Konzert

Pur schwebt in der Westfalenhalle im Handylichter-Himmel

Das toll illuminierte Pur-Konzert in der vollen Westfalenhalle begeistert. Es ist so gefühlvoll wie politisch - und Dortmunds größter Frauenchor rührt Hartmut Engler fast zu Tränen.

Die Gruppe Pur ist mehr als nur gut gemachter, gefälliger Pop. Das beweisen Sänger Hartmut Engler und seine sechs Musiker am Samstag in der vollen Westfalenhalle. "Du bist mehr", singt der Frontmann und weist schon zu Beginn auf das Plus von Pur hin.

Zum Titelsong des aktuellen Albums "Zwischen den Welten" fliegt die Erde auf dem Video-Rondell unter der Hallendecke über eine Mondlandschaft und deutet früh an, was die Band optisch zu bieten hat. Dazu gibt es eine bunte, mit Spezialeffekten aufwartende Lichtershow, die nach zwei Stunden guter Unterhaltung in pyrotechnischen Fontänen am Rand der in der Hallenmitte platzierten Bühne endet.

Affen auf der Bühne, Konfetti in der Luft

Zu "Affen im Kopf" rocken entsprechend verkleidete Tänzer auf der Bühne ab. Bei "Energie", einem weiteren neuen Song, stoßen Konfetti-Kanonen silberne Schnipsel in die Höhe, sind die Bässe bis auf den Oberrang auch zu spüren. Mit "Freund und Bruder" schickt Hartmut Engler per lautem Jubel und Beifall einen "kräftigen Genesungsapplaus" an Band-Gründungsmitglied Ingo Reidl. "Er ist seit zweieinhalb Jahren heftig krank, befindet sich nach mehreren Operationen auf dem Weg der Besserung", gibt Engler Entwarnung. "Wir hoffen, dass er im Sommer wieder mit uns auf der Bühne stehen wird."

Bis dahin vertritt ihn Matthias Ulmer am Keyboard. Martin Ansel (Gitarre, Akkordeon), Joe Crawford (Bass), Rudi Buttas (Gitarre), Cherry Gehring (Keyboard, Gesang) und Frank Dapper (Schlagzeug) sorgen für den richtigen Sound bei neuen Hits wie "Verboten schön" und "Alles was noch kommt" wie auch bei Klassikern wie "Lena" und "Funkelperlenaugen".

Im Publikum wird hemmungslos geheult

Bei "Wenn sie diesen Tango hört" wird es sentimental. Vor und auf der Bühne. Das Lied für seine 91-jährig verstorbene Mutter rührt Hartmut Engler fast zu Tränen, während im Publikum hemmungslos geheult wird. Dortmunds größter Frauenchor singt diesen Song in der großen Halle a cappella, sorgt so für Gänsehautgefühl.

Zu "Drachen sollen fliegen" erleuchtet im weiten Rund ein Handylichter-Himmel, der die gefühlvolle Musik-Präsentation unterstreicht. Mit "Bis der Wind sich dreht" und "Neue Brücken" wird es politisch kritisch. "Wir spielen schon seit 25 Jahren gegen den Wind", ruft Engler aus. "Und wir dachten, wir können irgendwann mal damit aufhören." Doch Rechtsruck und Kriege würden dies zunichtemachen. "Unsere Art zu leben ist friedlich demokratisch", betont der Pur-Texter unter lautem Jubel.

Fernsehkoch Nelson Müller singt Abenteuerland

Letzterer begleitet auch Überraschungsgast Nelson Müller. Der Fernsehkoch mit starker Stimme intoniert "Abenteuerland". Stimmlich setzt sich Engler im halbstündigen Zugabenblock ab. Da singt er a cappella in höchsten Tönen, zeigt sich dabei deutlich variabler als in den Pur-Pop-Songs. Bravo!

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