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Balbina im Dortmunder Freizeitzentrum West.

Konzert im FZW

Balbina: Poetisch oder eher selbstverliebt?

DORTMUND - Klang-unterfütterte Geschichten für den Kopf - aus dem Kopf einer Frau, die offensiv mit ihrem Anderssein und einem Hang zur Melancholie kokettiert - das bot Balbina ihren Fans am Dienstagabend im Freizeitzentrum West. Ein Konzert, über das man geteilter Meinung sein kann.

Balbina ist einer ihr Vornamen und ihr Künstlername, sie ist 33 Jahre alt, lebt in Berlin und hat drei Alben auf dem Kerbholz. In Videos pflegt sie manchmal einen Look, der an Björk erinnert, ihre Musik ist deutschsprachiger Indie-Pop: getragen, introspektiv, sehr Ich-bezogen.

Am Dienstag spielte Balbina vor 130 Leuten ein Konzert im kleinen Club des Freizeitzentrums West, begleitet wurde sie von einem Trio an Schlagwerk, Keyboard, Bass oder Mini-Korg. Sie promotet ihr aktuelles Album „Fragen über Fragen“, spielt aber auch älteres Material.

Wenig Bewegungsenergie

Musik für den Körper, gar Rock, ist das nicht. Bewegungsenergie schlägt selten durch. Es sind Klang-unterfütterte Geschichten für den Kopf - aus dem Kopf einer Frau, die offensiv mit ihrem Anderssein und einem Hang zur Melancholie kokettiert. Das klingt mal pompös, mal dramatisch, was Balbina auf der Bühne gerne mit theatralischen Gesten ihrer freien Linken untermalt. Kein Sound für die Party also, eher für verregnete Tage, wo einen der Weltschmerz anwallt.

Textlich meditiert Balbina über die Alltagsdinge, ihre Songs heißen „Milchglas“, „Blumentopf“, „Seife“, „Nichtstun“ oder „Goldfisch“. Gegenstände liefern oft den Ausgangspunkt für eine Befindlichkeits-Lyrik, deren Bilder man schön schräg poetisch finden kann oder aber seltsam verquast und Metaphern-beschwipst. Ist das nun große Pop-Poesie der kleinen Dinge? Oder rhabarbert Balbina selbstverzückt vor sich hin und um den eigenen Nabel? Wir tendieren zu Letzerem.

Fans sehen das natürlich anders. „Ich habe Balbina im Vorprogramm von Herbert Grönemeyer erlebt und war sofort begeistert“, sagt Monika Becker (60) aus Schwerte: „Ihre Texte sind anders als das, was man sonst hört. Das wollte ich live sehen.“ Rebecca Bektas (30) ist aus Essen angereist: „Ich mag ihre Lyrik und wie sie es auf der Bühne rüberbringt.“ Auch ihre Freundin Christin Söhnchen (30) hat Balbina drei Mal im Konzert gesehen: „Ich finde das Gesamtpaket toll: Musik, Text, Ausstrahlung. Sie ist authentisch. Sie lebt, was sie singt, denke ich.“

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