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Von Rotterdam (Foto) aus schleuste ein Drogen-Netzwerk hunderte Kilo Heroin in die Dortmunder Nordstadt - bis die Dortmunder Ermittler die Route schlossen und 150 Drogenhändler überführten.

Heroin-Route Rotterdam-Nordstadt

Dortmunder Ermittler überführten 150 Drogendealer

DORTMUND/ROTTERDAM - Es war das größte Ermittlungsverfahren gegen Drogenhändler in der Geschichte der Staatsanwaltschaft Dortmund: Zusammen mit Kollegen aus den Niederlanden und Belgien zerstörten die Dortmunder ein Heroin-Transportnetz, das von Rotterdam direkt in die Nordstadt führte. Trotzdem hielten die Ermittler den Erfolg über zwei Jahre lang geheim - aus gutem Grund.

Wer in der Nordstadt Heroin kaufen will – egal ob für den Eigenkonsum oder als Zwischenhändler – wählt eine Telefonnummer in Rotterdam. Dort meldet sich ein „Karim“. Man verhandelt, wird sich einig und kurz nach dem Anruf in Rotterdam tauschen Heroin und Geld an vereinbarten Treffpunkten in der Nordstadt den Besitzer.

Für „Karim“ hat es sich – dank der nationalen und internationalen Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft – ausgehandelt. In einem ihrer größten Ermittlungsverfahren gegen Drogenhändler hat die Staatsanwaltschaft Dortmund den Marokkaner, dem man durch abgehörte Telefonate auf die Schliche kam, für zwölf Jahre hinter Schloss und Riegel bringen können.

Mehrere hundert Jahre Haftstrafen

Zugleich hob sie ein Netz von rund 150 Tatverdächtigen – Drogenhändler und Abnehmer – aus. Die Ermittlungen in dieser Sache laufen bereits seit 2014. Die Staatsanwaltschaft machte sie auf Anfrage unserer Redaktion aber erst jetzt öffentlich, um den Erfolg nicht zu gefährden. „Da kommen am Ende mehrere hundert Jahre an Haftstrafen zusammen“, sagt Oberstaatsanwalt Dr. Joachim Range von der Abteilung gegen „Organisierte Kriminalität“.

Der 2014 auf Bitte der Dortmunder Ermittler von der niederländischen Polizei in Rotterdam festgenommene Drogenhändler meldete sich stets als „Karim“, wenn sein Telefon schellte. Wer in der Nordstadt Heroin kaufen wollte, kannte seine Nummer. Die Übergabe von Geld und Ware erfolgte wenig später in der Dortmunder Nordstadt.

Zugriff in Rotterdam

Auf diesem simplen Vertriebsweg konnte jener Karim mehrere Hundert Kilogramm Heroin absetzen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten, baten Behörden in den Niederlanden und in Belgien um Rechtshilfe und konnten nach dem ersten Zugriff in der niederländischen Hafenstadt Rotterdam am 16. Dezember 2014 ein Dutzend weiterer Verdächtiger festnehmen.

Vor Gericht legte der vorher als Straftäter nicht bekannte Hauptverdächtige Karim ein Geständnis ab. Die in Dortmund verhängte Haftstrafe verbüßt er in einem Aachener Gefängnis.

Ermittlungen dehnten sich immer weiter aus

Die Ermittlungen dehnten sich auch danach immer weiter aus. Mehrere 100.000 Euro wurden sichergestellt. Von dem Spitzenverkäufer in Rotterdam über Zwischenhändler bis zu den Abnehmern auf der Straße sei ein sehr komplexes Verfahren aufgenommen worden. Hohe Haftstrafen von rund acht Jahren verbüßen auch weitere Drogenhändler.

In den Archiven sind die Akten noch nicht gelandet. Die Abteilung gegen organisierte Kriminalität ermittelt weiter. Sie will für die Vielzahl der aus ihrer Sicht überführten Drogenhändler weitere Haftstrafen erwirken.

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