Indoor-Zelten

Der U-Turm bekommt seinen eigenen Campingplatz

Lagerfeuer-Romantik zieht ins Dortmunder U ein: Dortmunds Wahrzeichen bekommt den Winter über seinen eigenen interaktiven Campingplatz. In ihm kann man sogar kleine Welten erschaffen.

Direkt am Anfang des Pressegesprächs stellt Mechthild Eickhoff etwas klar: Nein, scherzt die Leiterin der Bildungs-Etage "U-Zwei", die Idee zum Camping-Platz im U-Turm sei nicht von Museums-Chef Edwin Jacobs gekommen, dessen niederländische Landsleute dem Klischee nach fast in Wohnmobilen leben. "Er hat aber gelacht, als wir sie ihm vorgestellt haben."

Tatsächlich ist das Konzept des neuen Programms ziemlich witzig: Die beiden Dortmunder Künstler Dirk Mempel und Jens Neubert haben die zweite Etage des U-Turms in einen interaktiven Indoor-Zeltplatz verwandelt - und zwar mit allem Drum und Dran. Auf dem Kunststoff-Rollrasen stehen ein großes Hauszelt aus den 1970er-Jahren samt Retro-Campingstühlen, kleine Festival-Schlafzelte liegen im Schatten künstlicher Bäume, aus den Lautsprechern dringt Vogelzwitschern, dazu gesellen sich ein Lagerfeuer und zwei Grills.

Letztere sind natürlich nicht echt - offene Feuerstellen vertragen sich schließlich nicht so gut mit geschlossenen Räumen - sondern digital: Das pixelig auf Bildschirmen lodernde Lagerfeuer kann man sich über einen sogenannten QR-Code auf sein Handy holen und es so zu einem Teil der Installation machen, während Hobby-Grillmeister mit echten Zangen virtuelle Bratwürste wenden können. Nebenan steuert man Wohnmobile auf einem Bildschirm mit einer Spielplatz-Wippe oder packt im Tetris-Stil einen Kofferraum.

Am interessantesten hört sich die Idee hinter dem Sandkasten des Campingplatzes an: An ihm soll man eigene Landschaften bauen können, die über Augmented Reality in Echtzeit von einem Projektor im Stile von Landkarten eingefärbt werden - aus Sandmulden werden so blaue Seen, aus Hügeln orangene Berge. Der 2,5 mal 1,5 Meter messende Kasten war beim Presserundgang noch nicht fertig. Das Video des Pilotversuchs sieht jedoch spektakulär aus:

Als Ausstellung sehen die Macher ihren Indoor-Campingplatz ausdrücklich nicht: "Die Menschen sollen eigentlich vergessen, in einem Museum zu sein", sagt Künstler Jens Neubert. "Wir wollen hier ein kleines Refugium schaffen, in dem es um den kreativen Umgang mit Alltagsgegenständen geht." U-Zwei-Leiterin Eickhoff versteht den Zeltplatz als "gutes Beispiel von Mitmach-Kunst".

Idealerweise würden sich die Besucher untereinander über ihre Camping-Erlebnisse austauschen. "Schließlich kann jeder eine Geschichte dazu erzählen", meint Eickhoff. Deshalb wird es in den kommenden Monaten immer wieder Sonderaktionen geben, um Menschen zusammen zu bringen, als erstes einen langen Zeltlager-Spieleabend am 7. Dezember.

Außerdem soll es später die Möglichkeit geben, im U das zu tun, wozu der Campingplatz an sich einst erfunden wurden: um dort zu übernachten. Doch daran arbeiten die Macher noch: "Das ist schon ein hoher Organisationsaufwand", meint Künstler Dirk Mempel.

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