Klimawandel

Dortmund hat jetzt im Süden einen zweiten Weinberg

Barop, Hörde - Dortmund bekommt eine zweite Weinsorte im neu angelegten Mitmach-Weinberg im Umweltkulturpark in Barop. Dass hier Wein gedeihen kann, hat einen eher traurigen Grund.

An der Ostenbergstraße liegt jetzt der größte Dortmunder Weinberg. 2012 hatte die Emschergenossenschaft schon einen Weinberg mit 96 Rebstöcken am Phoenix-See errichtet.

Der neue, größere Weinberg am Baroper Rüpingsbach hat nun 300 Reben. Eine andere Sorte als am Phoenix-See. Rote, statt weiße Trauben wachsen hier und sollen in drei bis vier Jahren den ersten Dortmunder Rotwein seit dem Mittelalter hervorbringen.

Schwierige Weinlese am Phoenix-See

Am Rebstock am Phoenix-See musste in diesem Jahr die Ernte deutlich früher beginnen als geplant. Und das unter äußerst schwierigen Bedingungen. Mehltau, die Hitzewelle im Juli und gefrässige Wespen sorgten für eine eher spärliche Ernte. Rund 40 Liter Wein kamen zusamen, die auf dem Bio-Weingut Mohr-Gutting in der Pfalz fachmänisch ausgebaut wurden.

Doch so schön die Tatsache ist, dass es bald zwei Dortmunder Weinsorten geben wird, so traurig ist der Grund, der dahinter steht. Der Projektweinberg in Hörde war eigentlich ein Experiment, um zu zeigen, wie sich der Klimawandel auswirkt, wie Ilias Abawi, Pressesprecher der Emschergenossenschaft (EG), sagt. "Das Experiment ist geglückt", sagt er, der Weinanbau sei "aufgrund des Klimawandels wieder möglich."

Aufklärungsarbeit über die Auswirkungen des Klimawandels bietet ein Lehrpfad, der am Weinberg am Phoenix-See angelegt wurde. Doch die Emschergenossenschaft wolle auch helfen, die Natur der Natur zurückzugeben, wie Abawi betont. So habe man beispielsweise neben der Emscher auch den Rüpingsbach in Dortmund renaturiert.

Weinberg am Rüpingsbach ist zum Mitmachen

Der Rüpingsbach diente, wie eben die Emscher, in den vergangenen Jahrzehnten zur Abwasserentsorgung. War betoniert und begradigt. Heute verläuft er wieder natürlich. Und unweit davon ist der neue Mitmach-Weinberg, auf den auch Winzerin Tina Krachten stolz ist, die das Projekt fachkundig unterstützt.

"Bei der Pflanzung der Reben waren schon viele Bürger anwesend," sagt sie. Es solle auch ein Bürgerprojekt sein. Jedem, der mitmachen wolle, werde die Möglichkeit geboten, an dem Projekt teilzuhaben. Neben dem Mitmach- und dem ökologischen Aspekt solle das Projekt auch Lehr- und Lernanteile beinhalten

"Weinbergarbeit ist harte Arbeit", sagte Ullrich Sierau. Aber in einer Stadt wie Dortmund sei man an harte gewohnt, nur "eben noch nicht im Weinanbau." Alles in allem seien die Verantwortlichen aber sicher, dass das Weinprojekt eine große Bereicherung für die gesamte Region ist. "Wir wollen die Mehrwerte in Szene setzen und zeigen, dass etwas passiert," sagt Uli Paetzel, Vorsitzender der EG; und bedankt sich im gleichen Atemzug für die gute Zusammenarbeit der Genossenschaft und der Stadt Dortmund.

Wein wird versteigert

Und die scheint tatsächlich gut zu laufen, wenn man die Weinberge und die neuen, alten Flüsse Emscher und Rüpingsbach so sieht. Der Weinberg am Phoenix-See hatte in diesem Jahr zwar lediglich 40 Liter Wein produziert, dennoch konnten Weinverkostungen stattfinden. Auch dies sei in Zukunft am Rüpingsbach geplant.

Bei den Verkostungen in Hörde seien auch einige Flaschen der Rebsorte Phoenix versteigert worden. Das dabei erwirtschaftete Geld übergaben Uli Paetzel und Oberbürgermeister Ullrich Sierau dem Inklusions-Segelverein Sail Together.

Den 750 Euro aus den Versteigerungen steuerte Sierau dann noch gleich 250 Euro aus eigener Tasche bei. "Es soll doch eine runde Summe sein," erklärte der Oberbürgermeister.

Rebsorte in Barop ist robust

Die neue Rebsorte in Barop ist eine, die weniger anfällig für Pilzbefall ist und wächst schon recht gut. Und da "aller guten Dinge drei" seien, schließt Ullrich Sierau auch einen weiteren Standort in Dortmund nicht aus. Der müsse jedoch noch gefunden werden.

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