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Jugendliche und Projektverantwortliche freuen sich auf den Rummel am Ruhrfestspielhaus.

Integratives Kooperationsprojekt

„Jahrmarkt international“ lädt zu Kunst, Spiel und Bewegung

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Kreis RE - Im integrativen Kooperationsprojekt nutzen Jugendliche eine Chance: „Jahrmarkt international“ lädt zu Kunst, Spiel und Bewegung.

Die Krakelschrift auf Pappe kennt jeder, der schon mal auf dem Rummelplatz war: „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“. In Abwandlung der uralten Karussellpersonalwerbung stellt das Jobcenter Kreis Recklinghausen fest: Junge Menschen zum Mitlernen gefunden. Die dritte Auflage des integrativen Kooperationsprojekts mit dem Bildungszentrum des Handels (bz) und den Ruhrfestspielen trägt den beziehungsreichen Titel: „Jahrmarkt international“.

Zwölf Frauen und Männer sind aktiv, junge Geflüchtete und überhaupt Jugendliche ohne Schulabschluss (s. Info). Als ein Projekthöhepunkt bauen sie bunte Stände, Trommeln und ein großes Eingangstor, knoten farbenfrohe Wimpelketten – die Resultate ihrer Arbeit werden vom 24. bis 31. Mai auf dem „Grünen Hügel“ am Ruhrfestspielhaus u.a. mit Theater-Workshops bespielt.

„Ich bin immer wieder begeistert, wie ambitioniert hier gearbeitet wird“, sagt Genia Nölle, Geschäftsführerin der Ruhrfestspiele RE. Der „Jahrmarkt“ ist Projekt Nummer drei, 2018 ist ein Bühnenwagen entstanden („Theaterwerkstatt international“), 2017 ein Verkaufswagen mit Backofen („Bäckerei international“). „Für uns ist das eine Erfolgsgeschichte“, sagt Dominik Schad, Leiter des Jobcenters Kreis RE, das mit Qualifikations-Bausteinen speziell gegen die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen ankämpft. Alois Banneyer, Theaterpädagoge der Ruhrfestspiele, muss niemand vom Konzept überzeugen: „Der ,Jahrmarkt‘ wird nicht nur gebaut, er wird bei uns im Mai gelebt.“

Bauwerk mit Nutzwert fördert Motivation

Nun also, 2019, der „Jahrmarkt international“ – Nölle, Schad und Banneyer sind zu Gast bei einem Ortstermin in der Holzwerkstatt der bz-Schulungsstätte Am Sandershof in Recklinghausen: Dort wird am Dienstag das Richtfest einer Wurfbude gefeiert. Mit allem Pipapo wie Rosinenschnecken und Kaffee – und eben offiziellem Besuch.

Gabriele Bültmann, bz-Geschäftsführerin, darf sich mit den Gästen an der Kirmes-Wurfbude versuchen. Es zeigt sich: Die Hütte ist von bester handwerklicher Qualität. Exakt abgelängte Bretter, Stützen, Pfetten und Sparren sind tipptopp lackiert oder lasiert. Die Scharniere sind gängig, für den Transport ist alles demontierbar. Entstanden sind unter der Anleitung von Manfred Schulz (Tischler) und Marco Lang (Maler) auch Handkarren für Marktschreier, darüber flattern bunte Wimpel. Hört sich alles knuffig an, klingt nach Sozialromantik.

Der unromantische Blick: Die Teilnehmer tragen zum Projektstart – jeder auf seine Weise – ein Päckchen auf dem Rücken. Eigentlich ist es ja einfach: Es ist besser, jemanden an die Hand zu nehmen, in seine Zukunft und die der Gesellschaft zu investieren, als alles einfach laufen zu lassen. Nur: Wie stellt man das praktisch an? Gehen kann es so: Nicht von ungefähr gehört zum Projektteam um bz-Abteilungsleiter Norbert Horrion und Projekt-Koordinator Sebastian Inhester-Künnemann auch die Sozialpädagogin Julia Gorontzy. Hilfe in komplizierten Lebenslagen ist erforderlich und wird gegeben.

Gemeinsames Sägen und Schrauben fördert Sprach- und Sozialkompetenz. Man kann nur miteinander bauen – gegeneinander funktioniert es nicht. Arbeit und Lernen werden verbunden, man büffelt in Sprachkursen und für Schulabschlüsse. Keine Frage: Der Spaß am Akku-Schrauber hält bei der Stange, motiviert. „Die Leute wollen arbeiten, wollen Geld verdienen“, weiß Ausbilder Marco Lang.

Hauptschulabschluss nach Klasse 10, Betriebspraktikum, Ausbildung, Job. Das ist eine realistische Perspektive – Serxhio, 20, will die Chance nutzen. Er stammt aus Albanien, ist seit vier Jahren in Deutschland. Er besitzt bereits einen Führerschein, wie für andere ist auch für ihn die Sprache der Schlüssel zu allem. „Ich mag Holzarbeiten, das habe ich auch früher schon gemacht. Sehr gerne habe ich mit der Stichsäge Figuren ausgesägt.“

Ziel sind Schulabschlüsse und Arbeitsverträge

-„Jahrmarkt International“ ist ein Projekt des Jobcenters Kreis Recklinghausen in Kooperation mit den Ruhrfestspielen und dem Bildungszentrum des Handels in Recklinghausen. -Das Angebot richtet sich an Menschen unter 25 Jahren: Geflüchtete, die u.a. ihre Sprachkenntnisse verbessern wollen, und Menschen, die bisher keinen Schulabschluss haben. -Ziel ist der Erwerb von Schulabschlüssen, die Vermittlung in Ausbildung oder Arbeit – die Verbesserung von Startvoraussetzungen soll tragfähige Anschlussperspektiven eröffnen. -Das Projekt läuft vom 15. September 2018 bis zum 14. September 2019, die wöchentliche Anwesenheitszeit beträgt 39 Stunden, montags bis freitags von 8 bis 16.30 Uhr.

Auch sie werden zu bestaunen sein, wenn der „Jahrmarkt international“ vom 24. bis 31. Mai im Stadtgarten RE läuft. „Es gibt Workshops und Impro-Theater, Musik und Aktionen der Lebenshilfe“, verspricht Theaterpädagogin Franziska Rieckhoff.

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