Eine Spezialfirma ist zurzeit dabei, die Fundamente aus Betonpfählen zu erstellen. Sie reichen bis zu 20 Meter in den Boden und sollen die Bandbrücke über die Lippe tragen.
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Eine Spezialfirma ist zurzeit dabei, die Fundamente aus Betonpfählen zu erstellen. Sie reichen bis zu 20 Meter in den Boden und sollen die Bandbrücke über die Lippe tragen.

Jahrhundertprojekt Lippedeich

Betonpfeiler reichen 20 Meter tief in die Erde

  • Michael Wallkötter
    vonMichael Wallkötter
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Haltern/Marl - Der Neubau der Lippedeiche zwischen Haltern-Lippramsdorf und Marl ist ein Jahrhundertprojekt. Gigantische Ausmaße wird auch eine Bandförderanlage haben, die ab dieser Woche von Spezialfirmen errichtet wird und später große Mengen des Bodenmaterials über die Lippe transportieren soll. Der Lippeverband rechnet damit, dass die Transportbrücke, die einem überdimensionalen Förderband gleicht, bis Ende August betriebsbereit sein wird.

Vor zwei Jahren ist mit dem Bau der neuen Hochwasserschutzdeiche an der Lippe, dem HaLiMa-Projekt, begonnen worden. Seitdem ist auch die Bandbrücke ein Thema. Sie soll später den überwiegenden Teil der Böden, die per Schiff über den Wesel-Datteln-Kanal angeliefert werden, zur Deichbaustelle auf dem gegenüberliegenden, dem nördlichen Lippeufer bringen. Bisher werden die Böden, die am Kanal gegenüber dem AV-Hafen abgeladen werden, zur Hinterlandaufhöhung südlich der Lippe verbaut.

Jedes Schiff ersetzt rund 60 Lkw

Die zwei Stützen der Bandförderanlage mit einer Höhe von bis zu 14 Metern werden in den nächsten Wochen montiert und ruhen dann auf 40 Bohrpfahlfundamenten aus Beton, die bis zu 20 Meter tief in die Erde gebracht werden. Auf diese Weise kann die Brücke eine Weite von 220 Meter überspannen und wird in der veranschlagten Restbauzeit bis Ende 2023 Böden auf die nördliche Flussseite schaffen. „Damit wird sich die Lippe-Querung per Förderband auch wirtschaftlich lohnen“, betont Michael Steinbach, Sprecher des Lippeverbandes.

3,2 Millionen Kubikmeter Sand, Kies und Oberboden müssen im Laufe des Jahres bewegt werden. Mindestens 65 Prozent der Materialien sollen auf dem Wasserweg die Baustelle erreichen, um die Anwohner nicht über Gebühr zu belasten. Jedes Schiff ersetzt rund 60 Lkw.

Auenwald soll entstehen

Noch nie gab es ein Projekt an der Lippe, bei dem der Hochwasserschutz und die ökologische Verbesserung des Flusslaufs so eng miteinander verzahnt worden sind. Das jedenfalls ist die Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden des Lippeverbandes, Dr. Ulrich Paetzel. Durch die Rückverlegung der Deiche werden der Natur 60 Hektar Auenlandschaft – das entspricht 85 Fußballfeldern – geschenkt. Das sind Überflutungsflächen, die bei großen Niederschlagsmengen wie ein Regenrückhaltebecken wirken. In dem Bereich soll sich dann ein Auenwald entwickeln, die Ansiedlung verschiedener Vogelarten, Insekten und Pflanzen wird erwartet. Der Lippeverband vergleicht das HaLiMa-Projekt gerne mit der Umgestaltung der Lippemündung in den Rhein bei Wesel. Was sich dort innerhalb von zwei Jahren in puncto Artenvielfalt entwickelt hat, versetzt Naturschützer regelrecht in Begeisterung.

Die neuen Lippedeiche selbst sind so ausgelegt, dass sie einem Hochwasser standhalten, das statistisch alle 250 Jahre vorkommen kann. Die alten Deiche werden am Ende abgetragen, mit dem Material wird die Lippe verfüllt, die sich in diesem Bereich tief „eingegraben“ hat.

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