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Ein Polizeiwagen steht hinter Absperrband auf dem Berliner Platz. Ein Autofahrer hatte hier in der Silvesternacht seinen Wagen gezielt in eine Fußgängergruppe gesteuert und mindestens vier Menschen zum Teil schwer verletzt.

Haftbefehl erlassen

Mann fährt aus Fremdenhass in Menschengruppen

BOTTROP - Nachdem im Ruhrgebiet ein Mann aus Fremdenhass mit seinem Auto mehrfach in Menschengruppen gefahren ist, gehen die Ermittlungen zu Hintergründen und Hergang der Tat weiter. Ein Richter ordnet Untersuchungshaft für den 50-jährigen Mann an.

Wenige Minuten nach dem Jahreswechsel fährt ein Autofahrer in Bottrop in eine Menschenmenge. Acht Personen werden verletzt, darunter Syrer und Afghanen. Nach der Tat eines 50-Jährigen, der in Bottrop mit einem Auto in eine feiernde Menschenmenge gefahren ist, sprechen die Ermittler nun von insgesamt vier Tatorten und acht Verletzten. Der Mann habe in der Silvesternacht in der Nachbarstadt Essen noch ein viertes Mal probiert, in eine Personengruppe zu fahren. Dabei sei eine Person leicht verletzt worden, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag in Bottrop.

Aus Fremdenhass ist ein Autofahrer in der Silvesternacht im Ruhrgebiet mehrmals gezielt in Menschengruppen gefahren und hat mindestens fünf Personen verletzt. "Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nach den ersten Vernehmungen. Der später Festgenommene habe das Auto in und Essen bewusst in Menschengruppen gesteuert, die überwiegend aus Ausländern bestanden. Unter den Verletzten sind Syrer und Afghanen. Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem "gezielten Anschlag".

Ein Kind wird auch verletzt

Die schlimmsten Folgen hatte die Tat in , wo der 50-Jährige kurz nach Mitternacht auf dem zentralen Berliner Platz in die Menge fuhr, die gerade mit Böllern und Raketen das neue Jahr begrüßte. Vier Menschen wurden dort verletzt, darunter ein Kind. Eine 46-jährige Frau aus Syrien schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Einen weiteren Verletzten gab es später in Essen. Zwei andere Versuche des Mannes, in und Essen Passanten anzufahren, schlugen fehl. Hier kamen die Menschen mit dem Schrecken davon.

Der mutmaßliche Täter stamme aus Essen und sei bei der Polizei bislang nicht in Erscheinung getreten, hieß es. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben "erste Informationen über eine psychische Erkrankung des Fahrers".

Passant rettet sich

Die Polizei hält sich mit Aussagen zum genauen Tatablauf zunächst zurück. Ein erster Zeuge wurde nach Darstellung der Behörden kurz vor Mitternacht auf einer Zufahrtsstraße zur Innenstadt auf den silbernen Wagen des 50-Jährigen aufmerksam. Plötzlich habe das Auto auf den Fußgänger zugehalten. Doch der Passant konnte sich retten.

Der Mann fuhr weiter in Richtung Stadtzentrum. Als er dort ankam, war das Jahr 2019 erst wenige Minuten alt. Die Menschen auf dem Berliner Platz hätten ausgelassen gefeiert, berichtete ein Augenzeuge am Tag danach. Dann zeigt der Mann ein Video: Zu sehen ist das Auto, das in die Menge fährt. Es rollt vergleichsweise langsam, dadurch können sich noch relativ viele Menschen in Sicherheit bringen.

Einige Zeugenaussagen fehlen

Die Ermittler wollen sich zu solchen Details noch nicht äußern und betonen, der genaue Ablauf müsse mithilfe von Zeugenaussagen erst rekonstruiert werden. Doch klar ist: Mindestens vier Menschen wurden verletzt, eine 46-Jährige schwer. Sie schwebte zeitweise in Lebensgefahr. "Da ist jemand bewusst mit Tötungsabsicht in Menschen reingefahren", sagte Reul. Anschließend sei der 50-Jährige nach Süden in seine Heimatstadt Essen geflüchtet. Dort habe er noch zweimal versucht, gezielt in Menschengruppen zu fahren. In einem Fall wurde eine Person leicht verletzt. Im anderen Fall passierte wie durch ein Wunder nichts. "Er ist dort so auffällig gefahren, dass offensichtlich die Leute das geahnt haben und sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten", sagte Innenminister Reul. Kurze Zeit später nahm die Polizei den Mann fest. Schon dabei habe er sich fremdenfeindlich geäußert. Auch in der japanischen Millionenmetropole Tokio rammte ein Autofahrer in der Silvesternacht Medienberichten zufolge Fußgänger in einer belebten Einkaufszone. Mindestens neun Menschen wurden dabei verletzt. Der Fahrer sei festgenommen worden und habe der Polizei gesagt, dass er einen Terroranschlag verüben wollte, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Laut Kyodo prüfen die Behörden, ob der Mann wegen seines Geisteszustandes schuldfähig ist.

Erinnerungen an Münster

Der Fall in weckt auch Erinnerungen an die Amokfahrt in der Innenstadt von Münster im vergangenen April. Ein Mann raste damals an einem sonnigen Frühlingstag mit einem Kleintransporter auf einen belebten Platz. Es gab vier Tote, mehr als 20 Menschen wurden verletzt. Anschließend erschoss sich der Täter in dem Wagen selbst. Der 48 Jahre alte Amokfahrer war laut Polizei ein psychisch labiler Deutscher, der den Tod suchte. Es gab keinen Terrorhintergrund.

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