Hanni nicht gut behandelt?

Tierschützer: Obdachloser Egon soll seinen Hund abgeben

Aplerbeck - Es schien ein glückliches Ende, als Bodo-Verkäufer Egon seine entführte Hündin Hanni nach zwei Tagen zurückbekam. Doch das sehen nicht alle so. Die einen freuen sich mit Egon, die anderen wandten sich an das Veterinäramt. Tierschützer sind überzeugt, dass Egon seine Hanni nicht gut genug behandelt.

Jetzt sitzt Hanni wieder jeden Tag bis zu neun Stunden angeleint draußen vor dem Rewe-Laden im Rodenberg-Center in Aplerbeck. Bei Sturm, Regen und Schnee. Herrchen Egon sitzt drinnen im Warmen und trinkt Kaffee. Immerhin ist Hannis Platz unter einem Vordach, und sie hat ein Polsterkissen unter dem verfilzten Fell.

Doch artgerecht sei das nicht, tagaus, tagein über Stunden angeleint zu sein, ohne Bewegungsfreiheit, Rückzugsmöglichkeit und der Chance, ein großes Geschäft zu erledigen. - das haben Menschen an den Tierschutzverein und das Veterinäramt geschrieben mit der Bitte, endlich einzuschreiten; denn seit mindestens sieben Jahren schon muss Hanni so vor dem Rewe-Laden ausharren, liege dort "wie ein Teppich".

Aus Mitleid entführt?

Wie berichtet, hatte eine 58-jährige Frau - möglicherweise aus Mitleid - die Hündin am 2. Januar entführt und mit zu sich nach Haus genommen. Die Nachricht und Suchmeldungen nach der treuen Gefährtin des Obdachlosen, der sie schmerzlich vermisste, verbreiteten sich wie ein Lauffeuer über das Internet und Facebook. Ein Zeugenhinweis führte zu der 58-Jährigen, und so waren Egon und Hanni nach zwei Tagen wieder vereint.

Die ersten anderthalb Tage ist Egon nach Beobachtung der Tierschützer demonstrativ häufiger als sonst mit Hanni vor der Tür geblieben, doch damit sei es wieder vorbei. Für Erika Scheffer, Vorsitzende des Tierschutzvereins, ist klar: "Das geht nicht so weiter." Hanni liege zudem direkt neben den Einkaufswagen, die krachend ineinandergeschoben werden. "Das ist permanenter Stress für die Hündin," sagt Erika Scheffer.

Veterinäramt hat observiert

Das Veterinäramt hat sich nach den Hinweisen des Tierschutzvereins und einer umfangreichen, schriftlichen Beschwerde einer weiteren Zeugin die Situation vor Ort angesehen und länger beobachtet. "Nach den bisherigen Erkenntnissen entspricht die Hundehaltung nicht den üblichen Anforderungen", teilte Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage mit. Der Hundehalter sei aufgefordert worden, diesen Umstand kurzfristig zu beheben. "Notfalls wird eine Ordnungsverfügung gegen ihn in dieser Sache erlassen", so Löchter.

Das Veterinäramt ist nicht für das Wohl der Menschen zuständig, sondern für den Tierschutz verantwortlich. Und im Tierschutzgesetz stehen ganz klare Anforderungen an die Haltung von Hunden. Dazu zählen der Auslauf außerhalb einer Anbindehaltung sowie eine Laufvorrichtung an der Anbindehaltung selbst, die einen seitlichen Bewegungsspielraum von mindestens fünf Metern lässt, und eine Schutzhütte bei Haltung im Freien.

Egon: Hanni ist "zu drei Viertel Husky"

Das alles hat Hanni nicht. Doch die Auflage des Veterinäramtes scheint Hannis Herrchen nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Am Donnerstagmorgen kam er um 9.40 Uhr zum Rewe, leinte Hanni wie gehabt davor an, stellte ihr ein "Bettchen" und Futter hin.

Auf die Frage, ob das für Hanni nicht zu kalt sei, antwortet der Bodo-Verkäufer: "Nein, das macht ihr nichts. Die ist zu drei Viertel ein Husky." Das sagt Egon allen, die ihn darauf ansprechen, auch wenn ein Blick auf Hanni das Gegenteil sagt. Eine der Beschwerdeführerinnen kommentiert das so: "Die Hündin hat noch nicht mal neben einem Husky gelegen."

Egon spielt jeden Morgen mit Hanni

Ob der Hund genug Auslauf habe, ist eine weitere Frage. "Ich spiele jeden Morgen und jeden Abend mit ihr", antwortet der Bodo-Verkäufer freundlich, "sie läuft den ganzen Tag. Allerdings", schränkt er dann ein, "bei diesem Wetter nicht so viel."

Ob Hanni denn schon mal einen Tierarzt gesehen hat? "Der Hund ist kerngesund. Außerdem kommen hier regelmäßig Tierärzte vorbei. Die sind auch Kunden bei Rewe."

Ob es noch mehr Fragen gebe, möchte Egon wissen. Sonst wolle er jetzt reingehen, "einen Kaffee trinken."

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