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Uwe Paluszak (rechts) und sein Team zeigen einen Giftköder (blau) und eine der unterirdischen Rattenfallen. Im oberen Teil des Schachts befindet sich die Technik, die die unten im Rohr eingesetzte Falle mittels Sensoren steuert.

Kanalisation

Pilotprojekt: Stadt erschießt Ratten mit Bolzen

DORTMUND - In den letzten Jahren gibt es immer wieder Beschwerden über Ratten in Dortmund. Um diese effektiv und umweltschonend zu bekämpfen, hat die Stadt nun ein Pilotprojekt im Unionviertel gestartet: Neue Fallen in der Kanalisation arbeiten über Wärmesensoren und erschießen die Nager buchstäblich.

Nein, als Rattenbeauftragter möchte sich Uwe Paluszak nicht so gerne bezeichnen lassen. Tatsächlich ist der Bereichsleiter der Stadtentwässerung seit über 20 Jahren für die unterirdische Rattenbekämpfung in unserer Stadt zuständig. Bislang wurden dafür giftige Köderblöcke eingesetzt. Seit fünf Wochen betreut Uwe Paluszak nun ein Pilotprojekt mit elektronisch gesteuerten Fallen, die ganz ohne Gift auskommen.

Ausgewählt wurde dafür die Alte Radstraße im Unionviertel. Vier Kanalisations-Fallen haben Mitarbeiter der Firma Anticimex so positioniert, dass die Ratten auf ihrer Futtersuche im Abwasserrohr zwingend daran vorbei müssen. Wenn die Sensoren Bewegung oder Körperwärme registrieren, wird die Falle aktiviert. Mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde schießen Bolzen aus der Vorrichtung – und töten den Nager. „Das klingt makaber, aber das Tier leidet nicht, denn es ist auf der Stelle tot“, betont Paluszak.

Beschwerden über Ratten haben zugenommen

Erstes Fazit nach vier Wochen: 40 Ratten sind in die unterirdischen Fallen getappt. Das weiß Uwe Paluszak deshalb so genau, weil über die Sensoren die Fänge registriert und an sein Amt online weitergeleitet werden. Der tote Nager wird durch die Strömung fortgespült.

„In den letzten Jahren haben die Beschwerden über Ratten erheblich zugenommen. Eine mögliche Ursache können große Bautätigkeiten sein. Dadurch werden die Ratten in Gebiete, wo sie vorher nicht gesehen wurden, vertrieben. Es kann aber auch an einer falschen Kompostierung oder Müllentsorgung liegen“, erklärt Uwe Paluszak. Ratten leben vor allem in Grünflächen, nur zur Nahrungssuche oder für schnelle Wegeverbindungen tauchen sie in die Kanalisation ab.

Die Kosten für die unterirdische Bekämpfung der Nager haben sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. „Wir investieren mittlerweile rund 120.000 Euro pro Jahr“, berichtet Paluszak. In 15.000 bis 20.000 Schachtbauwerken werde dafür jährlich Rattengift ausgelegt. Die Köder bestehen im wesentlichen aus Getreide, Wachs und dem Wirkstoff Bromadialon oder Brodifacoum. Wie viele Ratten tatsächlich daran sterben, ist unklar. „Immer mehr Ratten sind gegen das Gift resistent“, sagt Paluszak.

Die Kanalisations-Fallen halte er deshalb für eine gute Alternative, zumal die giftfreie Variante gleichzeitig die Umwelt schone. Zudem habe man einen Überblick über die genaue Anzahl der getöteten Tiere. „Allerdings eignen sich die Fallen nicht für alle Rohre. Eine Reduzierung der Giftköder um 50 Prozent könnte vielleicht möglich sein“, meint Uwe Paluszak. Genaueres könne er aber erst nach der Auswertung des dreimonatigen Projektes sagen. Kostenpunkt: Die Miete pro Falle betrage jährlich rund 1500 Euro.

Säuberungen und Rückschnitte helfen oft auch

Eine Anfrage der Redaktion bei Stadtsprecher Frank Bußmann ergab, dass Hoch- und Tiefbauamt derzeit keine oberirdische, giftfreie Rattenbekämpfung planen. In sensiblen Bereichen wie Spielplätzen sei das Aufstellen von Köderboxen ohnehin das letzte Mittel der Wahl, ergänzt Sprecherin Anke Widow. Oft würden Säuberung oder Rückschnitte helfen.

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