Klare Kante

Werdet den Dortmunder Flughafen los, so lange ihr noch könnt!

Dortmund gönnt sich einen Flughafen, der Jahr für Jahr Verluste schreibt. Stattdessen sollte die Stadt den Airport loswerden - das Geld ließe sich besser einsetzen.

Dortmund braucht keinen Flughafen. Ich sage das - persönliches Bekenntnis zum Einstieg - als jemand, der durchaus die Vorzüge einer Flugreise zu schätzen weiß und diesen jede CO2-Bilanz-zerstörenden Verkehrsweg nutzt, um schöne Plätze auf dieser Welt zu erreichen. Und als jemand, der Dortmund nicht ohne Flughafen kennt. Aber das Modell, nach dem der läuft, hat keine Zukunft.

Wer die regelmäßigen Mitteilungen des Dortmund Airport 21 liest, der muss vordergründig erst mal aufpassen, nicht in Jubelstimmung zu verfallen: Besonders häufig taucht das Wort "Wachstum" auf. Neue Ziele, neue Airlines und Passagierzahlen, die immer weiter steigen. Mehr als 2,5 Millionen Menschen starten und landen in Wickede.

Flughafen schreibt seit 1998 durchgehend Verluste

Die Wahrheit bleibt: Es geht seit über 1998 nur darum, die Verluste so klein wie möglich zu halten. Rund 14 Millionen Euro Fehlbetrag inklusive Abschreibungen und Zinsen werden für das Jahr 2018 nach jetzigem Stand im Geschäftsbericht stehen, der Mitte des Jahres veröffentlicht wird. Im Betriebsergebnis, also der Kosten-Einnahmen-Rechnung, stehen 1,9 Millionen Euro Minus.

Bis 2023 möchte der Flughafen ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erreichen - und wähnt sich auf einem guten Weg. Besser gesagt: Er muss es erreichen. Denn sonst droht wieder Ärger mit der EU-Kommission. Und der Airport wäre damit wieder in akuter Pleite-Gefahr.

Es gibt wohl kein Unternehmen in der Privatwirtschaft, dass sich über einen so langen Zeitraum eine solche Fehlbilanz leisten könnte. Doch beim Airport ist das anders. Er ist zu 26 Prozent Eigentum der Stadt. 74 Prozent gehören DSW21 - einer kommunalen Tochtergesellschaft. Das Geld, das in den Flughafen fließt, kommt also aus ein und derselben Tasche. Aus der städtischen, die alle Dortmunder mit ihren Steuern und Gebühren füllen.

DSW21-Kunden alimentieren den Flughafen sogar doppelt

Manche zahlen sogar doppelt. Denn jedes DSW21-Monatsticket, jede Bus- und Bahnfahrkarte, finanziert letztlich auch den Flughafen mit. Es ist schwierig, sich darüber nicht zu ärgern, wenn man sich in einen viel zu engen U-Bahn-Wagen quetscht, auf den man viel zu lange gewartet hat. Auf der eine Seite fehlen die U-Bahn-Waggons für eine Fahrt nach Marten - und am Stadtrand wird eine neue Verbindung nach Moldawien gefeiert? Das ist schwer zu vermitteln.

Braucht Dortmund diesen Flughafen wirklich? Die 1700 Menschen, die durch den Flughafenbetrieb Arbeit finden, würden darauf mit Ja antworten. Gleiches gilt für diejenigen, die die Geschicke des Airports leiten. Sie tun das gewissenhaft und verfolgen eine Strategie. Basis für das Wachstum der Passagierzahlen sind neue Flugziele im Osten und Südosten Europas und die Ansiedlung von sogenannten Billig-Airlines. Das hübscht die Zahlen auf. Eine Zukunftsperspektive bietet das dem Flughafen nicht.

Es gibt optimistische Szenarien, in denen ist Dortmund ein Drehkreuz nach Osteuropa oder sogar für Interkontinentalflüge. Für mehr Flugverkehr müsste Dortmund den Airport aber weiter ausbauen. Der Platz ist begrenzt. Und es wären neue Debatten über den Landebahnverlängerung und die Betriebszeiten zu führen. Schon jetzt ist die Hälfte der Stadt fluglärmgeplagt. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Ausbau eine Mehrheit finden würde.

Das Ende der Billig-Fliegerei wird früher oder später kommen

Doch es gibt auch Szenarien, die Regionalflughäfen eine schwierige Zukunft vorhersagen. Das Ende der Billig-Fliegerei wird kommen, früher oder später. Zu groß ist der ökonomische und ökologische Raubbau auf dem Rücken von Arbeitnehmern und Umwelt, der diesem System zugrunde liegt. Dortmund sollte darauf vorbereitet sein. Und sich jetzt überlegen, wie eine Zukunft ohne Flughafen aussehen könnte - und nicht erst, wenn es zu spät ist.

2007, als der Flughafen noch tiefer in den roten Zahlen steckte als jetzt, gab es einmal eine Rechnung, was eine komplette Stilllegung kosten würde: 170 Millionen Euro. Es wären gewaltige Überlegungen zu treffen, was mit Arbeitsplätzen, dem Gelände, der Infrastruktur passieren würde. Aber darüber nachzudenken muss erlaubt sein, damit nicht alle Dortmunder weiter für den Traum vom Fliegen draufzahlen müssen.

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