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Die Projektkläranlage (vorne) am Marienhospital in Gelsenkirchen.

Kontrastmittel „auffangen“

In den Müll statt ins Abwasser

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Gelsenkirchen - Unser Bericht über Spuren von Medikamenten und Kontrastmitteln im Trinkwasser sorgt für Diskussionen. Gerade die gemeldete Zunahme des Kontrastmittels Gadolinium stellt Techniker vor eine neue Herausforderung, weil der Stoff bislang nicht herauszufiltern ist. Die Emschergenossenschaft beginnt deshalb in zwei Wochen ein Projekt, um genau solche Stoffe gar nicht erst ins Abwasser kommen zu lassen.

Wie gemeldet, stellte die Zeitschrift „Öko-Test“ fest, dass das Kontrastmittel aus der Magnetresonanztomografie (MRT) in vielen Trinkwasser-Proben von Städten an Rhein und Ruhr gemessen worden sei. Die Werte liegen zwar noch weit unter dem offiziellen Grenzwert, haben sich aber erhöht. Die Ursache der Spuren im Trinkwasser sind offenbar die Einleitungen von Krankenhäusern oder Arztpraxen über die Kanalisation in die Kläranlagen, die wiederum das Wasser in die Flüsse einleiten, aus deren Uferfiltraten Trinkwasser gewonnen wird.

Versuchskläranlage im Marienhospital Buer

Die Emschergenossenschaft hat das Problem der Mikroverunreinigung angefasst und macht beim EU-Forschungsprojekt „noPILLS“ mit. Das Gelsenkirchener Marienhospital spielt dabei eine besondere Rolle: Hier läuft eine Versuchskläranlage, um Rückstände von Arznei- und Kontrastmitteln aus dem Abwasser herauszufiltern. Jetzt will die Emschergnossenschaft direkt an der Quelle ansetzen, wie deren Sprecher, Ilias Abawi, auch als Reaktion auf unseren Bericht mitteilt. Patienten der Radiologie sollen Röntgenkontrastmittel nicht mehr über die Toilette ausscheiden, sondern über spezielle Urin-Beutel. Diese werden dann über den normalen Krankenhausmüll entsorgt. Das Mittel käme erst gar nicht in den Wasserkreislauf – so die Idee.

Ab dem 15. September, können Patienten zwei Wochen lang freiwillig mitmachen, wie Abawi sagt. Die Teilnehmer würden gebeten, nach der Einnahme bei den ersten fünf Toilettengängen nach dem Röntgen den Urin in Beuteln aufzufangen. Ein Gel sorgt dafür, dass der Urin fest wird und als Müll entsorgt werden kann.

Projektkosten von 2 Millionen Euro

Die Emschergenossenschaft misst währenddessen das Krankenhausabwasser, ob sich die Werte der Kontrastmittel dadurch spürbar senken lassen. Auch sonst wird das Abwasser des Krankenhauses sehr genau überwacht: Rund 200 Kubikmeter fallen pro Tag im Marienhospital an. Was vorher in die Kanalisation floss, landet heute in einer dreistufigen Kläranlage. Nach der Behandlung in einer biologischen Membranfiltration, durch Ozon und Aktivkohle schafft es die Anlage, das Abwasser von Arzneiresten zu befreien, so die Emschergenossenschaft.

Es geht also doch. Der Preis aber könnte viele abschrecken: Die Projektkosten in Buer betrugen laut Emschergenossenschaft rund zwei Millionen Euro.

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