Kaputte StraßeAnwohner verärgert

Stadt lässt Bürger fünf Jahre auf Sanierung warten

RENNINGHAUSENHombruch - Aufgeplatzter Asphalt, Schlaglöcher und Bodenwellen - die Straße Am Hombruchsfeld ist in miserablem Zustand. Bei der Sanierung vertröstet die Stadt Bürger seit mehr als fünf Jahren. Nun gibt es eine neue Ankündigung.Enge Straßen, viele Autos, wenige Parkplätze. Das Phänomen ist überall in der Stadt bekannt. Besonders in Wohnvierteln, die zu einer Zeit entstanden, als ein Auto noch ein Luxusartikel für Privilegierte war. Als sich diese Zeiten änderten, arrangierte man sich mit dem Problem, indem man halbseitig auf dem Bürgersteig parkte. So auch am Weißdornweg. Dort schreitet das Ordnungsamt nun ein und bestraft diese Praxis - sehr zum Frust der Anwohner.

2011 wurde der Abschnitt zwischen Löttringhauser Straße und Lütgenholthauser Straße saniert. Das zweite Teilstück bis zur Stockumer Straße sollte kurz darauf folgen, doch passiert ist dies bis heute nicht. Anwohner Gregor Boeven ärgert sich über den Stillstand am Hombruchsfeld. "Der Zustand ist katastrophal. Ich kenne noch die alten DDR-Straßen zur Zeit der Wende. Das ist durchaus vergleichbar". Dagegen sei die kürzlich sanierte Löttringhauser Straße in viel besserem Zustand gewesen.

Nachfragen seit 2012

Boeven hat deshalb beim Tiefbauamt nach dem aktuellen Stand der Planung gefragt. Im Jahr 2018 solle der Ausbau erfolgen, so die Antwort. Es ist allerdings nicht die erste Prognose, die das Tiefbauamt abgibt.

Bereits im Sommer 2012 hatte Bezirksbürgermeister Hans Semmler die Behörde im Auftrag eines Anwohners angeschrieben. Die Erneuerung der beiden Abschnitte sollte im Jahr 2014 erfolgen, lautete damals die Antwort. Passiert ist aber nichts.

2015 fragte er erneut nach. "Anfang 2016", so die nächste Prognose des Tiefbauamtes, sollten zunächst der Kanal und anschließend die Straße erneuert werden. Es passierte: wieder nichts.

Immer wieder verschoben

Im Sommer dieses Jahres wandte sich Boeven an das Amt und fragte, wann die Sanierung geplant sei. "Da auch der Kanal in diesem Bereich sanierungsbedürftig ist, erfolgt eine gemeinsam abgestimmt Baumaßnahme. Derzeit werden die Ausschreibungsunterlagen erarbeitet, sodass im nächsten Jahr die Maßnahme durchgeführt werden kann", teilte die Behörde mit. Die Straße sei in einem "sehr schlechten baulichen, aber verkehrssicheren Zustand". Das sieht Gregor Boeven anders. "Ich muss hier täglich herfahren und halte den Zustand inzwischen für gefährlich", sagt er. Auch die Kommunikationspolitik der Stadt findet er "unter aller Sau". Man könne die Bürger ja auch mal vorab informieren, findet er.

Aber warum die Verzögerung? "Die Sanierung war ursprünglich im Straßengrunderneuerungsprogramm vorgesehen. Da aber andere Maßnahmen teurer wurden, konnte die Straßensanierung mit diesem Programm nicht umgesetzt werden", erklärte Stadtsprecherin Heike Thelen auf Anfrage dieser Redaktion. Ein Gremienbeschluss werde zur Zeit vorbereitet, um den Baubeginn Mitte 2018 zu ermöglichen.

Am Weißdornweg herrscht Verwirrung. Manch einer parkt auf dem Gehweg, manch einer daneben. Seit das Ordnungsamt hier erst Hinweiskarten und dann Knöllchen mit Abschleppdrohung verteilt hat, wissen viele nicht mehr genau, was erlaubt ist. "Jahrzehntelang wurde hier auf dem Gehweg geparkt, ohne dass es jemanden gestört hätte", sagt Anwohnerin Kirsten Höfer. "Und jetzt will das Ordnungsamt abkassieren." Doch das Parkproblem hört nicht beim Gehweg auf. Wird auf der Straße geparkt, kann es für große Fahrzeuge eng werden.

Doch was ist nun erlaubt? Gehweg oder Straße? Weder noch, sagt das Ordnungsamt. Während Gehwegparken überall dort verboten ist, wo es nicht ausdrücklich erlaubt wird, richtet sich das Parken auf der Straße nach deren Breite. Die örtlichen Gegebenheiten ließen beides nicht zu, teilte die Verkehrsüberwachung Bezirksbürgermeister Hans Semmler auf dessen Nachfrage mit. Ein legales Parken sei demnach nur auf Privatflächen möglich.

Die sind aber rar. Rund 50 Stellplätze für dreimal so viele Anwohnerfahrzeuge stehen zur Verfügung. "Heute hat fast jede Familie zwei Autos, manche noch zusätzlich einen Dienstwagen", meint Höfer.

Situation verschärftVon der Wohnungsgesellschaft GWG Hombruch-Barop fühlt sie sich im Stich gelassen. Denn die habe wesentlich zur Entstehung des Problems beigetragen. "Als hier vor ein paar Jahren ein Neubau mit 24 Wohneinheiten entstanden ist, hat die die Katastrophe erst angefangen, denn dann kamen 50 Autos dazu", so Höfer. Weiter verschärft werde die Situation durch Besucher des nahegelegen Freibads Froschloch, die in der Straße parken und zuletzt durch Durchgangsverkehr von der gesperrten Löttringhauser Straße.

"Wir wollen keinen großen Ärger machen, sondern nur eine Lösung", sagt Anwohner Peter Beinecke. "Und Gleichbehandlung mit den anderen Bürgern dieser Stadt." Denn er kenne viele Straßen, in denen es brenzliger sei. Hier drohe dagegen keine Gefahr. "Selbst ein Löschfahrzeug könnte problemlos auf den Rasenstreifen ausweichen", meint Beinecke, der selbst bei der Feuerwehr war. "Wo sollen wir denn sonst parken?", fragt Höfer. In den benachbarten Straßen herrsche das gleiche Problem.

Wohl auch aus Mangel an Alternativen wird das Parkverbot bisher weitgehend ignoriert. Weiterhin stehen regelmäßig Autos auf Straße und Gehweg. Ein Anwohner, der nicht genannt werden möchte, parkt nun auf der Straße. "Da ist das Knöllchen billiger."

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