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Harald Gülzow (l.) und Milan Toups ziehen eine Wasserprobe.

Hohe Werte in der Lippe

Gewässerschützer warnen vor Nitratbelastung

MARL - Der Verein VSR Gewässerschutz warnt vor einer extremen Belastung der Lippe durch Nitrat. In Sickingmühle in Höhe des Schachts Auguste Victoria 8 hat er 27 Milligramm Nitrat pro Liter Lippewasser gemessen.

Nach Einschätzung des Vereins ist diese Belastung „erschreckend“: Die intensive Landwirtschaft habe zu einer viel zu hohen Konzentration geführt. Ein Liter Lippewasser dürfe bei „gutem Zustand“ höchstens 11 Milligramm Nitrat enthalten, meinen die Gewässerschützer. Ihre Messungen von der Quelle bis zur Mündung der 220 Kilometer langen Lippe ergaben jedoch überall mehr als doppelt so hohe Werte.

In den EU-Richtlinien für Trinkwasser und Grundwasser sind 50 mg Nitrat je Liter als Qualitätsnorm festgelegt. An diesem Schwellenwert orientiert sich auch der Lippeverband. Wenn drei Viertel erreicht sind (also bei 37,5 mg Nitrat pro Liter) sollen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Diplom-Physiker Harald Gülzow vom VSR Gewässerschutz sieht in dem Richtwert die „äußerste Schallgrenze“. Für das Flusswasser sei er viel zu hoch, da bei hohem Nährstoffanteil im Wasser Algen wachsen: „Wenn sie absterben und verfaulen, entziehen sie dem Wasser Sauerstoff“, erklärt Gülzow.

Öko-Landbau als Alternative

Von der Quelle bis zur Mündung sammelt die Lippe Nitrate an. Mit 25,6 mg/l ströme der Fluss dem Rhein zu, so die Gewässerschützer. Der Rhein wiederum transportiere die Stoffe in die Nordsee. Schaumberge am Strand, die Urlaubern das Baden vergällen, seien die Folge.

Nitrat ist ein Düngemittel. Die derzeitige Düngeverordnung erlaube eine Überdüngung der Felder, kritisiert Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende des VSR. Dagegen vermindere ökologische Landwirtschaft Untersuchungen zufolge die Stickstoffausträge um 28 Prozent. Bareiß-Gülzow schlägt deshalb den ökologischen Landbau als Alternative vor. Er habe weit strengere Düngevorschriften.

Der Lippeverband kam zu etwas niedrigeren Messwerten als der VSR Gewässerschutz. Er stellte 2018 oberhalb des Sickingmühlenbachs 16,7 mg Nitrat pro Liter fest.

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