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Vorbesprechung auf der Bühne der Oer-Erkenschwicker Stadthalle: Regisseurin Yvette Rathai (2. v. l.) mit den Projektleitern von „Früher oder später“, Anne Althoff-von Roëll und Pfarrer Ulrich Radke (2. v. r.), sowie dem Stadthallen-Geschäftsführer Marcus Vierhaus.

Hospizbewegung Teil 7

Eine spezielle Begegnung mit dem Tod

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Die Hospizinszenierung „Früher oder später“ will das Publikum auf ungewöhnliche Art berühren und begeistern – zum Beispiel mit Tanz, Hip-Hop und bunter Darsteller-Kombination. Der Vorverkauf läuft.

Das Thema Tod auf die Bühne zu bringen – das ist nicht ganz einfach. Aber darüber hinaus Elemente wie Tanz und Beat-Boxing, Chansons und Kinderlieder in das Stück zu integrieren – das ist noch wesentlich schwieriger. Dieser Aufgabe stellt sich die Regisseurin Yvette Rathai: Am 2. Februar leitet sie die Aufführung des Hospiz-Stücks „Früher oder später“ in der Oer-Erkenschwicker Stadthalle.

 „Es geht um das Thema Tod, das ist der Rote Faden. Aber wir führen kein durchgehendes Stück auf – es ist mehr eine Inszenierung aus Bausteinen, fast eine Show, zum Beispiel mit Musical-Elementen“, erläutert die Bocholterin. Ein ernstes, trauriges Thema wird mit kurzweiligen Darbietungen und auf sehr verschiedene Weise künstlerisch auf die Bühne gebracht. „Diese ungewöhnliche Kombination macht die Spannung des Stücks aus“, betont Yvette Rathai – und erklärt die Intention der speziellen Inszenierung: „Ich möchte aufbrechen, nur über Traurigkeit zum Thema Tod zu kommen. Ich möchte erreichen, dass der Tod als selbstverständlicher Begleiter des Lebens gesehen wird.“

 So soll die Show mit ihrer großen Bandbreite von „Guten Abend, gute Nacht“ über ein Telefonat mit dem Tod bis zur Hip-Hop-Darbietung das Publikum nicht nur berühren und begeistern, sondern auch zur angstfreien Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Tod anregen. „Das ist aktuell und sinnvoll für jeden. Sich mit dem Tod zu beschäftigen, gibt Lebensqualität“, sagt Yvette Rathai – aus eigener Erfahrung: „Das ist ein Gewinn, man lebt bewusster, bewertet alltägliche Nichtigkeiten anders. Ich war nie näher am wirklichen Leben als bei der Beschäftigung mit dem Tod. Mich hat das persönlich weitergebracht. Allerdings steht es mir nicht zu, das Thema zu interpretieren – ich bin da selbst auf dem Weg, habe keine feste Meinung zum Tod.“ 

So soll das Stück nicht werten oder lenken, vielmehr ähnlich einer Collage nur darstellen. Doch nicht nur die Inszenierung ist ungewöhnlich, auch die Zusammenstellung der Darsteller ist einmalig: Yvette Rathai bringt einerseits Künstler ihres Bocholter Ensembles „Showfactory“ mit zur Aufführung nach Oer-Erkenschwick. Andererseits wirken bei „Früher oder später“ zahlreiche Akteure aus der Stimbergstadt auf der Bühne mit: Da sind Schülerinnen vom Willy-Brandt-Gymnasium dabei – Harfenistin Clara Könen und die „I Dolci“-Chorgruppe, die das „Hallelujah“ von Leonard Cohen singt, da präsentieren Kinder der Clemens-Höppe-Grundschule das Lied „Der Himmel geht über allen auf“. Zudem tanzen Paare der Vestischen Tanzsport-Gemeinschaft Grün-Gold Recklinghausen den „Todeswalzer“ aus Lessings „Emilia Galotti“ und der Recklinghäuser Schauspieler Wichart von Roëll rezitiert Hermann Hesses Gedicht „Stufen“. 

