+
Hier klappt es mit der beruflichen Teilhabe: Ein Mann sitzt im Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz.

Inklusion im Arbeitsleben

Ein Potenzial, das man nutzen sollte

  • schließen

KREIS RECKLINGHAUSEN - Menschen mit Behinderungen haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Ein Team der Agentur hilft bei Orientierung und Vermittlung.

Die Suche nach einer passenden Ausbildungs- oder Arbeitsstelle fällt vielen Menschen sowieso schon nicht leicht. Kommt dann noch eine Behinderung dazu, wird es oft richtig kompliziert. „Dabei bringen Menschen mit Behinderung richtig eingesetzt vielfach ein großes Potenzial mit. Eines, auf das man in Zeiten des Fachkräftemangels nicht verzichten sollte“, sagt die Sprecherin der Agentur für Arbeit Recklinghausen, Cordula Cebulla, mit Blick auf den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen.

Der Tag wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen und findet immer am 3. Dezember statt. Er soll die Situation von Menschen mit Behinderungen ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken und den Einsatz für die Würde, Rechte und das Wohlergehen dieser Menschen fördern. Arbeitsagenturen und Jobcenter veranstalten rund um diesen Tag eine „Woche für Menschen mit Behinderung“ – um auf deren Möglichkeiten hinzuweisen und bei Arbeitgebern für mehr Inklusion im Arbeitsleben zu werben.

Im Agenturbezirk Recklinghausen waren im November 1648 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Diese Zahl ist längst nicht in dem Maße gesunken wie die der Arbeitslosigkeit insgesamt. „Entsprechend steigt der Anteil schwerbehinderter Arbeitsloser an allen Arbeitslosen seit 2012 konstant an und beträgt aktuell 5,7 Prozent“, so Cebulla. Und das, obwohl sie im Durchschnitt besser qualifiziert seien als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung.

Finanzielle Zuschüsse für die Arbeitgeber

Auch liegt die Besetzungsquote der Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen im Kreis RE mit 4,9 Prozent unter der Soll-Quote von derzeit 5,1 Prozent.

Bei der Agentur für Arbeit Recklinghausen gibt es das „Team Rehabilitation und schwerbehinderte Menschen“. Es besteht aus Berufsberatern, Vermittlungsfachkräften und arbeitgeberorientierten Spezialistinnen, „die vielleicht auch mal zu einem Bewerbungsgespräch mitgehen und dafür sorgen, dass sich Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben würden“, sagt Ina Landwehr. Das Team wendet sich nicht nur an Schwerbehinderte, sondern an alle, die aus gesundheitlichen Gründen eine besondere Unterstützung benötigen, um am Arbeitsleben teilhaben zu können – egal, ob psychische oder geistige, Lern- oder Körper-, Seh- oder Hörbehinderungen vorliegen.

So kümmert sich das Team etwa um Jugendliche, die beim Übergang von der Schule in den Beruf einen besonderen Förderbedarf haben. „Da ist etwa der junge Mann, der an Epilepsie erkrankt“, erzählt Beraterin Jasmin Baasch. „Er will im Garten- und Landschaftsbau arbeiten. Und dann muss man schauen, ob das angesichts elektrisch betriebener Maschinen wie Kettensägen funktionieren kann.“

Aber das Team berät auch Erwachsene mit Berufserfahrung, die sich aus gesundheitlichen Gründen auf einmal umorientieren müssen – etwa den Krankenpfleger mit den Bandscheibenvorfällen. „Er hat dann eine betriebliche Umschulung zum Kaufmann im Gesundheitswesen gemacht, die wir finanziell unterstützt haben“, so Baasch.

Bei der Berufsberatung arbeitet das Team mit dem Berufspsychologischen Service, dem Ärztlichen oder auch dem Technischen Dienst zusammen. Letzterer kann zum Beispiel vorschlagen, dass akustische Warnsignale in einer Lagerhalle durch optische ergänzt werden – damit die Einstellung eines Hörbehinderten nicht daran scheitert. Derartige Arbeitshilfen können auch gefördert werden.

Kontakt zum Beratungsteam: 02361/402000

„Überhaupt haben wir einige attraktive Möglichkeiten, Arbeitgeber bei entsprechenden Einstellungen finanziell zu unterstützen“, so Vermittlerin Lillia Weiz. Sie findet, „dass unser Team besonders ist: Weil unsere Kunden so unterschiedlich sind, begleiten wir sie sehr individuell.“ Insgesamt konnten in diesem Jahr 300 schwerbehinderte Menschen mit Hilfe und teilweise finanzieller Unterstützung der Agentur den Weg in den ersten Arbeitsmarkt finden – und damit einen Job, der nicht nur zu Fähigkeiten und Interessen, sondern eben auch zur gesundheitlichen Lage passt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Demonstranten fordern "Moralische Unterstützung für das türkische Volk"
Demonstranten fordern "Moralische Unterstützung für das türkische Volk"
Schalke verpasst Tabellenspitze, Fragen rund um Datteln IV, schwere Unfälle
Schalke verpasst Tabellenspitze, Fragen rund um Datteln IV, schwere Unfälle
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Darum macht das Shoppingcenter Marler Stern vielen Besuchern wieder Spaß
Darum macht das Shoppingcenter Marler Stern vielen Besuchern wieder Spaß

Kommentare