzeigt, kann der Autofahrer sich getrost auf „Stop and Go“ einstellen. Immerhin könnte die geplante B 474 n an diesen Stellen in den nächsten Jahren für Entlastung sorgen.

Der Duisburger Stauforscher Professor Dr. Michael Schreckenberg nennt mehrere Gründe für die Zunahme von Staus in den Städten: „Die Staus in den Innenstädten sind einerseits durch die zunehmende Motorisierung bedingt. Dazu kommt der schwächelnde öffentliche Verkehr. Radfahren ist auch nicht so angesagt bei dem derzeitigen Wetter. Hinzu kommt eine Zunahme des Lieferverkehrs durch Online-Bestellungen.“ Das Hauptproblem sei aber eine essenzielle Zunahme an Baustellen. Die Autobahnen seien dicht, stattdessen, so Schreckenberg, versuchten die Menschen dann, durch die Stadt zu kommen.

Auch in Recklinghausen lässt sich das beobachten. Wenn es in der A 43-Dauerbaustelle zu Staus kommt, weichen viele Autofahrer auf die Bochumer Straße aus. Dann geht auf der wichtigsten und sowieso notorisch verstopften städtischen Nord-Süd-Verbindung gar nichts mehr.

Verkehrsphysiker Schreckenberg sieht den Effekt von Navigationsapps kritisch: „Ein Smartphone hat fast jeder, damit auch Google Maps. Dadurch haben sie keinen Nutzen mehr von Ausweichrouten, weil alle diese benutzen. Die Apps sind nützlich, wenn man in Orte fährt, wo man noch nie war. Da, wo man sich auskennt, ist der Nutzen geringer.“

Standortdaten aus dem Hintergrund

Was ist der Preis dafür, um mit Google Maps dem Stau zu entwischen und schnell von A nach B zu kommen? Eine Studie der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) fand im August in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Princeton Universität in New Jersey heraus, dass Google auch dann Standortdaten trackt, wenn der Nutzer es nicht will. Das heißt: Auch wenn ein Nutzer die Freigabe für Google Maps verweigert, können andere Apps von Google die Standortdaten sammeln und im Hintergrund automatisch abfragen.

Benedikt Schwimmbeck, Experte im Bereich Apps beim Computerfachmagazin CHIP, erklärt dazu: „Die App ist kostenfrei, dafür bezahlt man halt mit seinen Daten. Die Daten werden in die USA übermittelt, dadurch werden Profile erstellt.“ Gleichwohl sieht Schwimmbeck Google Maps als „Platzhirsch unter den Navigations-Apps“. Die Gründe dafür? „Viele Daten und Ergebnisse sind besonders genau“, erklärt er.

Wer auf Nummer sicher gehen und seine Standortsammlung wirklich abschalten will, muss in den Einstellungen seines Google-Kontos die „Web- und App-Aktivitäten“ ausschalten. Dann werden die Standortmarker nicht mehr gespeichert. An gleicher Stelle können Nutzer auch einsehen, welche Daten gesammelt werden – und löschen.

Nils Schröder, für Öffentlichkeitsarbeit bei der Landesbeauftragten für Information und Datenschutz NRW, Helga Block, zuständig, empfiehlt für die Nutzung von Smartphone-Apps: „Infos lesen – selbst entscheiden – Zugriffsrechte in den Einstellungen beschränken. Im Zweifel: Finger weg.“

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