Konzerthalle auf Phoenix-West

So lief die Eröffnung der Phoenixhalle

HÖRDE - Dortmund hat eine neue Live-Musik-Halle: Am Donnerstag ist das erste Konzert in der Phoenixhalle auf Phoenix-West über die Bühne gegangen. Schnell wurde klar: Atmosphäre und Akustik sind herausragend. Es wartet aber auch noch eine Menge Arbeit auf die Hallen-Macher. Ein erstes Fazit.

Vor dem wegen juristischer Probleme mehrfach verzögerten Start der Phoenixhalle gibt es viele offen Fragen gegeben. Klappt die Organisation eines Konzertes mit 3600 Besuchern? Wie sieht die Halle von innen aus? Wie ist der Sound? Wie läuft die An- und Abreise der Zuschauer ab?

Das Gesamtfazit nach einem langen Premieren-Tag: Atmosphäre und Akustik sind herausragend, die Organisation drumherum ist aufwendig, aber sie funktioniert beim ersten Mal. Es bleibt aber noch eine Menge Arbeit.

So war das Konzert:

Die Band SDP ist zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Ihr Pop-Rock besteht aus wuchtigen, durchdefinierten Song-Linien und ist damit ein guter Gradmesser für die Akustik. Weil SDP von Toten-Hosen-Akkorden bis Seeed-Dancehall die deutsche Rock-Geschichte der vergangene 30 Jahre in ihren Songs für eine Zielgruppe von 8 bis 48 einbauen, bekommt man an diesem Abend alles einmal zu hören. Und: Es geht auch in etwas kleiner, wie der Gelsenkirchener Rapper Weekend zeigt, der kurzfristig für Timi Hendrix einspringt. Deshalb lautet die eigentlich wichtigste Antwort bei der Bewertung dieser neuen Konzerthalle: Sie klingt richtig gut.

Die SDP-Fans sind euphorisch, bis kurz vorm Kreischalarm. Es gibt Feuersäulen, Kerzenschein, wilden Pogo und Liebeslieder, Riesen-Gummibälle und Konfetti. "Die haben die Halle gerade noch rechtzeitig für uns aufgemacht", ruft Frontmann Vincent auf der Bühne.

Die Organisation drumherum:

Damit die Besucher den Weg zur neuen Phoenixhalle finden, leisten die Organisatoren - Hallen-Betreiber Alexander Richter und das Team des FZW als Veranstalter des Konzerts - großen Aufwand. Dutzende Ordner weisen an den Straßen von Phoenix-West den Weg zu den Parkplätzen. Drei Euro kostet der Parkplatz, von dem es über die Konrad-Zuse-Straße direkt auf die Halle zugeht.

Dort stehen die Fans der Gruppe SDP um 18 Uhr in langen Schlangen vor der historischen Fassade des alten Industriegebäudes. Die Halle mit den zwei Anbauten ist von außen noch eine Baustelle. Der Einlass verzögert sich um gut zehn Minuten, dann öffnen die Tore der neuen Arena zum ersten Mal.

Drinnen: nackter Beton im neu gebauten Foyer, dahinter ein Treppenhaus, das zu Toiletten, Garderobe und Außenbereich führt. Der Eingang zum Konzertraum liegt rechts. Der Beton geht in altes Ziegelsteingemäuer über. Hohe Decken, Stahlträger, alte Ketten und Haken - die Halle hat ihren Industriecharme behalten. Jetzt ist sie ein Popkultur-Ort. Jeder, der hier hineingeht, blickt staunend nach oben. Und nach vorn zur Bühne.

Der rund vierstündige Konzertabend funktioniert nach dem gelernten Ablauf einer Pop-Veranstaltung. An manchen Stellen hakt es noch. "Ich habe viele Kleinigkeiten gesehen", sagt Hallen-Betreiber Alexander Richter. So sei etwa das Garderobensystem noch nicht optimal, an anderen Stellen seien Wege noch ungewohnt.

Die An- und Abreise:

Als das Konzert um kurz nach 22 Uhr endet, laufen viele Besucher direkt zu den Shuttle-Bussen von DSW21, die zum Bahnhof Hörde fahren. Was natürlich nicht verhindert, das Hunderte die Hochofenstraße zu Fuß hinab laufen. Zu diesem Zeitpunkt sitzt in einem Eckhaus zur Halle ein Gutachter des Oberverwaltungsgerichts NRW und misst in einer Wohnung die Lautstärke.

Denn dies ist der heikle Punkt im Gerichtsverfahren zwischen dem Wohnungsinhaber und der Stadt Dortmund, die den Bau genehmigt hatte. "Nutzt die Busse und seid nett zu meinen Nachbarn", sagt Alexander Richter auf der Bühne, kurz bevor das erste Konzert beginnt. Die Ergebnisse der Messung sind noch nicht öffentlich. Aber der Eindruck ist: An diesem Abend halten sich die Leute an die Regeln.

Die Abreise mit dem Auto wird durch Ordner und Kurzzeit-Schilder von der Hochofenstraße in Richtung B 54 weg geleitet. Bis man dort ankommt, dauert es gut eine Viertelstunde, weil sich Hunderte Autos durch die Straßen von Phoenix-West schlängeln.

Das sagen die Nachbarn:

Der Anwohner, dessen Klage gegen die Baugenehmigung noch verhandelt wird, steht gegen 21.45 Uhr vor seiner Haustür, um den Gerichtsgutachter zu empfangen. "Mir geht es ja gar nicht darum, ob es so eine Halle gibt. Es geht mir um Ruhe", sagt er. Seine Befürchtungen, durch den Lärm der vorbeigehenden Konzertbesucher nicht schlafen zu können, hätten sich aber bestätigt. Beim dritten Konzert in der neuen Halle, dem Auftritt von Rapper Kontra K am 27. November (Montag) wird es eine weitere Lärmemissionsmessung geben. Ein Termin für den Abschluss des Rechtsstreits steht weiterhin noch nicht fest.

Die Situation insgesamt ist für das benachbarte Hörder Wohnviertel neu. Doch die Mehrheit, so sagt es eine Gruppe Frauen, die vor dem Imbiss "Heaven's" steht, freue sich über die Phoenixhalle. "Es bringt ein bisschen Leben ins Viertel", sagt Martina Lerche. "Es ist nicht lauter, als das, was im Sommer aus dem Westfalenpark kommt", meint ihre Nachbarin Heike Reisaus. Und erst recht nicht als der ständige Autoverkehr, der hier entlang führt, inklusive der aufgemotzten Karren, "mit denen die wie doof hier rauf und runter fahren".

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