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Sollen mehr fremdsprachige Filme im Original gezeigt werden? Die Schüler Jarno Hellkuhl und Amelie Weber sagen beim Regionalwettbewerb von „Jugend debattiert“ in Marl: „Nein“ – und begründen es gut.

"Jugend debattiert"

Schüler diskutieren kontrovers, aber fair

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MARL - Am Albert-Schweitzer-Geschwister-Scholl-Gymnasium fand am Mittwoch der Debattier-Wettbewerb "Jugend debattiert" statt. Die Jugendlichen haben gezeigt, dass sie sachlich und fair ihre Argumente untermauern können.

„Jugend debattiert“ ist ein bundesweit stattfindender, bereits mehrfach ausgezeichneter Schülerwettbewerb zur Förderung der sprachlichen und politischen Bildung. Er steht unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundespräsidenten, aktuell also von Frank-Walter Steinmeier.

Am Marler Albert-Schweitzer-Geschwister-Scholl-Gymnasium (ASGSG) findet an diesem Tag unter der Überschrift „Münster 2“ einer der Regionalwettbewerbe statt. Die insgesamt 42 Schüler debattieren dabei in zwei Altersgruppen über Fragen wie: „Sollen Bürger per Losverfahren zur Mitarbeit im Gemeinderat verpflichtet werden?“

Jarno Hellkuhl hat gerade ein anderes Thema: „Sollen mehr fremdsprachige Filme ohne deutschsprachige Synchronisation gezeigt werden?“ Der 15-Jährige sagt: Nein. „Schließlich würden sonst manche, vielleicht weniger gebildete gesellschaftliche Schichten ausgeschlossen werden“ – weil sie eben dem englischen oder französischen Fernseh- oder Kinofilm nicht mehr folgen könnten. Das klingt gut, muss aber nicht seiner Überzeugung entsprechen. Denn ob man mit seinem Partner die „Pro“- oder „Contra“-Seite vertritt, entscheidet allein das Los.

„Pro“ oder „Contra“? Das entscheidet das Los

Marion Dohms ist die Regionalkoordinatorin des Wettbewerbs. Sie sieht in „Jugenddebattiert“ einen wichtigen Baustein der Demokratie-Erziehung. Gerade auch, weil die jungen Teilnehmer erst an diesem Tag erfahren, welche Positionen sie in den beiden unterschiedlichen Themen-Runden einzunehmen haben. „Das bedeutet, dass sie sich in der Vorbereitung mit allen Argumenten auseinandersetzen müssen“, betont Dohms. „Sie können nicht einfach aus dem Bauch heraus Stellung beziehen, sondern müssen umfassend recherchieren. Irgendeine Schlagzeile auf dem Handy zu lesen, reicht da nicht aus.“

Die Debatte selbst folgt klaren Regeln. In der Eröffnungsrunde hat jeder der vier Jugendlichen zwei Minuten Zeit für sein Eingangsstatement. Es folgt eine zwölfminütige freie Aussprache. Und in der Schlussrunde hat dann jeder nochmal die Chance, die Streitfrage zusammenfassend zu beantworten. Dafür stehen 60 Sekunden zur Verfügung – ehe die Schlussglocke ertönt.

Jarno Hellkuhls Team-Kollegin Amelie Weber läuft am Ende ein bisschen die Zeit davon. Aber die Schülerin des Theodor-Heuss-Gymnasiums Waltrop, die bis dahin sehr souverän und eloquent aufgetreten ist, nimmt’s locker: „Ich fand das Niveau unserer Debatte insgesamt hoch“, sagt die 15-Jährige später. „Weil ganz viele gute Argumente ausgetauscht wurden – und nicht nur eines immer wieder breitgetreten.“

So weist das „Pro“-Team mit Frederike Dickhut (Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium Gelsenkirchen) und Jonas Schalk (ASGSG) darauf hin, dass nicht-synchronisierte Werke die Leistungen der Schauspieler viel besser würdigen würden – und im Original gezeigte Filme den Zuschauern helfen könnten, spielerisch Fremdsprachen zu lernen. Auch das kann man nachvollziehen.

Die Gewinner

Folgende Schüler haben beim Regionalwettbewerb von „Jugend debattiert“ die ersten Plätze belegt:

Altersgruppe 1:

Platz 1: Philipp Urbake (Max-Planck-Gymnasium Gelsenkirchen); Platz 2: Moritz Grimm (Comenius Gymnasium Datteln); Platz 3: Aaron Middeldorf (Theodor-Heuss-Gymnasium Waltrop); Platz 4: Katharina Gebhardt (St.-Antonius-Gymnasium Lüdinghausen)

Altersgruppe 2:

Platz 1: Niklas Kastner (Wolfhelm Gesamtschule Olfen); Platz 2: Louis Kruse (Theodor-Heuss-Gymnasium Waltrop); Platz 3: Frederike Dickhut (Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium Gelsenkirchen); Platz 4: Jan Drees (St.-Antonius-Gymnasium Lüdinghausen)

Die ersten beiden jeder Altersklasse haben sich fürs Regionalsiegerseminar in Kronenburg sowie den Landeswettbewerb qualifiziert.

Bewertet werden sämtliche Debatten von Jurys. Einer davon gehört Jonas Stommel an. Der 18-Jährige baut gerade sein Abitur am ASGSG. Im vergangenen Jahr hat er noch selbst mitdebattiert, wurde Dritter auf Landesebene. „Ich finde es gut, dass man sich hier über wichtige gesellschaftliche Themen austauscht, über die man sich sonst vielleicht gar keine Gedanken machen würde“, sagt er. Als Jury-Mitglied achtet Stommel auf Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit, Überzeugungskraft – und vor allem einen fairen Umgang. „Zuhören, aufeinander eingehen, wirklich miteinander reden: Wir zeigen hier, wie es in der Demokratie laufen sollte.“

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