Kältekammer

Unsere Autorin startet bei minus 85 Grad den Selbstversuch in der Kältekammer

Dortmund - Blau-violett leuchtet die Kältekammer. "-85 Grad" steht an der Tür. Wenn Obst schockgefrostet wird, ist es gerade mal halb so kalt. Unsere Redakteurin Susanne Riese wagt den Selbstversuch.

Die digitale Anzeige zeigt "-89 Grad". Kann der menschliche Organismus das unbeschadet vertragen? Für jemanden wir mich, der nicht nur gefühlt Stunden braucht, um im mittelkalten Mittelmeer baden zu gehen, ist die Aussicht auf Minusgrade im hohen zweistelligen Bereich der pure Horror.

Ich wage mich trotzdem in die Eiskammer des Studios Vitaluxe am Phoenix-See. Die trockene Kälte soll ja gar nicht so kalt sein. Außerdem soll das Eisbad gesund, schlank und schön machen. Und gute Laune, denn der Körper schüttet angeblich alle möglichen Stoffe aus, die sich gut anfühlen. Zunächst um zu überleben oder das Sterben erträglich zu machen, dann aus Begeisterung, der tödlichen Umgebung entkommen zu sein.

Zum ersten Mal ziehe ich mich während der Arbeit aus bis auf das Notwendigste. Um Erfrierungen zu vermeiden erhalte ich dicke Handschuhe, plüsch-gefütterte Latschen, Stirnband und Mundschutz. Ich darf Musik auswählen, das Display neben der Glastür zeigt minus 87 Grad, kalter Nebel schlägt mir entgegen. Die Tür schließt sich hinter mir.

Ich bin allein in der eisigen Kammer. Allein mit der Kälte und Justin Timberlake.

Es fühlt sich an wie im Skiurlaub auf einem sehr hohen Gipfel

Sofort bin ich von dichten weißen Schwaden umgeben. "Can´t stop the Feeling." Ich muss tänzeln und konzentriere mich darauf, durch die Nase zu atmen. Das fühlt sich an wie im Skiurlaub auf einem sehr hohen Gipfel an einem sehr kalten Tag. Aber es tut nicht weh. Das beruhigt.

Ich trete auf der Stelle und drehe winzige Kreise. Es lässt sich aushalten. Aber die Zeit vergeht langsam. Hinter der beschlagenen Scheibe erkenne ich zwei hochgehaltene Finger. Victory? Oder soll das zwei Minuten bedeuten? Oh Gott, hoffentlich heißt es nicht, noch zwei Minuten.

Die leichten Schauer begleiten mich noch den ganzen Tag

Ich halte eine Ewigkeit aus und öffne die Tür. Zu früh. Justin Timberlake war noch nicht fertig. Ich habe die drei Minuten nicht ganz geschafft. Die hätten es sein sollen, wegen der Endorphine und so.

Ich bin trotzdem euphorisiert von meinem Mut und dieser Erfahrung. Es kribbelt etwas am ganzen Körper, der sich innen und außen eiskalt anfühlt. Die leichten Schauer begleiten mich noch den ganzen Tag, aber nicht unangenehm, eher erfrischend.

Abends war´s das aber schlagartig mit der Erfrischung und ich schlafe todmüde ein mit dem Gefühl: Ich bin eine Heldin!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Frontalzusammenstoß - das passierte auf der B58
Frontalzusammenstoß - das passierte auf der B58
VfB Hüls tankt Selbstvertrauen im Testspiel - das Ergebnis überrascht ein wenig
VfB Hüls tankt Selbstvertrauen im Testspiel - das Ergebnis überrascht ein wenig
Türkei-Offensive in Syrien - Erdogan schießt gegen Trump: „Schaffen es nicht mehr zu folgen“
Türkei-Offensive in Syrien - Erdogan schießt gegen Trump: „Schaffen es nicht mehr zu folgen“
Mit attraktivem Offensivfußball in die Erfolgsspur zurückfinden
Mit attraktivem Offensivfußball in die Erfolgsspur zurückfinden
FC Bayern vor Transfer-Hammer? Matthäus lästert: „Ein feiner Techniker, aber zu langsam“
FC Bayern vor Transfer-Hammer? Matthäus lästert: „Ein feiner Techniker, aber zu langsam“

Kommentare