Hannibal in Dorstfeld soll saniert werden

Mieter: "Eine Nebelkerze ist das"

Dortmund - Der wegen massiver Brandschutzmängel im September 2017 geräumte Hannibal II soll saniert werden, lässt das Berliner Unternehmen Intown am Wochenende verlauten. In Dortmund, wo 752 Menschen ihre Wohnungen verloren, halten sie das für eine Nebelkerze.

Der wegen massiver Brandschutzmängel im September 2017 geräumte Hannibal II in Dorstfeld soll bis "Ende 2019, Anfang 2020" saniert werden. Das erklärte der Geschäftsführer der Firma Intown, Sascha Hettrich, am Wochenende der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Noch im Sommer 2018 wolle man einen entsprechenden Bauantrag bei der Stadt Dortmund stellen, so Hettrich weiter.

Eine entsprechende Baugenehmigung hält Intown laut dem dpa-Bericht bis Ende 2018 oder Anfang 2019 für möglich. Dazu kämen zwölf Monate für die eigentlichen Arbeiten.

"Wir glauben es erst, wenn wir es sehen."

Rainer Stücker ist Vorsitzender des Mietervereins Dortmund, er ist skeptisch: "Wir glauben", sagt der großgewachsene, weißhaarige Mann, "es erst, wenn wir es sehen". Am vergangenen Dienstag hatte Stücker zuletzt mit Sascha Hettrich, dem Geschäftsführer von Intown telefoniert. Am Freitag hätten sie sich in Dortmund treffen wollen, der Termin wurde dann von Intown abgesagt. Termingründe.

Und so bleiben Stücker nur die Eindrücke aus dem Telefonat. Da war der Standpunkt von Intown noch dieser hier: Die Räumung war unrechtmäßig, Gefahren für die Mieter bestanden nicht. Was hat sich also in den letzten Tagen geändert? Warum kündigt Hettrich jetzt an, sanieren zu wollen, während es vorher immer hieß, alles sei halb so wild?

28.000 Quadratmeter, 412 Wohnungen, 752 Menschen

Intown ist ein unübersichtliches Firmenkonstrukt, in ihrem Besitz befindet sich auch die "Lütticher 49 Properties GmbH", der wiederum der Hannibal seit Ende 2011 gehört. Wegen eklatanter Brandschutzmängel war der knapp 28.000 Quadratmeter große Wohnkomplex, der aus acht Hochhäusern mit insgesamt 412 Wohnungen besteht, am 21. September 2017 geräumt worden. 752 Mieter verloren binnen Stunden ihre Wohnungen, ein städtischer Krisenstab koordinierte damals das Vorgehen.

Intown klagte gegen die Räumung, wann ein entsprechender Gerichtstermin stattfindet, ist bisher noch nicht abzusehen. Die Stadt hat bisher gut drei Millionen Euro ausgegeben, um den Mietern zu helfen, dieses Geld hätte sie gerne wieder. Intown seinerseits will Schadensersatz und Mieteinnahmen sehen.

Hettrich sagte laut der dpa, das Verfahren (Bauantrag etc.) werde trotz des laufenden Rechtsstreits um die Schließung und Schadenersatzforderungen vorangetrieben. Voraussetzung für die Arbeiten sei der Leerzug des Gebäudes. Es bestünden noch 200 Mietverhältnisse.

"Von Intown glaube ich erst einmal gar nichts."

Einer dieser Mieter ist Martin Illert. "Eine Nebelkerze ist das", sagt er zu den Sanierungsplänen. Er wohnte lange Jahre im Hannibal, musste dann wie alle anderen raus und hat inzwischen eine andere Wohnung gefunden. Seinen Mietvertrag für den Hannibal hat er behalten. Und die Skepsis gegenüber dem Berliner Unternehmen auch. "Von Intown glaube ich erst einmal gar nichts. So, wie sich das Unternehmen bisher benommen hat, kann man doch gar nicht bewerten, ob das, was sie sagen, seriös ist."

Für Illert ist der entscheidende Punkt der, dass Intown für einen Beginn von Arbeiten am Gebäude voraussetzt, dass der Hannibal leergezogen ist: "Natürlich hat Intown ein Interesse daran, dass der Hannibal leer ist. Dann müssen sie keinen Sicherheitsdienst mehr bezahlen." So gesehen wäre es in der Tat praktisch, ein komplett leergezogenes Gebäude zu haben.

Von Gesprächen weiß der Mieterverein

Weiter ist der von Hettrich gegenüber der dpa angekündigte Zeitplan sportlich, in wenigen Monaten einen Bauantrag bei der Stadt zu stellen. Auch, dass Intown mit den Mietern im Gespräch ist, wie es Hettrich äußerte, weiß Rainer Stücker vom Mieterverein nicht. "Wir haben aktuell Probleme vor Ort, Mieter werden am Betreten ihrer Wohnungen gehindert und müssen sich alle einzeln einklagen - und da bewegt sich Intown gar nicht." Sollte Intown tatsächlich sanieren wollen, würde er sich freuen, sagt Stücker. So aber, ohne konkrete Inhalte, was wann gemacht werden soll, überwiegt die Skepsis.

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