All das muss Yvette Rathai in das Stück integrieren. Die Koordination ist schwierig – nicht zuletzt auch aufgrund der räumlichen Entfernung zwischen Bocholt und Oer-Erkenschwick. Kein Wunder, dass es beim Vortreffen auf der Bühne der Stadthalle viel zu besprechen gab: Ist die Bühne groß genug für einen gemeinsamen Auftritt von Tanzpaaren und Schauspielern? Sollten die Tänzerinnen schwarz gekleidet sein – oder ihre bunten Turnierkleider anziehen? Wo im Publikum sitzen die Grundschul-Kinder während der Aufführung? . . . Yvette Rathai klärt die Fragen mit den Mitwirkenden, bespricht mit Stadthallen-Geschäftsführer Marcus Vierhaus Themen wie Bühnen-Aufgänge, Nebel-Einsatz sowie Licht- und Tontechnik. 

Und die Regisseurin weist immer wieder auf die Bedeutung einer gründlichen Vorbereitung hin. „Wir haben alle zusammen nur eine Probe. Die Einzelteile des Stücks müssen vorher stehen – je professioneller wir es vorbereiten, desto besser und schneller klappt es dann.“ So steht vor der Probe jede Menge Kommunikation an: Absprachen sind wichtig, eine WhatsApp-Gruppe ist gegründet, Videos werden hin und her geschickt – digitale Vorbereitung. Hauptakteurin ist hierbei natürlich Regisseurin Yvette Rathai. „Dass es kein durchgehendes Stück ist und kaum Dialoge gibt, macht die Sache etwas einfacher.

 Aber es ist dennoch eine große Puzzlearbeit: Die einzelnen Bausteine müssen passend ineinandergefügt und das Ganze mit dem Ensemble abgestimmt werden. Wichtig sind da die Details – von der Kleidung bis zum Tempo bei den Auf- und Abtritten. Das muss zügig ineinandergreifen, für die Dynamik des Stücks, ohne Längen“, erläutert die künstlerische Leiterin. „Hier alles unter einen Hut zu bringen, ist eine Herausforderung“, weiß die Regisseurin, ist aber zuversichtlich, auch weil „jeder seinen eigenen Auftritt sehr ernst nimmt.“ „Früher oder später“: Eine vielseitige Inszenierung aus sehr unterschiedlichen Bausteinen, eine Show mit Akteuren, die wohl nur einmal gemeinsam auf der Bühne stehen werden, eine theatralische Collage, die auch durch seine inhaltlichen Kontraste ungewöhnlich ist.

 „,Früher oder später‘ bietet durch seine frohe Art der Inszenierung einen neue Facette, die den Menschen die Möglichkeit eröffnen soll, über das schwierige Thema Tod nachzudenken“, sagt Anne Althoff-von Roëll. Die Schirmherrin des Ambulanten Hospizdienstes Oer-Erkenschwick hat das Stück nach Oer-Erkenschwick geholt, hat zusammen mit Pfarrer Ulrich Radke die Gesamt-Projektleitung. Anne Althoff-von Roëll betont, dass der Besuch der Stadthalle nach der Aufführung noch nicht vorbei sein muss: „Auch um niemanden emotional allein zu lassen oder zu überfordern, besteht im Anschluss die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Yvette Rathai

Die 53-jährige Yvette Rathai lebt in Bocholt, ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.

Yvette Rathai arbeitet in der Bocholter Stadtverwaltung in der Immobilien-Beratung. 

Seit mehr als zehn Jahren leitet sie zudem in Bocholt das Ensemble „Showfactory“. Zur Gruppe gehören – inklusive der Tanzkinder – insgesamt etwa 70 Darsteller, darunter zahlreiche Hobby-, aber auch Profikünstler. Das jüngste Mitglied ist 5, das älteste 91 Jahre alt.

„Showfactory“: „Das ist ein guter Ausgleich zu meiner sonstigen Arbeit“, betont Yvette Rathai. Mit ihrer Crew führt sie normalerweise Musicals auf. Das Hospizstück „Früher oder später“, das erst einmal 2013 in Rhede aufgeführt wurde, ist hier eine Ausnahme.

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