Hintergrund

Die Pogromnacht vom 9. November 1938

BERLIN - In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüsteten Nationalsozialisten etwa 7500 jüdische Geschäfte und Einrichtungen in Deutschland. Sie zündeten einen Großteil der rund 1200 Synagogen und Gebetshäuser an, demolierten jüdische Friedhöfe und stürmten Wohnungen. Wie viele Menschen starben, ist unklar. Das Nazi-Regime sprach von 91 toten Juden. Historiker gehen von mehr als 1300 Menschen aus, die in Folge des Pogroms ums Leben kamen. Mehr als 30 000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Propagandaminister Joseph Goebbels sprach von einer "spontanen Welle des Volkszorns". Tatsächlich waren aber vor allem organisierte Sturmtrupps der SA und SS für die Exzesse verantwortlich. Die Bevölkerung beteiligte sich nur vereinzelt, allerdings eilten auch nur wenige ihren jüdischen Nachbarn zur Hilfe. Als Grund für die Ausschreitungen führten die Nazis das tödliche Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris an. Täter war der 17-jährige Jude Herschel Grynszpan.

Die als Pogromnacht bekannte Gewaltwelle gilt als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Bis zum Kriegsende 1945 wurden im Holocaust etwa sechs Millionen Juden umgebracht.

Die von den Nazis übernommene Bezeichnung "Reichskristallnacht", die auf die vielen Scherben in den Straßen anspielte, wird heute als verharmlosend abgelehnt. Allerdings regt die Ausstellung "Kristallnacht" im NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin eine Debatte über den Begriff Pogromnacht an. Das russische Wort Pogrom beziehe sich historisch auf spontane antijüdische Ausschreitungen in Osteuropa im 19. Jahrhundert. Die Terrorwelle gegen Juden in Deutschland wiederum sei von den Nazis zentral ausgelöst und gesteuert worden.

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