Hannibal hat Müllproblem

Abfallberge türmen sich am verwaisten Gebäudekomplex

Dortmund - Seit der Räumung des Hannibals in Dortmund-Dorstfeld im vergangenen Jahr türmen sich die Probleme. Die Mieter bleiben im Ungewissen, was mit ihren Wohnungen passiert. Nun vermüllt das Gelände zusehends.

Der Riese ist verwaist, Menschen halten sich nur vereinzelt im und um den Hannibal auf. Fast fünf Monate nach der beispiellosen Räumung ist der Hochhauskomplex ein fast schon surrealer Ort geworden. Ein Sicherheitsdienst patrouilliert und bewacht ein leeres Haus. Ein Ort, der einmal voll mit über 700 Menschen war, wird immer unwirtlicher, wird ein Unort.

Solche Unorte laden Manche dazu ein, das hier zu lassen, was aus den Augen soll, was hässlich ist. Zum Beispiel Müll. Das Letzte ist der Fall am Hannibal. Überall auf dem Gelände. Mal sind es nur ein paar Decken, Matratzen, Bretter, die an Hausecken liegen. An anderen Stellen türmt sich der Müll zu Bergen.

EDG kennt das Müll-Problem

Vor allem auf dem Parkplatz an der Westseite. Dort liegen in rauen Mengen Haushaltsgegenstände. Alte Kühlschränke, Koffer, Musikboxen, Teppiche, Lattenroste, zerlegte Schränke, Sessel, Kleidung, Geschirr, Tetrapacks. Alles ist bedeckt mit einer dünnen Schneeschicht.

Ein Kanister Frostschutzmittel liegt am Fuß des Müllbergs, noch läuft er nicht aus. EDG-Sprecherin Petra Hartmann weiß auch von sehr persönlichen Gegenständen, Dokumenten. Seit Monaten hat die EDG die Situation auf dem Parkplatz im Blick. Da es sich um Privatgelände handelt, kann sie allerdings nur im Auftrag tätig werden. Wie in den letzten Wochen.

Seit Oktober gab es immer wieder Container

Bis vor wenigen Tagen stand auf dem Parkplatz noch ein Container der EDG-Tochtergesellschaft DOGA. Im Auftrag der Stadt hatte die EDG seine Aufstellung veranlasst. Zum dritten Mal seit Mitte Oktober, seit es immer schlimmer wurde mit dem Sperrmüll rund um den Gebäudekomplex.

In der letzten Woche sei der Abzug des Containers angewiesen worden, nun liege der Ball also wieder bei der Stadt, so Hartmann. Die sähe den Ball wohl lieber bei Intown, der Firma, die eigentlich in der Verantwortung steht. Und die sich bisher nicht wirklich gerührt hat in der Causa Hannibal.

Auch Tobias Scholz vom Mieterverein kennt die Problematik schon lange. Soweit er weiß, hatte Intown, die Besitzerin vom Hannibal, einigen Mietern angeboten, Sperrmüll in ihren geräumten Wohnungen lassen zu dürfen. Ob dieses Angebot für alle galt, weiß er nicht. Sicher aber galt es nicht für das Gelände und erst recht nicht für Fremde. Und sicher haben viele Mieter Probleme, ihre Habe unterzubringen.

Fremde sollen Müll abladen

Hin und wieder hielten Autos, so eine Frau aus dem Mieterumfeld, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Müll wird hier regelmäßig aus irgendwelchen Wagen abgeladen. Einen habe ich angesprochen. Der sagte, das sei hier doch ein öffentlicher Platz zum Abladen", so die Freundin eines Hannibal-Mieters, der seit Ende September bei ihr wohnt.

Das Paar ist nach ihren Angaben noch öfter im Gebäude, gehört also zu den wenigen, die begleitet drei Mal in der Woche für je eine halbe Stunde ins Haus dürfen. "Der Zustand rund um den Hannibal ist erbärmlich."

Bei der letzten Mieter-Versammlung vor knapp zwei Wochen seien andere Themen allerdings drängender gewesen als der Müll, sagt Tobias Scholz vom Mieterverein. Zudem: "Herr Wilde hat versichert, sich des Themas anzunehmen."

Krisenstableiter Ludger Wilde hat als Vertreter der Stadt Dortmund wesentlich größere Probleme als den Sperrmüll am Hannibal. Wie die Stadt weiter verfahren will, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

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