Aus Käufern werden Züchter

Dass Husky Lana Welpen im Bauch hatte, wussten die Käufer nicht

WESTERFILDE - Die Patchwork-Familie Möhlendick/Heptner aus Westerfilde wollte eigentlich nur einen Hund. Jetzt hat sie fünf und damit jede Menge Stress. Denn Husky-Dame Lana war beim Kauf schwanger. Und die Möhlendick/Heptners sind nun Züchter aus Zufall.

Mit ihren stahlblauen Augen fixiert die sibirische Husky-Hündin Lana jeden, der sich dem umgebauten Laufstall nähert. Hechelnd liegt die Hündin darin, wirkt gestresst. "Sie ist aber eine ganz Liebe", versichert Besitzerin Sandra Heptner.

Die Hündin bewacht ihre Welpen

Dass Lana aktuell einen anderen Eindruck macht, hat einen Grund: Vor fünf Tagen hat sie Nachwuchs bekommen. Max, Damon, Amy und Maya heißen die vier schnuckeligen Welpen, die sie pausenlos belagern. In deren Nähe lässt sie niemanden. Abgesehen von Enrico, dem 16-jährigen Sohn von Heptners Lebensgefährte Christian Möhlendick.

Soweit ist die Geschichte zwar süß, aber eigentlich nicht erzählenswert. Hundewelpen kommen schließlich jeden Tag und überall auf die Welt. Doch die Westerfilder Familie hatte nie die Absicht, einen Wurf Husky-Welpen in ihrem Wohnzimmer groß zu ziehen. Sie sind quasi Züchter aus Zufall. Geplant war nur ein Hund. Lana. Aber es kam anders.

Bisher nur zwei Katzen

Kater Strolch und Katze Susi waren bis kurz vor Weihnachten die einzigen vierbeinigen Familienmitglieder. "Die beiden sind 15 Jahre alt und für uns war klar: Wenn sie nicht mehr sind, legen wir uns einen Hund zu", sagt Christian Möhlendick.

Auch welche Rasse es werden sollte, stand fest: Ein Husky sollte es sein. "Weil die so ein tolles Wesen und faszinierende Augen haben", begründen die drei ihre Entscheidung.

"Die oder keine"

Also surften sie ab und an mal im Internet und stolperten dabei prompt über eine Anzeige. Auf einer Plattform bot ein Paar vom Niederrhein Lana zum Verkauf an. "Es war Liebe auf den ersten Blick", schwärmt Enrico. "Die oder keine", war sich Sandra Heptner sofort sicher.

Nur Christian Möhlendick meldete Zweifel an. "Wegen der Katzen". Doch der "Chef", wie Enrico Kater Strolch nennt, gab sein Ok. "Ich habe ihm das Bild von Lana im Internet gezeigt und er hat die Pfote drauf gelegt: Um mir zu zeigen, dass er einverstanden ist."

Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum

Es folgte ein Anruf bei den Verkäufern. "Das war kurz vor Heiligabend", erinnert sich Christian Möhlendick. In dem Gespräch erklärte Möhlendick, dass seine Familie sich für den Hund interessiere. Vor Weihnachten wolle man ihn aber nicht ansehen - und mitnehmen schon gar nicht. "Tiere haben unter dem Weihnachtsbaum nichts verloren", begründet der 44-Jährige die Entscheidung.

"Doch die Besitzer haben Druck gemacht. Es ging ihnen wohl nur darum, schnell an Geld zu kommen, so mein Eindruck." Der Familienrat tagte und man entschloss sich, den Hund zu begutachten. Zwei Tage vor Heiligabend war das: "Es war aber klar, wenn der Hund uns ablehnt, nehmen wir ihn nicht."

"Entweder sofort oder gar nicht"

Dem war aber nicht so. Dass die Chemie zwischen Hund und ihnen stimmte, war wohl auch den Vorbesitzern nicht entgangen, glaubt Sandra Heptner: "Plötzlich hieß es: ?Entweder Sie nehmen den Hund sofort mit oder sie kriegen ihn gar nicht'.

