Hip-Hop

So war das Konzert von Cypress Hill in der Warsteiner Music Hall in Dortmund

Kalifornischer Kiffer-Vibe am Hörder Hochofen: Cypress Hill haben die ausverkaufte Warsteiner Music Hall in entspannte Stimmung versetzt und eine erstklassige Rap-Performance abgeliefert.

An diesem Freitagabend (15. 12.) geht es, die Hauptdarsteller auf der Bühne betonen das oft und gerne, um den "Vibe". Das bedeutet übersetzt zwar bloß Stimmung. In Verbindung mit der Musik von Cypress Hill bedeutet das: Lass alles fließen. Lass die Reime sprechen. Lass die Leute deinen Namen rufen und gib ihnen dann, was sie wollen.

In den 90er-Jahren hat die Formation aus South Gate, Kalifornien, ihren Teil dazu geleistet, dass Rap und Hip-Hop ihren Weg in die Populärkultur fanden. Welche Entwicklung dieser Musikstil in dieser Zeit auch gemacht hat: Cypress Hill waren mit dabei. Immer mit einem besonderen "Vibe", vielen Latino-Einflüssen und markanten Stimmen.

3600 Menschen bei Cypress Hill in der Warsteiner Music Hall

Jetzt sind Sen Dog und B-Real wieder zurück, mit fast 50 Jahren und einem neuen Album, das immer noch zeigt, wo es langgeht im Rap Game. In Dortmund warten 3600 Menschen in der ausverkauften Warsteiner Music Hall allerdings vor allem auf die zahllosen Reim-Hymnen, die für viele hier ein Teil ihrer Jugend- und Studentenzeit waren.

Sen Dog und B-Real enttäuschen die Erwartungen nicht. Was sie liefern, ist immer noch High-End-Hip-Hop. Die beiden Rapper sind überraschend gut bei Atem, das Timing passt. Dass das Ganze enorm viel Druck hat, liegt vor allem an einem Mann. An den Plattentellern steht Mixmaster Mike, DJ-Weltmeister mit Legendenstatus aus seiner Zeit mit den Beastie Boys. Gemeinsam mit dem Perkussionisten Eric Bobo bildet er den Hintergrund für die Rap-Parts. Das ist mächtig, das ist virtuos, das ist crazy, loco, verrückt - so wie es die Leute wollen.

Am Ende hat das Publikum alles gehört: "Ain?t Going Out Like That", "I Want To Get High", "Insane In The Brain", "Rap Superstar", "Tequila Sunrise". Alles, was nostalgische Gefühle verspricht, steht auf der Liste an diesem Abend. Neue Songs gibt?s eher am Rande. Aber es bleibt doch eine Erkenntnis: Hip-Hop ist schon ein geiler Typ (der natürlich auch weiblich ist). Mit so einfachen Mitteln so bewegend zu sein, schafft keine andere Musikrichtung.

Im Zuschauerraum kreisen die Joints

Wer über Cypress Hill redet, der muss auch über Marihuana reden. Das in Deutschland anders als in Kalifornien illegale, aber weit verbreitete Rauchkraut, ist Teil vieler Texte und der Band-Identität - und auch der ihres Publikums. Auf der Bühne und im Zuschauerraum kreisen die Joints, wie man sie schon lange nicht mehr auf Konzerten hat kreisen sehen.

Beim Cypress-Hill-Gig einige Tage zuvor in München hatte die Polizei genau hingeschaut und 34 Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz gestellt. In Nordrhein-Westfalen geht man das Thema offensichtlich entspannter an. So wird für viele der Abend zu einer kurzen, rauchgeschwängerten Rückkehr in WG-Zeiten mit Abendessen aus dem Sandwich Maker, Konsolenspielen und Hip-Hop-Soundtrack. Cypress Hill lassen die 3600 Menschen ein Peace-Zeichen formen. Ein bisschen Frieden, West-Coast-Style.

Dass diese bequemen Zeiten vorbei sind, wird dem Publikum jäh bewusst, als das Konzert endet. Es ist 21.30 Uhr, die ehemalige Phoenixhalle hat bekanntlich eine 22-Uhr-Grenze (was sonst kaum eine Konzertbühne in diesem Land hat). Das Konzert endet nach zwei Zugaben abrupt. Dann gleißt das Neonröhren-Saal-Licht und die Leute strömen zu den verblüffend schlecht organisierten Garderoben und dann hinaus in die eiskalte Hörder Nacht. Nostalgie hat eben den Haken, dass sie immer nur ein kurzes Aufflackern vergangener Glücksgefühle in der Wirklichkeit ist.

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