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Für die etwa 150 Jahre alte Eiche kam jede Hilfe zu spät. Der Bagger hat sie am Freitag gefällt.

Illegale Baumfällung

Polizei, Protest und eine Anzeige wegen Spuckens

Waltrop - Die Ickerner Heide, der letzte Zipfel auf Waltroper Stadtgebiet, kurz vor den Toren Castrop-Rauxels. Hier trugen sich am vergangenen Freitag nicht genehmigte, gar ausdrücklich untersagte, Baumfäll-Arbeiten zu, die in einer konzertierten Protest-Aktion der Nachbarschaft mündeten. Inklusive Polizeieinsatz und Auflauf der Ordnungsbehörde. Für eine stolze, 150 Jahre alte Eiche kam dennoch jede Hilfe zu spät.

Ein Sakrileg an der Natur, das an Dreistigkeit nur schwer zu überbieten ist, wie die städtische Grünflächenbeauftragte Michaela Heßelmann klarmacht. „So etwas ist mir tatsächlich noch nicht untergekommen“, stellt sie fest. Was war passiert?

Fällung ohne Genehmigung streng verboten

Vor Kurzem hatte ein Anwohner der Ickerner Heide die Stadt Waltrop kontaktiert um abzuklopfen, ob er auf einem Grundstück, das er zuvor von RSE Salzgitter (ehemals Klöckner AG) gekauft hatte, Bäume fällen darf. „Vor nicht einmal zwei Wochen gab es auch einen Ortstermin mit dem Eigentümer dazu“, berichtet Michaela Heßelmann. Ergebnis dieses Termines: Die Grün-Expertin machte dem Herrn klar, dass eine Fällung der Bäume so ohne Weiteres (und ohne Genehmigung) nicht infrage komme. Eine Einschätzung, die gute Gründe hat. „Wir reden hier von einem sehr alten, prägenden Baumbestand“, sagt Michaela Heßelmann. Mit mehreren sehr alten Eichen und einer prachtvollen Buche, die um die 200 Jahre alt sei. Erschwerend komme hinzu, schildert Heßelmann, dass der Baumbestand zum Teil auf einer Fläche stehe, die als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. „Damit hätte also auch die Untere Landschaftsbehörde mit einbezogen werden müssen“, sagt Michaela Heßelmann. Wurde sie aber nicht – genau so wenig wie anschließend die Grünflächenbeauftragte der Stadt Waltrop.

Bagger macht kurzen Prozess

Stattdessen schaffte der Eigentümer – davon geht die Stadt Waltrop derzeit zumindest aus – Fakten. Am Freitag rückte ein Bagger mit Greifarm an und machte kurzen Prozess mit der ersten Eiche. Die Sägegeräusche haben indes mehrere Nachbarn hellhörig werden lassen. Eine von ihnen war Silvana Krüger, die sich auch am Montag noch fassungslos von den Geschehnissen zeigt.

„Wir wussten gar nicht, wie uns geschieht“, schildert sie. In ihrer Not haben sich die Nachbarn zusammengeschlossen und sich dem Baggerfahrer in den Weg gestellt. Eine Art menschlicher Schutzschild für die alten Bäume. „Dann haben wir bei der Polizei und dem Ordnungsamt angerufen“, erzählt Silvana Krüger. Schließlich wusste man in der Nachbarschaft, dass die Bäume tabu sind.

Bespuckt und angezeigt

Polizeisprecher Michael Franz bestätigt zum einen den Einsatz seiner Kollegen, zum anderen eine Anzeige gegen einen 36-jährigen Mann aus Selm-Bork. „Der Mann soll einen 41-jährigen Anwohner bespuckt haben.“ Dass die Situation nicht nur vor Ort, sondern später auch am Telefon eskalierte, das erzählt derweil Michaela Heßelmann. Sie habe von dem Baggerfahrer die Telefonnummer seines Chefs erbeten, der kurz zuvor offenbar selbst am Ort des Geschehens war, dann aber das Weite gesucht hatte. „Das Telefonat verlief sehr laut und aufgeregt“, sagt Heßelmann. Von Einsicht keine Spur. Von einer Fäll-Genehmigung natürlich auch nicht. „Die hätte ich ja ausstellen müssen“, so Heßelmann.

Unsere Redaktion hat den besagten Unternehmer, Patrick Wilke vom gleichnamigen Baumdienst aus Selm, am Dienstag ebenfalls telefonisch kontaktiert. Auf Nachfrage, ob er am Freitag an der Ickerner Heide gewesen sei, um Bäume zu fällen, antwortete Patrick Wilke: „Nein“. Er beharrte darauf, dass es sich hier nur um Gerüchte handele. Daraufhin beendete Wilke das Telefonat ohne Vorwarnung.

Baum-Wert: 400 Euro

Nun nimmt der ordnungsbehördliche Weg seinen Lauf. Michaela Heßelmann hat den Grundstückseigentümer zur Anhörung geladen. Die Vorstufe eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens. Die Grünflächenbeauftragte stuft die illegale Baumfällung in jedem Fall als „schweres Vergehen“ ein. Die Strafe dafür werde dementsprechend hoch ausfallen. Der Baumschutzsatzung ist zu entnehmen, dass alleine der Wert der Eiche als „bedeutender Baum“ auf 400 Euro festgesetzt ist.

Dankbar ist Michaela Heßelmann derweil den Nachbarn, die Schlimmeres verhindert haben. Der Baggerfahrer soll den Auftrag gehabt haben, nahezu alle Bäume zu fällen.

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