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Ausbilder Bernd Grundhöfer bringt den Berufsberatern und Ausbildungsvermittlern der Agentur für Arbeit verschiedene Schweißverfahren nahe.

Handwerksberuf

Spannende Einblicke in die Ausbildungs-Praxis

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Kreis RE - Mitarbeiter der Arbeitsagentur besuchen Werkstätten der Innungen – und stellen fest, wie vielfältig Handwerksberufe sein können.

Ausbilder Bernd Grundhöfer führt die Besucher in der Schweiß-Werkstatt der Schulungs- und Servicezentrum Vest GmbH zu einem Tisch. Dort hat er Werkstoffe aufgestellt, die mithilfe verschiedener Schweißverfahren hergestellt wurden. Und dann gibt er mit lauter Stimme eine kurze Einführung ins Gas- und Lichtbogenschweißen, ins Wolfram- und Metall-Schutzgasschweißen. Ob die Gäste es jetzt wohl schon selber können? Grundhöfer lacht: „Leider kann man das Schweißen nicht herbeirufen, Schweißen ist Tun.“

Aber die Besucher wollen auch keinen Handwerksberuf erlernen, sondern kompetent darüber reden können: Es sind Berufsberater und Ausbildungsvermittler der Agentur für Arbeit. Sie besuchen in dieser Woche an zwei Tagen die Werkstätten verschiedener Innungen im Kreis Recklinghausen, schauen bei den Frisören oder Tischlern vorbei, bei den Kfz-Mechatronikern oder den Malern und Lackierern. Hier in den Werkstätten des Schulungs- und Servicezentrums Vest hinter dem Recklinghäuser Bahnhof geht es vor allem ums Metall- und Bauhandwerk.

Die Initiative zu diesen Werkstattbesuchen ging von der Kreishandwerkerschaft aus. „Es ist uns wichtig, dass die Frauen und Männer, die junge Menschen bei der Berufsorientierung und -findung beraten, auch einen umfassenden Einblick in die Ausbildungsberufe im Handwerk haben“, sagt Geschäftsführer Ludger Blickmann. „Dass sie wissen, wie interessant, spannend und innovativ das Handwerk ist.“

Die Berufsbilder verändern sich

Denn einerseits hätten sich die Berufsbilder im Handwerk etwa durch die Digitalisierung stark verändert – und andererseits seien sie auch vielfältiger, als man gemeinhin denken würde. „Der Maler streicht eben nicht nur Wände, sondern kümmert sich auch um Fußböden oder Wärmedämmung. Oder das Thema ‚Smart Home‘, das ist im Elektro-Bereich oder in der Sanitär-, Heizung-, Klima- und Klempnertechnik total verankert. Daran denkt man ja erstmal gar nicht.“

Aber ist dieses Know-how bei den Experten der Arbeitsagentur denn nicht sowieso vorhanden? „Natürlich halten wir uns auf dem Laufenden und bekommen mit, wenn sich Berufsbilder verändern“, sagt Agentur-Sprecherin Cordula Cebulla. Aber es sei schon etwas anderes, sagt auch der Hertener Ausbildungsvermittler Jan Serafin, „ob man viel liest und sich theoretisch weiterbildet oder vor Ort ganz konkret sieht, wie ein Auszubildender an einem Auto schraubt oder in einer Lackierkabine steht.“

Die Branche hat Nachwuchssorgen

Auch Jana Bönecker findet die Werkstattbesuche sinnvoll: „Mir ist überhaupt nicht bewusst gewesen, wie groß bei einigen Handwerksberufen die Spannbreite der Tätigkeiten ist. Oder auch wie sich einzelne Ausbildungsberufe verändern – etwa der des Kfz-Mechatronikers mit den ganzen unterschiedlichen Antrieben, die da neu entwickelt werden.“

Die Berufsberaterin aus Gladbeck denkt schon, dass sie jungen Leuten jetzt anschaulicher vermitteln kann, worum es in den jeweiligen handwerklichen Ausbildungsberufen geht – und welche Qualitäten dort gefragt sind. Und dass sie jetzt auch besser Interesse für Ausbildungsberufe wecken kann, die bei Jugendlichen vielleicht weniger beliebt sind – von denen sie aber einen guten Eindruck erhalten hat.

Nachwuchsinitiativen

-Handwerkliche Betriebe haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsstellen adäquat zu besetzen. Das betrifft beinahe alle Gewerke. Auch deshalb hat die Kreishandwerkerschaft jetzt Berufsberater und Ausbildungsvermittler der Arbeitsagentur eingeladen – um auszuschließen, dass diese jungen Leuten ein verstaubtes Bild vom Handwerk vermitteln. -Darüber hinaus hat die Kreishandwerkerschaft die Nachwuchsinitiative „Ich bin am Start“ ins Leben gerufen. Damit soll Jungen und Mädchen vermittelt werden, wie gut die Chancen in der Branche aktuell seien. Dabei wird mit Schulen aus dem Kreis RE zusammengearbeitet.

Dieses Wecken von Interesse ist ganz im Sinne der Kreishandwerkerschaft. Denn die Branche hat Nachwuchssorgen – wegen des demografischen Wandels und weil junge Leute oft auch akademische Berufe anpeilen. „Natürlich ist es unser Ziel“, sagt Blickmann, „möglichst viele und möglichst qualifizierte junge Leute fürs Handwerk zu begeistern.“

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