Knappschaftskrankenhaus in Brackel wird 60

Als der Chirurg noch ohne Anästhesisten auskam

Dortmund - Das Knappschaftskrankenhaus in Dortmund-Brackel feiert seinen 60. Geburtstag. 1958 reichten noch drei Toilettenanlagen für 33 Patienten pro Station. Und auch technisch hat sich so einiges verändert.

Der Kurausschuss der Ruhrknappschaft ging 1949 mit der krankenhausmäßigen Versorgung Dortmunds hart ins Gericht: Als "sehr mangelhaft" bezeichnete der Ausschuss die medizinische Versorgung, vor allem die der Bergleute, Rentner und ihrer Angehörigen. Die Lösung des Problems: Ein Krankenhaus musste her.

1952 beschloss der Knappschaftsvorstand einen Neubau am Wieckesweg und am Breierspfad, am 21. April 1958 wurde der erste Patient, ein Kumpel aus Lünen, behandelt und das damals 25,5 Millionen D-Mark teure Knappschaftskrankenhaus am 11. Juli 1958 schließlich offiziell eingeweiht. 60 Jahre sind seither vergangen - Grund genug, diesen Geburtstag gebührend zu feiern.

"Zu Beginn gab es hier zwar eine Chirurgie, aber noch keine Anästhesie", plaudert Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kleinschmidt schmunzelnd über die alten, aber nicht unbedingt guten Zeiten. Tatsächlich ist das Angebot der Anfangszeit kaum mehr mit dem des 21. Jahrhunderts zu vergleichen: Nuklearmedizin, Onkologie oder Kardiologie - heute allesamt wichtige Pfeiler des Hauses - waren in den 50er-Jahren noch weitgehend Fremdwörter am Breierspfad.

Moderne Ausstattung für die damalige Zeit

Nichtsdestotrotz verfügte das Krankenhaus zur Eröffnung über 462 Betten sowie die Abteilungen Chirurgie/Orthopädie, Innere Medizin, Gynäkologie/Geburtshilfe, Radiologie und Strahlenmedizin. Eine durchaus moderne Ausstattung für die damalige Zeit, wobei die Idee, mit Knappschaftsbeteiligung ein Krankenhaus im Dortmunder Osten zu bauen, noch viel älter ist.

Nachdem von 1912 bis 1914 in Derne ein Krankenhausgebäude gepachtet worden war, sollte 1914 am Nußbaumweg ein Baugrundstück erworben werden. Sollte. Denn Kriege, Wirtschaftskrise und andere Hindernisse machten diesen Plänen bis in die 1950er-Jahre einen Strich durch die Rechnung.

Dafür wies der T-förmige Bau bei seiner Eröffnung 1958 durchaus moderne Züge auf - besonders, was die Zimmeraufteilung anging: Verteilt auf sieben Geschosse, besaßen die 14 Stationen ausschließlich Vier-, Zwei- und Einbettzimmer.

Immer komplexere Behandlungen

"Damals waren die Patienten meist 15 bis 20 Tage hier", sagt Kleinschmidt, während die Verweildauer heute - der modernen Medizin sei Dank - deutlich kürzer ist. Die Anzahl der Betten ist dennoch fast gleich geblieben: Heute kann das Knappschaftskrankenhaus stationär 451 Menschen aufnehmen.

Grundlegend verändert habe sich indes die Art der Behandlung, auch in der Anästhesie, sagt Prof. Dr. Björn Ellger, Direktor für Anästhesiologie des Klinikums Westfalen: "Die Menschen werden immer komplexer behandelt. Wir sind heute nicht mehr nur Schlafwagenschaffner, sondern es gehören unter anderem die prä- und die postoperative Betreuung dazu.

Als ein Chefarzt noch 1300 DM verdiente

Und auch die Ausstattung des Hauses ist nach 60 Jahren kaum mehr wiederzuerkennen: Geheizt wurde in den Anfangsjahren mit Deckenstrahlern, zusätzlich wurde ein Kesselhaus geplant, das zunächst mit Koks betrieben wurde.

Auch an die sanitäre Situation mag man nicht so gern zurückdenken: Drei Toilettenanlagen pro Station mit 33 Betten galten als reichlich bemessen. Seit dieser Zeit, als ein Chefarzt noch 1300 DM und eine Krankenschwester 160 DM monatlich brutto verdienten, bei 58 Wochenstunden Arbeitszeit wohlgemerkt, hat sich nach und nach vieles verändert.

Dank gebührt Mediziniern und Pflegern

Sanitäranlagen kamen ebenso hinzu wie eine Intensivpflegestation, Ganzkörper-CTs, Afterloading-Geräte für Strahlenbehandlungen von Tumoren, Laser für die Chirurgie und mehrere Anbauten - um nur einige Neuerungen zu nennen. Und nicht zuletzt stieg die Anzahl der Ärzte von anfangs 34 auf heute 208.

Doch nicht nur den Medizinern sei der Erfolg des Hauses zu verdanken, betont Geschäftsführer Kleinschmidt: "Auch die Pflegekräfte sind die Entwicklung mitgegangen, sodass wir heute ein äußerst modern pflegendes Personal haben. Darauf können wir stolz sein, denn ohne sie geht es nicht."

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