Eine Fliegerbombe wird nach der Entschärfung abtransportiert.
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Eine Fliegerbombe wird nach der Entschärfung abtransportiert.

Hohe Kosten drohen

Auf Privatgrundstück schlummert Bombe - und nun?

LÜCKLEMBERG - Stellen Sie sich vor: Sie verwirklichen Ihren Traum, kaufen ein schönes Häuschen, stecken eine Menge Geld in Renovierung, Umbau und Gartengestaltung. Die letzten Kartons sind noch nicht ausgepackt, da erfahren Sie Niederschmetterndes: Auf Ihrem neuen Grundstück liegt eine Bombe.

So passierte es jüngst einer Familie in Lücklemberg. Der Farbgeruch hatte sich kaum verzogen, da informierte ein Schreiben der Bezirksregierung über den Bomben-Verdacht auf dem frisch erworbenen Grund.

Und als sei die Vorstellung, mit dem Traumhaus ein explosives Kriegsandenken erworben zu haben, nicht schlimm genug, droht auch noch eine empfindliche Attacke auf die geschröpfte Hauskäufer-Kasse.

Denn das Land übernimmt zwar die Kosten der Kampfmittelbeseitigung, nicht aber die "vorbereitenden oder sonst begleitenden Maßnahmen".

Probebohrungen

Wenn also der Kampfmittelräumdienst die Einfahrt aufreißen muss, um Probebohrungen zu machen, so ist das Sache des Eigentümers – ebenso wie die anschließende Neupflasterung. Bombe im Garagen-Grund? Munition unter dem Wohnzimmer? Pech gehabt.

"Alle die Kampfmittelbeseitigung vorbereitenden oder sonst begleitenden Maßnahmen (...) sind von der örtlichen Ordnungsbehörde bzw. vom Grundstückseigentümer auf dessen Kosten zu erledigen", heißt es im entsprechenden Runderlass des Innenministeriums.

Im Lücklemberger Fall prangt der Markierungspunkt genau auf der Schwelle zur Garage, mehr wissen die Eigentümer noch nicht. Der Fund könnte bis zu sechs Meter weiter liegen – und damit genau unter dem Wohnzimmer. "Das wäre unser Ruin", sagt der Familienvater mit einem Anflug von Galgenhumor.

Von solchen Überraschungen bleiben Bauherren in Dortmund verschont, denn zu jedem Bauantrag gehört eine so genannte „Kampfmittelüberprüfung“, wie Michael Solf von der Abteilung Allgemeine Gefahrenabwehr des Ordnungsamts erklärt. "Jede erdeingreifende Maßnahme erfordert eine Luftbildauswertung."

Verdächtiges Objekt

Dazu schalten die kommunalen Ordnungsbehörden den Kampfmittelbeseitigungsdienst in Arnsberg ein. "Dabei kann auch schon mal ein verdächtiges Objekt auf dem Nachbargrundstück entdeckt werden", sagt Solf. Und dort schlägt die Information dann unerwartet und heftig ein wie eine Bombe.

"Es wird aber nicht gleich das halbe Haus abgerissen", beruhigt Solf. Nach einem Ortstermin mit Vertretern von Ordnungsamt und Bezirksregierung werde detailliert geplant, ein Bohrraster angelegt und mit möglichst wenig Aufwand überprüft, ob tatsächlich ein Blindgänger im Erdreich schlummert.

"In vielen Fällen verbergen sich auch nur Schrott oder Tonziegel an der verdächtigen Stelle", weiß der stellvertretende Leiter der Gefahrenabwehr.

103 Verdachtspunkte

Bei den 644 im Jahr 2009 ausgewerteten Luftbildern ergaben sich 103 Verdachtspunkte. Nur an 40 von ihnen fand sich tatsächlich ein Blindgänger – das macht der jungen Familie Hoffnung. In diesem Jahr wurden bislang 632 historische Aufnahmen ausgewertet. Wie viele Kampfmittelfunde dahinter stecken, ist noch nicht erfasst.

Auch wegen der geringen Trefferquote sei kein Eigentümer gezwungen, nach Kampfmitteln auf seinem Grundstück forschen zu lassen, erklärt Solf. Es sei denn, es gebe konkrete Hinweise für einen Blindgänger, wie z.B. Aussagen von Zeitzeugen. Aber wer will schon auf einer Bombe wohnen? Kampfmittelüberprüfung

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