Hilfe für Rettungskräfte

Die Notfalldose im Kühlschrank soll Leben retten

Castrop-Rauxel - Es klingt zunächst absurd, ist aber eine geniale Idee: Die wichtigsten Gesundheitsdaten in einer Kunststoffdose im Kühlschrank lagern, damit Rettungskräfte sie im Notfall schnell finden.

Mit der sogenannten Notfalldose können und sollen besonders ältere Menschen, die alleine leben, den Rettungskräften die Arbeit leichter machen und so eine schnellere und vor allem korrekte Versorgung für sich selbst bekommen können. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wie soll das funktionieren?

Das System ist dabei so einfach wie genial. Man besorgt sich eine Notfalldose, füllt das darin befindliche Formular aus und deponiert die Dose gut sichtbar in einem Türfach im Kühlschrank zu Hause. Um diese neue Idee weiter publik zu machen und an potenzielle Patienten weiterzutragen, die im Notfall schnell Hilfe brauchen, hat das Evangelischen Krankenhaus (EvK) Castrop-Rauxel die Initiative ergriffen. "Wir verteilen die Dosen seit vergangener Woche an Patienten, die entlassen werden und sind mit der Idee auch an die Selbsthilfegruppen im Haus herangetreten", sagt Maria Prediger, Liaisonkraft im Evk. Das kam gut an, hier soll aber noch nicht Schluss sein. Ziel ist es, dass die Notfalldose in möglichst vielen Kühlschränken in Castrop-Rauxel einen festen Stammplatz bekommt. Dafür nutzt das EvK unter anderem auch sein Netzwerk für Geriatrie, also Altersmedizin, so Prediger weiter. Auch Rettungsdienste und der Seniorenbeirat sind mit an Bord. Seit Jahren gibt es bereits die Notfallkarten, die von der Sparkasse ausgegeben werden. Auch darauf stehen wichtige Patientendaten. Das Problem: "Diese Karten werden in der Wohnung nicht immer an derselben Stelle deponiert. Die Notfalldose soll dieses Konzept noch weiter unterstützen", sagt Holger Gespers, Chefarzt für Altersmedizin im EvK, am Freitag beim Pressegespräch.

Für wen ist die Notfalldose gedacht?

Prinzipiell für jedermann, im speziellen sollen gerade ältere und alleinstehende Menschen davon profitieren. "Und diese Gruppe wächst in der Gesellschaft immer weiter", sagt Christa Dreifeld vom Seniorenbeirat der Stadt. Das System ist auch keine Erfindung aus Castrop-Rauxel, hat sich in manch anderer Gemeinde bereits eingebürgert und soll, wenn möglich bundesweit die Arbeit von Rettungskräften erleichtern. "Gerade die Niederlande und Skandinavien haben da schon ähnliche System mit Erfolg eingeführt", sagt Michael Brudek vom Medienteam der Feuerwehr. Da könne Deutschland noch Einiges dazulernen.

Warum gerade in den Kühlschrank? "Erstens weil jeder einen hat und zweitens weil der Kühlschrank in jeder Wohnung am gleichen Ort steht, in der Küche", so Dr. Gespers. Zusätzlich gehören zur Grundausstattung der Dose zwei passende grüne Aufkleber, die Rettungskräfte auf die Notfalldose hinweisen sollen. "Einer sollte gut sichtbar im Eingangsbereich der Wohnung aufgeklebt werden", sagt Michael Brudek. Am besten am Haus- oder Wohnungstürrahmen. "Der zweite wird auf die Kühlschranktür geklebt." Das mag manchem Designliebhaber nicht so recht schmecken, erleichtert die Arbeit der Rettungskräfte aber noch weiter. Denn im Notfall zählt jede Sekunde. "Und es erübrigt vielleicht auch die Frage von Nachbarn oder Angehörigen, was wir denn am Kühlschrank wollen", sagt Brudek und lacht.

Was genau steht auf dem Formular in der Notfalldose?

Eingetragen werden hier, zum Teil im Mutiple-Choice-Verfahren Vorerkrankungen, Allergien, Medikamentenunverträglichkeiten, Notfallkontakte und der Medikamente, die Patient regelmäßig zu sich nimmt. "Wenn sich der Medikamentenplan öfter ändert, kann auch eine aktuelle Version beigelegt werden", sagt Prediger. Aber bitte nicht die komplette Krankenakte in die Dose stopfen. Sie hätte hier wohl ohne hin keinen Platz, "aber es ist wichtig, dass die Infos in der Dose zu kurz und prägnant wie möglich sind", sagt Gespers.

Ist die Notfalldose wirklich so eine große Hilfe?

"Ja", sagt Michael Brudek und erläutert den Vorteil an einem Beispiel aus der Praxis. "Wir mussten vor Kurzem gewaltsam in die Wohnung eines Mannes rein. Er lag auf dem Boden und konnte nicht mehr selbst die Tür öffnen. Er kam noch während des Einsatzes wieder zu sich, starrte die Kollegen aber nur mit großen Augen an, keine Reaktion auf Ansprache. Erst ein Nachbar konnte uns sagen, dass der Mann taubstumm ist." Das habe viel Zeit gekostet. Zeit, die Rettungskräfte und vor allem der auf Hilfe angewiesene Patient schlichtweg nicht haben.

Wo kann ich eine Notfalldose bekommen?

Gewissermaßen als Werbeaktion verteilt das EvK die Dosen an Patienten und Menschen mit potenziellem Bedarf in seiner Reichweite. In diesem Fall gibt es die Notfalldose kostenfrei. "Wir haben 500 Stück geordert", sagt Wilfrid Diekmann, Verwaltungsdirektor des EvK, "aber wir werden wohl noch nachbestellen müssen." Denn kostenlos sind die Dosen nicht. Der Preis liegt bei 2,50 Euro das Stück. "In vielen Apotheken gibt es die Dosen zu kaufen", sagt Maria Prediger.

Auch der Seniorenbeirat der Stadt will Notfalldosen besorgen. In diesem Fall über das Gesundheitsministerium. "Wir haben das angefragt", sagt Christa Dreifeld. Man hoffe auf baldige Antwort und Unterstützung.

Wer füllt das Formular in der Notfalldose aus?

Das kann und darf jeder natürlich selbst. Wer Hilfe braucht, sollte sich an Angehörige oder den Arzt wenden. "Der Seniorenbeirat plant außerdem, Termine anzubieten, bei denen wir Menschen beim Ausfüllen helfen", so Dreifeld. Wann genau ist noch nicht bekannt.

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