Insolvenz des Energieversorgers

BEV-Pleite trifft Tausende Energieverbraucher im Vest

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KREIS RE - Seriöser kann ein Name kaum klingen, zumindest wenn man dem Freistaat Bayern und seiner soliden Finanzlage zugeneigt ist: Bayerische Energieversorgungsgesellschaft nennt sich der Strom- und Gasanbieter, um den es hier geht, kurz: BEV. Das Problem: Die BEV ist pleite – und die Kunden müssen jetzt um ihr Geld fürchten.

Im Kreis Recklinghausen sind nach Schätzungen rund 7000 Kunden betroffen. Bundesweit hat die BEV mehr als 500.000 Kunden unter Vertrag gehabt.

„Ich kann die drei Buchstaben schon nicht mehr hören“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Marl auf Nachfrage unserer Zeitung. „Bei uns schrillen zum Thema BEV schon seit Monaten die Telefone“, sagt Energieexperte Reint Jan Vos. „Die BEV hat über Energieportale wie Check24 oder Verivox mit Kampfpreisen geworben – und sich am Ende mächtig verhoben“, meint er. Versprochene Bonuszahlungen seien schon länger nicht ausgezahlt worden. „Und jetzt stehen die Kunden vor einem Scherbenhaufen“, urteilt Vos.

Es ist ein Fall, der böse Erinnerungen weckt. Erinnerungen an all die anderen Pleiten, die es in der Energiebranche bereits gegeben hat. Zuletzt rutschten kleinere Anbieter wie Care Energy, E:veen oder DEG in die Insolvenz. Doch weitaus bekanntere Beispiele sind die Firmen Teldafax und Flexstrom. Auch sie warben einst mit extragünstigen Energiepreisen und schlossen damit binnen kurzer Zeit Hunderttausende Verträge ab – bis ihnen das Geld ausging.

Problem mit Bonus- und Guthabenzahlungen

Der Fall BEV hat eine ähnliche Größenordnung wie die Pleiten von Teldafax und Flexstrom, zumindest wenn man auf die Zahl der Betroffenen blickt. Für die Verbraucher dürfte es diesmal dennoch glimpflicher ausgehen, betont Vos. Als Teldafax 2011 pleite ging, waren auf dem Markt noch andere Vertragsmodelle populär, sogenannte Vorkasse-Tarife. Wer statt monatlicher Abschläge eine große Summe im Voraus bezahlte, bekam häufig einen noch billigeren Strom- oder Gastarif. Nach der Insolvenz der Anbieter war dieses Geld in vielen Fällen futsch, häufig ging es um vierstellige Summen. Die meisten Verbraucher haben aus diesem Fall gelernt: Vorkasse-Tarife sind heute kaum noch verbreitet, auch im Fall BEV nicht.

Dennoch dürften einige der betroffenen Kunden auf dreistelligen Beträgen sitzen bleiben. So wurde bei Vertragsabschluss ein hoher Endbonus versprochen. Ob in der Insolvenzmasse genug Geld dafür übrig bleibt, ist äußerst fraglich. Treffen könnte die BEV-Pleite außerdem Kunden, die in den vergangenen Monaten deutlich weniger Energie verbraucht haben, als ihre Abschlagszahlungen vorsahen. „Von diesem Guthaben dürften sie nur wenig oder gar nichts wiedersehen“, schätzt Vos.

Das Unternehmen mit Sitz in München, hinter dem eine schweizerische Firma namens Genie Holding AG verbirgt, hat beim Münchner Amtsgericht die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Axel Bierbach hat für das Verfahren eigens eine Webseite eingerichtet:

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