Kein Zählereinbau ohne Prüfung

Wasserwerke gehen nach Keimfund auf Nummer sicher

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Gelsenkirchen/Region - Ohne Prüfung bauen Techniker der Gelsenwasser AG keine Zähler ein. Das ist die beruhigende Botschaft des Konzerns aus Gelsenkirchen. Sie hat einen besonderen Grund: Der Fund von multiresistenten Krankenhauskeimen in Wasserzählern in Hamburg und im Rheinland hat eine Diskussion um die Sicherheit der Geräte losgetreten.

„Das Thema wird in unserem Haus sehr ernst genommen“, berichtete gestern Heidrun Becker von der Gelsenwasser-Pressestelle auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir haben reagiert – alle Zähler, die eingebaut werden, werden auch geprüft. Nur kontrollierte Wasserzähler kommen zum Einsatz. Wir haben keine Beeinträchtigungen in unserem Netz feststellen können.“ Zusätzlich lässt die Gelsenwasser AG, die vornehmlich den Kreis RE versorgt, in sensiblen Einrichtungen wie zum Beispiel Altenheimen, in denen in den vergangenen drei Monaten Zähler ausgetauscht worden sind, Proben ziehen.

Sonderanalysen auch bei RWW

Auch die Rheinisch-Westfälischen Wasserwerke (RWW) mit Sitz in Mülheim, die u. a. Dorsten und Gladbeck beliefern, gehen auf Nummer sicher. Auch sie lassen solche Sonderanalysen durchführen. Und haben die Sicherheitsprozeduren beim Einbau eines Wasserzählers nochmals ausgedehnt. „Der Einbau erfolgt nach den anerkannten Regeln der Technik. Es werden vorher Spülungen durchgeführt – wir liegen da bei 120 Litern“, erläutert Pressesprecher Ramon Steggink. „Und wir desinfizieren zusätzlich Anschlussstellen und Dichtungen.“

Ausgelöst hat die Diskussion um Wasserzähler der Fund einer geringen Zahl von Bakterien mit dem Namen Pseudomonas aeruginosa bei Stichprobenkontrollen in Köln und Düsseldorf. Das Bakterium wurde nur in den Zählern selbst, nicht im Trinkwasser gefunden. Nun sollen sicherheitshalber in Düsseldorf und in Köln je rund 3 000 Wasserzähler ausgetauscht werden. Betroffen sein sollen Geräte, deren Innenleben aus Kunststoff und nicht aus Messing besteht.

Gefahr für Immungeschwächte 

Der Keim besiedelt stehendes Wasser. Für gesunde Erwachsene sei er nicht gefährlich, so ein Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW (Lanuv). Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem könne er im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung führen.

Dass ausgerechnet neue Wasserzähler mit diesem Keim befallen sein können, war im August in Hamburg herausgekommen. Nach einem Bericht des „Hamburger Abendblatts” war das Bakterium damals über Monate immer wieder im Trinkwasser einer neu gebauten Kindertagesstätte festgestellt worden. Nach umfangreichen Untersuchungen kamen Experten schließlich auf die Zähler, genauer gesagt auf das Restwasser darin: Die Geräte müssen vor der Benutzung geeicht und mit Wasser durchgespült werden. So sei der Keim in die Zähler gelangt.

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