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am 04.04.2016 in Bochum, Gebaude Amtsgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft Bochum Landgericht und STA auch fuer Kreis RE zustaendig . Foto: Thomas Nowaczyk

Kanalleichen-Prozess

Staatsanwalt fordert neuneinhalb Jahre Haft

OER-ERKENSCHWICK - Im zweiten Kanalleichen-Prozess hat die Staatsanwaltschaft für den angeklagten Vater aus Oer-Erkenschwick am Mittwoch die Verhängung von neuneinhalb Jahren Haft wegen Totschlags beantragt.

Obwohl der 44-jährige Ehemann die Tötung seiner Frau zuletzt doch noch zugegeben hatte, nahm sich Staatsanwalt Dietrich Streßig noch einmal über vier Stunden Zeit, um alle Details des unfassbaren Todesdramas zu schildern. Der Ankläger geht davon aus, dass der Angeklagte seine Frau im Juni 2015 in der gemeinsamen Wohnung in Oer-Erkenschwick erstickt hat, indem er sie über 15 Minuten in eine weiche Unterlage („höchstwahrscheinlich ein Kissen“) gedrückt hat.

„Wegen des kraftvollen Vorgehens war sie nicht in der Lage, sich zu wehren oder laut zu schreien“, hieß es im Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte sei von einem „absoluten Vernichtungswillen“ getrieben gewesen. Auslöser sei ein Streit mit seiner 25-jährigen Ehefrau gewesen. Sie habe ihren Mann zur Rede gestellt, weil er gegen Mitternacht noch einmal zu seiner Geliebten gehen wollte. Dabei habe sie gedroht, ihn mit der gemeinsamen Tochter zu verlassen, die er danach nie wiedersehen würde.

Laut Staatsanwaltschaft spreche alles dafür, dass der 44-Jährige die Leiche seiner Frau noch in derselben Nacht auf dem nahen Betriebsgelände der Firma Westfleisch abgelegt hat – und zwar in einem unbeleuchteten Bereich. „Ihm war aber natürlich klar, dass das nur eine Zwischenlagerung sein konnte.“ Tatsächlich war die Leiche der 25-Jährigen später im Kanal bei Waltrop entdeckt worden.

Obwohl die Tat nicht geplant gewesen sei, habe der Angeklagte sofort damit begonnen, „falsche Fährten“ zu legen und zum Schein selbst nach seiner Frau zu suchen. So habe er noch in der Tatnacht im Umfeld der Familie angerufen und bei einer Verwandten auch angeklingelt. „Er wollte vortäuschen, dass ihn seine Frau in der Nacht verlassen hat“, so Streßig.

Im ersten Prozess wurde der Angeklagte freigesprochen. Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben hatte, musste der Fall noch einmal neu aufgerollt werden. Dabei hatte der 44-Jährige zuletzt überraschend sein Schweigen gebrochen und ein Geständnis abgelegt. Verteidiger Siegmund Benecken hält eine Verurteilung von neun Jahren für ausreichend. Der Angeklagte hatte am Mittwoch nur erklärt, dass ihm die Tat „wahnsinnig leidtue“. Das Urteil soll Freitag gesprochen werden.

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