Kein Zutritt mehr für Mieter

Der Dorstfelder Hannibal wird komplett dichtgemacht

DORSTFELD - Gut vier Monate nach der Räumung des Hannibals II soll der Hochhauskomplex in den kommenden Wochen geschlossen werden. Auch Mieter mit einem gültigen Mietvertrag werden laut Mieterverein Dortmund dann keinen Zutritt mehr zu dem Gebäude haben. Der Verein kündigt gegen dieses Vorgehen juristische Schritte an.

Ab wann die Mieter keinen Zutritt mehr zu den 412 Wohnungen haben werden, ist im Moment noch unklar. Gegenüber dem Mieterverein wurde von der besitzenden Firma Intown der 31. Januar als Datum genannt. Der Stadt gegenüber wurde der 15. Februar kommuniziert.

Ob die Mieter schon einen Termin genannt bekommen haben, ist nicht bekannt. Laut Mieterverein hat Intown angekündigt, die Mieter anzuschreiben. Ob das geschehen ist, ist im Moment unklar.

Schließung des Hannibal war von vielen befürchtet worden

Ob jetzt Ende Januar oder Mitte Februar - mit der beabsichtigten Schließung des Hannibals durch Intown tritt ein Ereignis ein, das von vielen der ehemals 753 Mieter als auch der Stadt Dortmund befürchtet worden war: Der Gebäudekomplex mit 27.955 Quadratmetern Wohnfläche wurde 1976 bezogen. Nachdem es 2007 unter Zwangsverwaltung gestellt worden war, erwarb eine Firma aus dem unübersichtlichen Geflecht von Intown Ende 2011 den Hannibal in einer Zwangsversteigerung.

Die Mieteinnahmen, die das Unternehmen aus dem Hannibal zog, wurden offenbar nur in homöopathischen Dosen für den Komplex eingesetzt: Immer häufiger fielen Aufzüge aus, renoviert wurde kaum, vor allem nicht substanziell.

Millionenschwerer Rechtsstreit zwischen Intown und Stadt

Bei einer außerplanmäßigen Brandschau im September 2017 stießen Feuerwehrleute dann durch Zufall auf erhebliche Brandschutzmängel, die Stadt entschied sich, das Gebäude sofort zu räumen - seitdem gibt es einen juristischen Streit zwischen Intown und der Stadt, dessen Wert inzwischen mehrere Millionen betragen müsste. Es dürfte um entgangenen Mieteinnahmen einerseits und den erheblichen Räumungskosten sowie der notfallmäßigen Versorgung der Mieter durch die Stadt andererseits gehen.

Inzwischen ist die Schlüsselgewalt von der Stadt wieder an Intown übergeben, Fortschritte für den Hannibal II aber nicht öffentlich geworden, im Gegenteil. Das für das vergangene Jahr angekündigte Sanierungskonzept für den Komplex hat das Unternehmen mit Sitz in Berlin in Dortmund noch nicht vorgelegt.

Die Heizungsanlage, die von einem Drittanbieter betrieben wurde, wird aktuell ausgebaut, die DEW21 als kommunaler Wasserversorger hat die Hochhäuser vom Wassernetz genommen. Zu groß war die Sorge vor einer Verkeimung, zum Beispiel durch Legionellen.

Ist die Schließung der Anfang vom Ende des Hannibal?

Experten befürchten, dass all diese Schritte den Gebäudezustand noch deutlich weiter verschlechtern werden. Ein Wertgutachten aus dem Jahr 2011 bezifferte bereits damals einen Sanierungsstau von über neun Millionen Euro. Diese Summe dürfte in den vergangenen Jahren deutlich angewachsen sein.

Der Mieterverein Dortmund kündigte am Freitagvormittag juristische Schritte gegen die Schließung des Hannibals an. Die Sorge ist groß, dass die Schließung der Anfang vom Ende für den Hannibal II ist. Ein Gebäudekomplex, der bezahlbaren Wohnraum in einer nennenswerten Menge beheimatet - das ist inzwischen auch in Dortmund zu einem seltenen und damit begehrten Gut geworden.

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