Der Fuß des Datteln-4-Kessels: An Schweißnähten des gigantischen Rohrsystems wurden Risse entdeckt.
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Der Fuß des Datteln-4-Kessels: An Schweißnähten des gigantischen Rohrsystems wurden Risse entdeckt.

Kesselstahl-Probleme im Kraftwerk

Schaden an Datteln 4 relativiert

DATTELN - Der Kraftwerksbauherr Uniper will den Kessel aus Problemstahl „T 24“ nicht komplett tauschen. Der Abriss des Altkraftwerks verzögert sich weiter.

Am Tag nach Bekanntwerden der Kesselstahl-Probleme im Kraftwerk Datteln 4 müht sich Projektsprecherin Ilona Flechtner, die Brisanz des Schadens zu relativieren. Bei Probeläufen waren „minimale Risse in Schweißnähten“ aufgetreten. Das Problem, dass Schweißnähte bei dem vom vermeintlichen Superstahl zum Problemstahl mutierten Werkstoff „T 24“ reißen können, ist lange bekannt. So war, wie berichtet, vor sechs Jahren T24-Kesselstahl im Kraftwerk Duisburg-Walsum ausgetauscht worden. Bauverzögerung: zwei Jahre.

Auf unserer Internetseite werfen Kommentatoren die Frage auf, ob das neue Dattelner Kraftwerk bei einem Austausch des Kessels nicht eine weitere, dann dritten Planung bräuchte. Immerhin wird der von Uniper angegebene hohe Wirkungsgrad rechnerisch Dank der höheren Kesseltemperaturen erreicht, die T 24 möglich machen soll. Auch Grünen-Ratsherr Theodor Beckmann stellt in einer Stellungnahme diese Frage.

Von einem Komplettaustausch des Kessels könne keine Rede sein, betont Uniper-Sprecherin Flechtner. „Wir sind dabei, gemeinsam mit Kesselbauer Hitachi und dem TÜV alles anzuschauen und zu dokumentieren.“ Im Anschluss würden „bestimmte Bereiche ausgetauscht und neu verschweißt. Wir haben keinen Totalausfall“. Die Probleme mit T 24 seien technisch lösbar, heißt es.

Was wird aus Datteln 1 bis 3? Die Inbetriebnahme des Kraftwerks Datteln 4 verzögert sich wegen Rissen an Schweißnähten des Kessels weiter. Damit verzögert sich auch der Abriss des Altkraftwerks auf der anderen Kanalseite. Die drei alten Blöcke sind Ende Februar 2014 abgeschaltet worden. Mitte 2015 wurden die vier hölzernen, 25 Meter hohen Holz-Kühltürme abgerissen. Geräumt wurde das alte Kohlelager. Verschwunden sind Transportbänder, das Gipslager sowie kleinere Nebengebäude im südlichen Teil des Geländes. Den Abrisszeitplan regelt ein Vertrag zwischen der Stadt und E.ON/Uniper. Und der sieht vor, dass Uniper erst nach gesicherter Inbetriebnahme den Abrissantrag und das Entsorgungskonzept für den weiteren Rückbau einzureichen und nach Erteilung entsprechender Genehmigungen dann rund drei Jahre Zeit hat. Die lange Rückbauphase ist von den Dattelner Grünen wiederholt kritisiert worden. Hintergrund: Auf dem Gelände des Altkraftwerks sind zwei ölbefeuerte Hilfskessel in Betrieb, die die Fernwärmeversorgung von knapp 1 800 Häusern in Datteln (darunter die Krankenhäuser) sicherstellen. Das angrenzende Kessel- und Maschinenhaus sowie die beiden Schornsteine könnten deshalb noch nicht abgerissen werden, heißt es von Uniper. Vermutlich werden die Reste des Altkraftwerks noch bis 2021/2022 am Kanal stehen. Bedauerlich für Dattelns Stadtplanung, denn Stadt und Politik hoffen, den Gewerbepark Meckinghoven, der ab 2018 wachsen soll, später gen Norden auf der Altkraftwerksfläche zu erweitern.

Das Kesselstahl-Problem lässt die Baukosten weiter steigen. Uniper macht keine Angaben zu den Mehrkosten. Mehr als eine Milliarde Euro hat Datteln 4 bislang gekostet. In der Branche wird von weiteren 100 Millionen Euro Investition bis zur Inbetriebnahme gesprochen. Die soll nun nicht im Frühling 2018 möglich sein, wie man bei Uniper zuletzt gehofft hatte, sondern gegen Ende 2018. „Wir reden von etwa einem halben Jahr Zeitverzug“, rechnet Ilona Flechtner vor.

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