Hany Azer jetzt Ehrendoktor in Kairo

Ägypter aus Brechten als Bauexperte international gefragt

Dortmund - Als Retter des Berliner Hauptbahnhofs wurde Hany Azer bekannt. Der Bauleiter in Diensten der Bahn brachte das Mammutprojekt zum Erfolg. Jetzt ist der Brechtener in seiner Heimat Ägypten aktiv - und wurde hoch geehrt.

Eigentlich könnte Hany Azer mit 68 Jahren längst den Ruhestand im heimischen Brechten genießen. "Doch wer rastet, der rostet", sagt er. Seit vielen Jahren ist er vor allem in seiner alten Heimat Ägypten ein gefragter Mann. Wie schon in Deutschland kümmert er sich dort mit großem Erfolg um schwierige Bauprojekte. Und wurde dafür jetzt besonders geehrt: Anfang April zeichnete die Ain-Shams-Universität in Kairo Hany Azer mit der Ehrendoktorwürde aus.

Erste Berufsjahre beim U-Bahn-Bau in Dortmund

"Das ist die Uni, an der ich selbst studiert habe", freut sich der Geehrte. Das ist freilich schon einige Jahre her. Nach dem Studienbeginn in Kairo kam Hany Azer 1973, mit 23 Jahren, nach Deutschland, setzte sein Studium in Bauingenieurwesen in Bochum fort. Er verliebte sich in eine Bergmannstochter, heiratete und zog nach Dortmund. Hier baute er in den 80er Jahren in seinen ersten Berufsjahren als junger Bauingenieur mit an der U-Bahn.

Tunnel- und Brückenbau wurden zu seiner Spezialität. 1994 ging er zur Deutschen Bahn nach Berlin, wo Großvorhaben wie der Nord-Süd-Tunnel und der Ausbau des Lehrter Bahnhofs zum neuen Berliner Hauptbahnhof anstanden. 2001 übernahm er dort das Kommando und brachte das Mega-Projekt erfolgreich zu Ende - rechtzeitig bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Dafür wurde er im selben Jahr vom damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet.

Und er war in der Hauptstadt weiter gefragt. Azer wurde Projektleiter für die Anbindung des neuen Großflughafens Berlin-Schönefeld und des Kreuzungspunkt Ostkreuz. Zwei weitere Millionen-Projekte, die er erfolgreich zu Ende brachte.

Aufgabe bei "Stuttgart 21"

Dass er ein realistisches Gespür dafür hat, was zu schaffen ist und was eher ihn schafft, zeigte sich wenige Jahre später beim nächsten Großprojekt der Bahn, das Azer anvertraut wurde. Den Posten als Chefplaner der Bahn für das umstrittene Milliarden-Projekt "Stuttgart 21" gab er im Mai 2011 entnervt auf. Und er winkte auch ab, als ihn der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn engagieren wollte, um den Bau des Hauptstadt-Großflughafens BER zu retten. Der ist bekanntlich bis heute nicht eröffnet.

Azer brachte seine Expertise stattdessen im Ausland ein, steuerte für die Bahn unter anderem ein Projekt im Emirat Katar. Seit 2015, dem Jahr, in dem er eigentlich in den Ruhestand hätte gehen können, berät er die Regierung in seinem Heimatland Ägypten bei großen Verkehrs- und Tunnelbau-Projekten. So entstanden in nur 14 Monaten Bauzeit vier Straßentunnel unter dem Suezkanal. "47 Meter unter dem Wasser, bei schwierigen Bodenverhältnissen", erzählt Hany Azer. Er half auch beim Bau von drei Gas- und Dampfkraftwerken. "Das letzte geht im Sommer in Betrieb", berichtet der Bauexperte.

Pendeln zwischen Brechten, Berlin und Ägypten

Hany Azer erledigt das gewissermaßen in einer ganz eigenen Form der Pendeldiplomatie. "Ich bin drei Wochen in Deutschland und dann eine Woche in Ägypten", erzählt er. Wobei Hany Azer die Zeit hier auch nicht unbedingt mit der Familie im heimischen Garten in Brechten verbringt. Oft ist der BVB-Fan in Berlin unterwegs, nutzt dort Kontakte zu Politik und Wirtschaft für die Projekte in seinem alten Heimatland. "In Ägypten sind viele deutsche Firmen aktiv. Man vertraut sehr der deutschen Qualität", erklärt Azer. Er selbst verbindet diese "Made in Germany"-Attibute mit der Kenntnis von Land und Sprache.

Das nächste Projekt, das Hany Azer begleitet, ist eine 600 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer. Drei Jahre sind dafür veranschlagt.

Dass alles schneller vorangeht als in Deutschland, hat nicht nur mit weniger Büroktratie zu tun. Auch in Ägypten gibt es Umweltauflagen und Planverfahren, berichtet Azer. "Aber es werden, wenn es Probleme gibt, schneller Entscheidungen getroffen. Man kann da in kurzer Zeit jeden Minister treffen. Und man geht nicht eher auseinander, bis man eine Lösung gefunden hat." Und man kann sicher sein, dass Bauexperte Dr. h.c. Hany Azer oft dazu beiträgt.

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