Michael Falkenreck leitet die – zurzeit geschlossene – Halterner Jugendherberge.
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Michael Falkenreck leitet die – zurzeit geschlossene – Halterner Jugendherberge.

Auch Haltern betroffen

Enorme Einbrüche: Jugendherbergen steht das Wasser bis zum Hals

  • Thomas Schönert
    vonThomas Schönert
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Schließung, Wiedereröffnung, erneute Schließung: Die Jugendherberge in Haltern hat es in der Corona-Pandemie hart getroffen.

Letztes Jahr konnten wir nur von Ende Mai bis Ende Oktober öffnen“, berichtet Michael Falkenreck. Zurzeit ist die Jugendherberge natürlich wieder dicht „und wir haben auch noch keine konkrete Öffnungsperspektive“, bedauert der Leiter der Halterner Einrichtung.

Dementsprechend sind die Besucherzahlen zurückgegangen: Wurden 2019 noch 37.711 Übernachtungen in der Jugendherberge gebucht, waren es im vergangenen Jahr nur 15.856 – ein Minus von etwa 58 Prozent. „Vor allem die Klassen- und Freizeitgruppenfahrten – normalerweise unsere stärksten Bereiche – sind seit dem ersten Lockdown im März eingebrochen, haben kaum noch stattgefunden. So wurden die Familien 2020 zu unserer größten Gästegruppe. Da ist bei vielen der Urlaub im Ausland weggefallen und man hat die Jugendherberge als attraktives Ziel erkannt“, berichtet Falkenreck.

58 Prozent Minus: Das ist sehr viel, trotzdem liegt Haltern damit noch unter dem durchschnittlichen Verlust von 72 Prozent bei den insgesamt 29 Jugendherbergen in Westfalen-Lippe. Michael Falkenreck führt das auf die attraktiven Bedingungen in Haltern zurück: „Wir haben zum einen eine sehr interessante Region mit Stausee, Haard, Römermuseum, zum anderen ein modernes Haus. Bei uns hat zum Beispiel jedes Zimmer eine eigene Toilette und Dusche. Das ist Familien sowieso wichtig, gewinnt aber in Zeiten von Corona aus hygienischen Gründen noch einmal an Bedeutung.“

Für Michael Falkenreck steht fest: „Wir haben in der Zeit, in der wir offen haben durften, das möglichste herausgeholt – trotzdem sind die Einbrüche enorm.“

Es sei eine sehr schwierige Zeit, betont der Jugendherbergs-Leiter, auch mit Blick auf die nahe Zukunft: „Dass wir zu den Osterferien öffnen dürfen, ist sehr unwahrscheinlich. Und bis zu den Sommerferien sind bereits alle Klassenfahrten vom NRW-Schulministerium untersagt worden, auch für die Zeit danach haben wir schon einzelne Stornierungen.“

Dennoch hofft Falkenreck auch mit Hinweis auf „ein funktionierendes Hygienekonzept“, dass Klassen ihre Fahrten nicht frühzeitig stornieren, dass zumindest im Herbst Schulausflüge stattfinden, dass es bald wieder losgeht. „Bis dahin machen wir eine Grundreinigung, halten das Haus in Schuss, planen und optimieren Programme für unsere Besucher.“ Falkenreck betont: „Wir bereiten uns auf die Saison vor.“ Wann immer sie beginnt.

„Eine existenzbedrohende Situation“

Mit insgesamt 182.560 Übernachtungen hatten die 29 Jugendherbergen des Landesverbandes Westfalen-Lippe im Jahr 2020 rund 72 Prozent weniger Übernachtungen als 2019. Die stärksten Verluste gab es bei Schulfahrten und Freizeitgruppen.

„Wir befinden uns nach wie vor in einer existenzbedrohenden Situation“, sagt Guido Kaltenbach, Geschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks Landesverband Westfalen-Lippe. „Bisher mussten wir keine Corona-bedingten Kündigungen aussprechen. Alle unsere rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zwar in Kurzarbeit, aber noch an Bord.“ Auch endgültige Standort-Schließungen seien bei dem gemeinnützigen Verband aktuell nicht erfolgt.

Die Einnahmeverluste konnten laut Landesverband durch Maßnahmen wie Kurzarbeit und Investitionsstopps sowie durch Beihilfen von Bund und Land abgefedert werden.

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