Außerdem wollten die plötzlich 500 Euro. In der Anzeige war aber 450 Euro als Verhandlungsbasis angegeben." Wieder musste der Familienrat tagen. Die Emotionen siegten, und Lana zog nach Westerfilde.

Beim Tierarzt kam die Wahrheit ans Licht

Als die Familie wieder zur Ruhe gekommen war, beschäftigten sich die drei mit den Papieren des reinrassigen Tieres. "Da fiel uns auf, dass Lana geimpft werden muss", sagt Enrico. Also wurde ein Termin bei einer Tierärztin vereinbart - und damit nahm die Geschichte ihre dramatische Wendung.

"Die Tierärztin meinte, dass wir doch besser warten sollen, bis der Nachwuchs da ist. Dann könne man die Welpen gleich mit impfen", sagt Christian Möhlendick. "Da wir bis dahin keinen Schimmer von Lanas Schwangerschaft hatten, war das ein Schock für uns." Denn plötzlich war die Familie nicht nur Hundebesitzer, sondern auch Züchter. "Plötzlich stellten sich tausend Fragen", sagt Christian Möhlendick. Etwa auch die nach dem Vater der Welpen.

"Ob ich wüsste, wie viel so ein Welpe wert wäre"

So wandte sich Möhlendick an den Vorbesitzer. "Der meinte, dass zwei Rüden infrage kämen. Ein französischer Hirtenhund oder ein sibirischer Husky." Beim nächsten Tierarztbesuch stellte sich heraus: Die Welpen sind reinrassig. Das teilte Möhlendick auch dem Vorbesitzer mit.

"Den interessierte aber nur, ob ich wüsste, wie viel so ein Welpe wert wäre", versichert Möhlendick. "Dann bot er mir auch noch an, sich um Mutter und Nachwuchs sowie dessen Verkauf zu kümmern. Danach sollten wir Lana dann zurückbekommen." Empört lehnten Sandra Heptner, Enrico und Christian Möhlendick ab.

Eine Trennung ist unausweichlich

Zurückgeben wollten sie Lana und ihren Nachwuchs nicht. Allerdings: Eine Trennung ist unausweichlich. Zumindest drei Welpen muss die Familie abgeben. Aus Platzgründen. Nur Max soll bleiben. "Weil er seinem Vater so ähnlich sieht", sagt Sandra Heptner.

Den Vater hat sie auf einem Foto gesehen. Gerne würde sie Max mal so richtig knuddeln. Doch an den umgebauten Laufstall darf sie nicht ran. Das verrät der Blick aus Lanas stahlblauen Augen, mit dem sie Sandra Heptner fixiert.

Das sagt der Vorbesitzer

Der Vorbesitzer äußert sich auf unsere Anfrage wie folgt: "Zuerst möchte ich betonen, dass wir von der Schwangerschaft des Hundes nichts wussten. Zudem bin ich verwundert über die Anschuldigungen, da wir in einem guten Kontakt zu der Familie Heptner/Möhlendick stehen und beinahe täglich telefonieren.

Nachdem wir davon Kenntnis erhalten hatten, dass der Hund schwanger ist, haben wir sofort unsere Hilfe angeboten. Wir wussten ja, dass die Familie in einer Mietwohnung lebt und nicht den Platz für eine Aufzucht hat.

Wir haben ihnen die freie Entscheidung gelassen, ob sie den Hund mitsamt Welpen zurückgeben wollen oder ob sie den Hund, nachdem wir die Welpen von der Mutter entwöhnt und vermittelt haben, zurückerhalten wollen. Was den Verkaufspreis betrifft: Es ist richtig, dass als Verhandlungsbasis von uns 450 Euro angesetzt waren. Da die Familie Heptner/Möhlendick aber um Ratenzahlung gebeten hat, haben wir uns dann auf 500 Euro geeinigt.

Es ist nicht richtig, dass wir Druck ausgeübt haben, weil wir aus finanziellen Gründen den Hund abgeben wollten. Vielmehr ist es so, dass bei uns im Haus ein weiterer Hund lebt, mit dem sich die Husky-Hündin nicht vertragen hat und wir sie deshalb abgeben mussten."

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