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Dieter Fiebelkorn entdeckte mehrere Nester des Eichenprozessionsspinners in dem Baum vor seinem Haus.

Kampf gegen Raupen

Eichenprozessionsspinner befällt 1000 Bäume in Marl

MARL - Schädlingsbekämpfer sind in der Stadt im Dauereinsatz.

Am Telefon meldet sich Abfallberater Julian Wagner neuerdings mit dem Wortungetüm „Eichenprozessionsspinnerkoordinationsstelle“. Täglich rufen den Umweltexperten des Zentralen Betriebshofs dutzende Marler an. Er führt eine Liste mit rund 1000 Eichen, die von dem Schädling befallen sind. Immer wieder melden die Bürgerinnen und Bürgern neue Bäume, machen Fotos von den Insekten und stellen sie über soziale Netzwerke ins Internet. Die Gemeinde Liebfrauen verschob ihr Gemeindefest auf den September, weil alle Eichen rund um den Kirchturm stark befallen sind.

Auch Familie Fiebelkorn vom Grünen Weg in Brassert hat ein Problem mit dem Eichenprozessionsspinner. Vor ihrer Haustür steht ein Baum mit mindestens acht Nestern. Das größte ist nur drei Meter vom Schlafzimmerfenster der Eltern (88 und 90 Jahre) entfernt. Lüften könnten sie kaum. Die Nester wurden bisher nicht beseitigt. Sohn Dieter Fiebelkorn musste die feinen Gespinstfäden von der Haustür wegfegen, wirbelte einige auf und hat Ausschlag mit Pusteln. Ebenso der Nachbar und die Nachbarskinder. „So viele Nester wie in diesem Jahr habe ich noch nicht gesehen“, sagt Dieter Fiebelkorn. Nach seiner Meinung betreibt die Stadt „keinen präventiven Schutz“. Stark befallene Bäume in Wohngebieten würden nicht behandelt.

Kindergärten und Schulen haben Vorrang

Der Leiter des Zentralen Betriebshofs, Michael Lauche, weist diesen Vorwurf zurück: „Wir werden alle 1000 Bäume abarbeiten“, verspricht er. Aber das gehe nicht von heute auf morgen. Vorrang haben Schulen, Kindergärten und Spielplätze. Danach folgen Straßen, die von Menschen stark genutzt werden. Erst dann sind kleinere Straßen in Wohngebieten an der Reihe. Der Zentrale Betriebshof hat zwei Schädlingsbekämpfungsfirmen beauftragt. Deren Mitarbeiter gehen mit Schutzkleidung und Industriesaugern vor, saugen die Raupen und ihre Härchen ein und verschließen sie luftdicht in Fässern, die anschließend verbrannt werden. Auch zwei städtische Grünpfleger sind im Einsatz.

Koordinator Julian Wagner stellt fest, dass die Marler stark sensibilisiert sind: „Nahezu alle Meldungen haben wir in den letzten zwei Wochen erhalten.“ Ende Mai/Anfang Juni seien die Larven geschlüpft. Etwa 400 Bäume seien bisher in Marl bearbeitet worden. Michael Lauche ergänzt, dass nicht alle befallenen Bäume der Stadt gehören. Privateigentümer könne die Stadt nur bitten, Schädlinge zu entfernen. Zwingen könne man sie nicht. Der ZBH-Chef bekennt, dass er weiter gern in den Wald geht: „Danach habe ich schon mal rote Pusteln am Arm. Die verschwinden aber wieder.“

Allergiker sind besonders betroffen

Schlimm seien die Fäden für Allergiker. Vorbeugend hatten die von der Stadt beauftragten Schädlingsbekämpfer das Insekt an ausgewählten Bäumen biologisch bekämpft. Mit ihren Kanonen sprühten sie ein ungefährliches biologisches Extrakt des Mangrovenbaums in die Kronen. Es hemmt die Raupen in ihrer Entwicklung. Nach ersten Analysen sind die besprühten Bäume weniger befallen, sagt Julian Wagner. Wie wirksam die Prophylaxe ist, werde erst eine abschließende Analyse in zwei bis drei Wochen zeigen.

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