Hochhaus an der B1

Fassaden-Platten stürzen von Westfalentower in die Tiefe

Dortmund - Der Westfalentower an der B1 ist 22 Stockwerke hoch. Seine Fassade besteht aus Natursteinplatten. In den letzten Wochen haben sich Teile gelöst und sind in die Tiefe gestürzt - zum Entsetzen der Nachbarn.

Wenn Claudia Bolle aus ihrem Küchenfenster schaut, sieht sie auf die Westseite des Westfalentowers an der B1. Der Westfalentower, 22 Stockwerke hoch, Baubeginn war 2009, stand länger annähernd leer. Inzwischen ist die Commerzbank eingezogen, das Gebäude gehört seit Sommer 2017 der Patrizia AG, laut eigener Aussage ein globaler Anbieter für Immobilieninvestments in Europa.

Die Patrizia AG - ihre Firmenzentrale liegt in Augsburg - schrieb noch im vergangenen Herbst über das Gebäude: "Der Westfalen Tower ist der modernste Büroturm Dortmunds und hebt sich insbesondere durch seine hohe Ausstattungsqualität von den anderen beiden Bürotürmen der Stadt ab."

Kiloschwere Platten stürzten aus 50 bis 60 Metern Höhe ab

Frau Bolle, sie ist Architektin, sieht mehr als einen hohen und verhältnismäßig modernen Turm. In der Fassade des Gebäudes sieht sie auch Löcher. Fassadenplatten aus Naturstein, bis zu 60 mal 30 cm groß, haben sich gelöst und sind zu Boden gestürzt. Aus 50 bis 60 Metern Höhe.

"Uns ist das zum ersten Mal im November vergangenen Jahres aufgefallen", sagt Bolle. Es sei schon grandios, dass so etwas bei einem so jungen Gebäude passiere. Die Westseite sei die Wetterseite des Gebäudes, dort komme es auch zu extremen Fallwinden. Was wäre, wenn jetzt ein Passant oder ein Autofahrer von Natursteinbrocken oder Platten getroffen würde?

Direkt nebenan verläuft die B1 und durch die kleine Straße, in der Familie Bolle wohnt, laufen alleine sechs Kinder, zwei sind ihre eigenen, auf dem Weg zu Schule am Tower vorbei.

Besitzer weiß um die Problematik

Bei der Patrizia AG weiß man um die Turm-Problematik. Richtig sei, dass sich einzelne Teile der Natursteinfassade gelöst hätten und teilweise zu Boden gefallen seien. "Die Ursache dafür ist noch unklar", so schreibt ein Unternehmenssprecher per Mail.

Ein Gutachter habe die Fassade bereits auf weitere kritische Stellen untersucht, derzeit sei nicht mit weiteren Ablösungen zu rechnen. Gefahr für Mieter und Passanten bestehe nicht. Um die auch in Zukunft auszuschließen, sei zusätzlich ein Schutzzaun errichtet worden. Auf die Frage, wie eine Gefahr für Menschen ausgeschlossen werden kann, wenn die Ursache für die Ablösungen bisher unbekannt ist, hieß es von der Patrizia AG, dass man "aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen derzeit keine weiteren Angaben machen" könne.

Städtische Bauaufsicht will prüfen

Claudia Bolle hat ihre Zweifel an den Auskünften des Immobilieninvestors. "Wie", fragt die Frau, "soll ein Gutachter die geschätzt 2700 Quadratmeter Fassade auf der Westseite prüfen, ohne wochenlang die Fassade zu untersuchen?" Den Zaun hält die Mutter eher für einen "gespielten Witz, eine erste Hilfsmaßnahme". Claudia Bolle hat das Gefühl, dass mit der Problematik zu locker umgegangen wird. Was sich in den nächsten Tagen ändern könnte: Die städtische Bauaufsicht, so die Pressestelle der Stadt am Montag, werde den Sachverhalt kurzfristig prüfen.

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